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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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Zwergfliegenfänger (Muscicapa parva, rubecula, minuta, lais und leucura, Erythrosterna parva und leucura, Saxicola rubeculoides, Synornis joulaimus, Rubecula tytleri, Thamnobia niveiventris, s. Abbildung, S. 513), mit verhältnismäßig starkem Schnabel und hochläufigen Füßen, eines der anmutigsten Vögelchen, die überhaupt in Deutschland vorkommen. Das alte Männchen ähnelt im Frühjahre in der Farbenverteilung unserem Rotkehlchen. Die Oberseite ist rötlich braungrau, auf dem Scheitel, dem Oberrücken und den Oberschwanzdeckfedern etwas dunkler, auf den großen Flügeldecksedern und den hinteren Schwingen lichter gekantet; Kinn, Kehle, Gurgel, Kropf und Oberbrust sind roströtlich, die übrigen Unterteile trübweiß, die Handschwingen schwärzlich braungrau, lichter gesäumt. Bei jüngeren Männchen ist das Rotgelb der Kehle blässer als bei alten. Die Weibchen unterscheiden sich durch düstere, mehr gräuliche Farben von den Männchen. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel und die Füße sind schwarz. Die Länge beträgt 12, die Breite 20, die Fittichlänge 7, die Schwanzlänge 5 em. Ungeachtet aller bisherigen Forschungen kann der Verbreitungskreis des Zwergfliegen—⸗ fängers noch nicht mit Sicherheit angegeben werden. Er tritt selten im Westen, häufiger im Osten Europas auf, verbreitet sich über ganz Mittelasien bis Kamtschatka und besucht —

auf seinem Winterzuge Südchina, Formosa und Indien, vielleicht auch Nordafrita, ist jedoch in vielen Ländern, in welchen er höchst wahrscheinlich ebenfalls lebt, noch nicht nachgewiesen worden. Man hat ihn einzeln in fast allen Gegenden unseres Vaterlandes beobachtet und überall, aber als große Seltenheit, verzeichnet; es ist jedoch anzunehmen, daß er viel öfter vorkommt, als man glaubt. In Mecklenburg scheint er nicht besonders selten zu sein; in der Mark und in Pommern brütet er regelmäßig; in Polen, Galizien und Ungarn ist er stellenweise sogar häufig. Aber der Zwergfliegenfänger gehört durchaus nicht zu den auffallenden Vögeln, und der, der ihn entdecken will, muß ein geübter Beobachter sein. Waldungen mit hochstämmigen Buchen bilden seinen bevorzugten Aufenthalt. „Da, wo Edeltannen mit Rotbuchen im bunten Gemische stehen und diese Bäume ihre üppigen Zweige in hellgrünen und dunkeln Farben durcheinander weben, kurz da, wo die Sonne nur sparsam ihre Strahlen bis auf den Untergrund des Bodens sendet, und wo unter dem grünen Dache ein eigentümliches, heiliges Dunkel herrscht, da“, sagt A. von Homeyer, „ist unser Vögelchen zu Hause.“ Hier lebt er hauptsächlich in den Kronen der Bäume und kommt nur gelegentlich in die Tiefe herab. Lieblingswohnsitze von ihm sind Baumgruppen, die von dichtem Aufschlage jüngerer Bäume begrenzt werden; denn in den Dickichten sucht er bei ungünstiger Witterung und namentlich bei starkem Winde erwünschte Zuflucht. In der Nähe bewohnter Gebäude findet er sich nur ausnahmsweise ein: er ist so recht ein eigenlicher Bewohner des stillen Waldes. Graf Wodziceki versichert, daß er in seinem Betragen ein wahres Bindeglied sei zwischen Laubsängern und Fliegenfängern und ebensosehr an die einen wie an die anderen erinnere; andere Beobachter behaupten, daß man den Fliegenfänger in ihm niemals zu verkennen im stande sei, weil er im wesentlichen dessen Gebaren zeige. „Der Zwergfliegenfänger“, schildert A. von Homeyer, „treibt sich auf dürren Zweigen dicht unter dem grünen Blätterdache in einer Höhe von ungefähr 13—18 müber dem Boden mit besonderer Vorliebe umher. Er hat nur ein kleines Gebiet; innerhalb dessen aber gibt es keine Ruhe, wie man sie sonst wohl von einem Fliegenfänger erwarten dürfte. Unser Vogel erhascht im Fluge ein Kerbtier, setzt sich zehn Schritt weiter auf einen Ast, klingelt sein Lied, fliegt sofort weiter, nimmt einen kriechenden Kerf vom benachbarten Stamme für sich in Beschlag, sich dabei vielleicht ein wenig nach unten senkend, und steigt dann fliegend wieder bis unter das grüne Dach der Baumkronen empor. Hier singt er abermals, um sich gleich darauf um m gegen den Boden herabzustürzen, dem brütenden Weibchen einen Besuch abzustatten und, wenn dies geschehen, sich wieder aufwärts zu schwingen. So geht es den ganzen Tag über. Am regsten und fleißigsten im Singen ist er früh morgens bis 10 Uhr; mittags bis gegen 3 Uhr rastet er; abends, bis Sonnenuntergang, aber ist er in derselben fröhlichen Weise thätig wie am Morgen.“ Der Lockton, ein lauter Pfiff, der dem „Füit“ unseres Gartenrotschwanzes ähnelt, wird häufig in den Gesang verflochten. Dieser besteht aus einer Hauptstrophe, die sich durch Reinheit der Töne auszeichnet. Baldamus bezeichnet sie durch die Silben „tink tink tink ei — da ei — da ei — da“ ꝛc. Nach A. von Homeyer ist der Gesang „ein munteres, glockenreines Liedchen, das jeden kundigen Hörer überrascht, bezaubert und erfrischt, am meisten an den Schlag des Waldlaubsängers erinnert, den er jedoch an Mannigfaltigkeit und Klangfülle übertrifft, so daß letzterer da, wo beide Vögel zusammenleben, vollständig in den Hintergrund tritt.“ Der Warnungston ist ein gezogenes „Zirr“ oder „Zee“. Die Jungen rufen „sisir“. Wie bei vielen anderen Sängern kann übrigens über den Gesang sowohl wie über die anderen Stimmlaute allgemein Gültiges kaum gesagt werden, weil die einzelnen Vögel hierin abweichen. Da der Zwergfliegenfänger ebenfalls spät im Jahre bei uns eintrifft und schon ziemlich frühzeitig wieder wegzieht, fällt die Brutzeit erst in die letzten Frühlingsmonate. Das

Nest steht entweder in Baumhöhlen oder auf Gabelästen, oft weit vom Stamme. Feine Würzelchen, Hälmchen, grünes Moos oder graue Flechten bilden den Außenbau; das Innere ist mit Wolle und anderen Tierhaaren ausgekleidet. Das Gelege besteht aus 4—5 Eiern, die 16 mm lang, 12 mm dick und denen unseres Rotkehlchens ähnlich, d. h. auf blaugrünlich weißem Grunde mit hell rostfarbigen, mehr oder weniger verschwommenen und verwaschenen Flecken ziemlich gleichmäßig gezeichnet sind. Beide Geschlechter wechseln im Brüten ab, und beide lieben ihre Brut außerordentlich. Das Weibchen ist beim Nestbaue am thätigsten und wie gewöhnlich beim Brüten am eifrigsten; das Männchen hält sich jedoch als treuer Wächter fortwährend in der Nähe des Nestes auf, sorgt durch fleißiges Singen für Unterhaltung der Gattin und warnt diese wie später die Jungen bei Gefahr. Bald nach dem Ausfliegen werden letztere den Dickichten zugeführt, und von Stunde an verändert sich das Wesen ihrer Eltern: sie verhalten sich ebenso still und ruhig, wie sie früher laut und lebendig waren. Wahrscheinlich tritt die Familie schon früh im Jahre die Winterreise an. Gefangene Zwergfliegenfänger stehen ihres schmucken Aussehens, ihrer Beweglichkeit und leichten Zähmbarkeit halber bei allen Liebhabern in Gunst. Die Fliegenschnäpper (Myiagrinae), eine dritte, den Gleicherländern der Alten Welt angehörende Unterfamilie bildend, kennzeichnen sich durch zierlichen Leibesbau, verhältnismäßig langen, sehr niedergedrückten, am Grunde breiten, auf dem Firste fast geraden, halig übergebogenen und gezahnten Schnabel, kurze und schwache Füße, mittellange Flügel, in denen die vierte und fünfte Schwinge die längsten sind, ziemlich langen Schwanz, dessen mittlere Fahnen bei den Männchen einiger Arten sich bedeutend verlängern, und reiches, in angenehmen Farben prangendes Gefieder, das in der Schnabelgegend zu Borsten umgewandelt ist. Alle hierher gehörigen Vögel zeichnen sich vorteilhaft durch ihre Rastlosigkeit und Lebendigkeit aus; einige von ihnen beleben die Waldungen in der anmutigsten Weise. Sie sind viel in Bewegung, sitzen hoch auf hervorragenden Ästen der Bäume, schauen von hier aus nach Kerbtieren umher, fliegen solchen auch wohl gewandt nach, fangen sie und kehren sodann nach ihrem Sitzplatze zurück. Ebenso durchkriechen sie aber auch jagend das Gezweige. Ihre Stimme ist angenehm, obwohl man bei ihnen von Gesang nicht recht sprechen kann.

In den Waldungen Ostafrikas bin ich dem Schleppenfliegenschnäpper (Rhipidura melanogastra, Terpsiphone melanogastra, Muscipeta melanogastra, melampyra, speciosa, ferreti und duchailii, Tschitrea melanogastra, melampyra, speciosa, senegalensis und ferreti) häufig begegnet. Der ebenso schöne wie lebhafte Vogel ist im Hochzeitskleide auf Kopf, Hals und Kropf schwarz, stahlgrün gleißend, auf der Oberseite, Flügel und Schwanz eingeschlossen, weiß, auf der Unterseite bis auf die weißen Unterschwanzdecken schiefergrau; die Schwingen sind schwarz, die des Armes außen weiß. Das Auge hat braune, der Schnabel meerblaue, der Fuß graublaue Färbung. Im Winterkleide ist die Oberseite nebst den beiden mittleren Schwanzfedern zimtkastanienbraun, das übrige Gefieder dagegen wie im Prachtkleide gefärbt. Das Weibchen ähnelt dem Männchen im Winterkleide; die Unterseite ist jedoch dunkler als bei letzterem. Die Länge beträgt 37, die Breite 22, die Fittichlänge 9, die Länge der beiden mittleren Federn des Schwanzes 28, der äußeren 9em. Der Schleppenfliegenschnäpper bewohnt alle bewaldeten Gegenden der Wendekreisländer Afrikas, steigt im Gebirge bis zu einem Gürtel zwischen 2000 und 3000 m Höhe empor,

PARADIESFLIEGENSCHNÄPPER.

wandert nicht, sondern streicht höchstens in einem beschränkten Gebiete hin und her, verläßt den Wald nie und siedelt sich mit Vorliebe in der Nähe von Gewässern oder in tiefeingerissenen Thalschluchten an. Im Thale von Mensa sahen wir ihn täglich, da, wo der Hochwald reichen Unterwuchs hatte, gewiß. Hier lebt der prächtige Vogel paarweise; aber es hält nicht eben leicht, neben dem auffallenden Männchen auch das bescheidenere Weibchen aufzufinden. Weiß sich doch sogar jenes, seiner prachtvollen Farben ungeachtet, vortrefflich in dem bunten Gelaube zu verstecken! In seinem Wesen hat dieser Schleppenfliegenschnäpper manches mit den echten Fliegenfängern gemein, erinnert aber auch wieder an die Bienenfresser. Während des Sitzens spielt er mit seiner Holle und dem Schwanze, den er langsam hin und her schwingt. Sein Flug ist sonderbar, rasch und leicht, wenn es gilt, nach Fliegenfängerart ein Kerbtier zu verfolgen oder einen Eindringling der gleichen Art aus dem Gebiete zu jagen, langsam schwebend, absatzweise und scheinbar schwerfällig hingegen, wenn es sich darum handelt, weitere Strecken einfach zu überfliegen. Wenn er sein Prachtkleid trägt, ist er unter allen Umständen eine überaus fesselnde Erscheinung. Um diese Zeit zeigt er sich in seiner vollen Lebendigkeit. Argwöhnisch überwacht er sein jetziges Wohn“, wahrscheinlich auch Brutgebiet, und mutig greift er jeden Vogel an, welcher es durchfliegt, nötigt selbst einen Raben, es zu verlassen. Eifersüchtig verfolgen sich die Männchen mit außergewöhnlicher Heftigkeit und Beharrlichkeit, manchmal viertelstundenlang ohne Unterbrechung. Sie jagen mit raschem Fluge hintereinander her durch die Kronen der Bäume und durch die dichtesten Gebüsche, und ihre weißen Schwanzfedern ziehen wie eine prächtige 22 hinterdrein, so recht eigentlich von der Luft getragen. Ich muß der lebendigen Schilderung Swinhoes, die er von einem in China lebenden Gattungsverwandten entworfen, vollkommen beistimmen. Der fliegende Fliegenschnäpper gewährt wirklich einen großartigen Anblick, wenn die beiden langen Federn, die der leiseste Wind bewegt, sich bald nähern, bald wieder voneinander entfernen und überhaupt die zierlichsten Wellenlinien beschreiben. Levaillant, der die erste ausführlichere Lebensbeschreibung eines dieser Vögel gab, berichtet wahrheitsgetreu, zuweilen 5 oder 6 Stück zusammen gesehen zu haben, die hintereinander wütend herflogen. Unglaublich dagegen scheint mir seine Angabe, daß die kampflustigen Vögel es hauptsächlich auf die langen Schwanzsedern ihrer Gegner abgesehen hätten und diese gelegentlich abbissen oder ausrissen. Ich darf versichern, niemals etwas Ahnliches beobachtet zu haben. Allerdings trifft man die Paradiesschnäpper nur wenige Monate oder nur Wochen im vollen Hochzeitskleide an; die Prachtfedern nutzen sich im Gelaube bald ab, fallen dann aus und werden durch minder lange ersetzt; während der angegebenen Zeit aber tragen nach meinen Erfahrungen alle alten Männchen ihren Schmuck unversehrt. Die Stimme des schwarzbäuchigen Paradiesschnäppers hat nichts von der Rauhigkeit des Locktons anderer Arten, ist im Gegenteil ein sehr wohlklingendes und ziemlich leises „Wüht wüht“, das anfangs gehaltener, gegen das Ende hin schneller ausgestoßen wird. Einen eigentlichen Gesang habe ich niemals vernommen; auch von Heuglin und Marquis Antinori wissen nur von „höchst einfachem und schwachem, aber nicht unmelodischem Gesange“ oder einer „unbedeutenden Stimme“ zu berichten. Über das Brutgeschäft habe ich leider keine Beobachtungen sammeln können. Levail-⸗ lant bildet das Nest des verwandten Tschitrek ab, bemerkt aber ausdrücklich, daß er den Vogel nicht selbst darauf gesehen habe, sondern hinsichtlich der Bestimmung des Erbauers nur der Angabe eines seiner Begleiter folge. Das in Rede stehende Nest hat die Gestalt eines Hornes und hängt in dem Gabelaste einer Mimose. Seine Länge beträgt, der Krümmung nach gemessen, 20, der Durchmesser der Nestmulde aber nur 6 em. Es besteht aus

sehr feinen Bastfäden, die höchst sorgfältig durcheinander geflochten sind, so daß die Außenseite einem grobhaarigen Zeuge ähnelt. Die Nestmulde, die kaum ein Vierteil des gesamten Baues einnimmt, ist mit keinerlei weichen Stoffen ausgefüttert. Heuglin beobachtete im Bongolande im Juli flügge Junge des Schleppenfliegenschnäppers, die sich längere Zeit auf einer Stelle in den Kronen der Hochbäume herumtrieben und von den Alten gefüttert wurden. Die Schwalben (Hirundinidae) sind klein, zierlich gestaltet, breitbrüstig, kurzhalsig und plattköpfig. Der Schnabel ist kurz, platt, an der Wurzel viel breiter als an der Spitze, daher fast dreieckig, mit der Spitze des Oberschnabels etwas übergekrümmt, die Rachenöffnung bis gegen die Augen hin gespalten, die Füße kurz, schwach und mit kleinen Nägeln ausgerüstet, die Flügel lang, schmal und zugespitzt, der Hand- wie der Armteil trägt je neun Schwungfedern, unter denen die erste alle übrigen überragt, nicht aber gänzlich fehlt; der Schwanz ist stets, oft sehr tief gegabelt, das Gefieder kurz, knapp anliegend und oberseits meist metallisch glänzend. Beide Geschlechter sind hinsichtlich der Färbung wenig verschieden; die Jungen hingegen tragen kurze Zeit ein von dem ihrer Eltern abweichendes Kleid. Die Schwalben, von welchen man ungefähr 120 Arten kennt, verbreiten sich über alle Erdteile und über alle Höhen- und Breitengürtel, obschon sie jenseits des Polarkreises nur vereinzelt und kaum als Brutvögel leben. Viele von ihnen nehmen im Hause des Menschen Herberge, andere siedeln sich an Felsen-oder in steilen Erdwänden an, einige wählen Bäume zur Anlage ihres Nestes. Sämtliche Arten, die in Ländern brüten, in welchen der Winter sich vom Sommer erheblich unterscheidet, sind Zugvögel, wogegen diejenigen, welche in Ländern hausen, deren Jahreszeiten mehr oder weniger sich gleichen, höchstens innerhalb gewisser Grenzen hin und her streichen. Wiederholt ist behauptet und selbst von tüchtigen Naturforschern für möglich erachtet worden, daß einzelne Schwalben den Winter in kalten Gegenden, und zwar im Schlamme eingebettet als Winterschläfer verbringen; solchen Angaben fehlt jedoch jede Glaubwürdigkeit. Unsere deutschen Schwalben ziehen bis in das Innere, selbst bis in die südlichsten Länder Afrikas, und ich selbst habe sie während meines fünfjährigen Aufenthaltes in diesem Erdteile mit größter Regelmäßigkeit nach Süden hinab und wieder nach Norden zurück wandern sehen. Daß bei plötzlich eintretender Kälte im Frühjahre oder im Herbste einzelne Schwalben in Löchern Zuflucht suchen, hier in gewissem Grade erstarren und dank ihrer Lebenszähigkeit wieder aufleben mögen, wenn sie in die Wärme gebracht werden, will ich nicht gänzlich in Abrede stellen; von einem Winterschlafe aber ist trotz aller „glaubwürdigen Zeugen“ von Aristoteles her bis auf gewisse Beobachter unserer Tage bestimmt nicht zu reden. Man nennt mit Recht die Schwalben edle Tiere. Sie sind leiblich und geistig wohl befähigt. Der Flug ist ihre eigentliche Bewegung, ihr Gang auf dem Boden höchst ungeschickt, jedoch immerhin weit besser noch als das unbeschreiblich täppische Kriechen der anscheinend so nahe verwandten Segler. Um auszuruhen, bäumen sie gern und wählen sich dazu schwache, wenig belaubte AÄste und Zweige, die ihnen unbehindertes Zu- und Abfliegen gestatten. Alle wirklichen Schwalben zählen zu den Singvögeln. Ihr Gesang ist ein liebenswürdiges Geschwätz, das jedermann erfreut und zumal den Landbewohner so anmutet, daß er dem Liede der in seinem Hause nistenden Art Worte untergelegt hat. Wie der Landmann, so denken und empfinden alle übrigen Menschen, die das Lied und den Vogel selbst kennen lernten. Denn nicht der Klang aus Schwalbenmunde allein, auch das Wesen und Betragen der Schwalben haben ihnen die Zuneigung des Menschen erworben. Sie sind nicht bloß heiter, gesellig, verträglich, sondern auch klug und verständig, nicht bloß dreist, sondern auch IX

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