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Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I

PDF document794 original pagesPublished 1890
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Verzweiflung, daß sie sich einander entsetzlich zerbeißen. Zuweilen beißen sie sich selbst die Füße ab, entweder aus Wut oder, weil sie selbige verwickelt sehen, aus Verzweiflung. „Nichts ist fürchterlicher anzusehen, als wenn der Eisgang ankommt, wobei man die 2 1 Seeotter auf dem aus der See antreibenden Eise jagt und mit Keulen erschlägt. Gewöhnlich ist dabei ein solcher Sturm und ein solches Schneegestöber, daß man sich kaum auf den Füßen erhalten kann, und doch scheuen die Jäger es nicht, selbst in der Nachtzeit auf den # Fang zu gehen. Sie laufen auch ohne Bedenken auf dem Eise fort, wenn es gleich im u Treiben ist und von den Wellen so gehoben wird, daß sie zuweilen bald auf einem Berge } erscheinen und dann wieder gleichsam in den Abgrund fahren. Jeder hat ein Messer und eine Stange in den Händen und lange Schneeschuhe an die Füße gebunden, woran sich Haken von Knochen befinden, um nicht auf dem Eise zu glitschen oder, wo es sich türmt, herunterzufallen. Die Häute müssen gleich auf dem Eise abgenommen werden, und darin sind die Kurilen und Kamtschadalen jo fertig, daß fie in 2 Stunden oft 30 —40 abziehen. Manchmal aber, wenn das Eis gänzlich vom Ufer getrieben wird, müssen sie alles verlassen und nur sich zu retten versuchen. Dann helfen sie sich mit Schwimmen und binden sich mit Stricklein an ihren Hund, der sie getreu mit an das Ufer zieht. Bei günstigem Wetter laufen sie so weit auf das Eis hinaus, daß sie das Land aus dem Gesichte verlieren; doch geben sie bei ihrer Jagd immer auf Ebbe und Flut Obacht und sehen auch zu, ob der Wind nach dem Lande geht oder nicht.“

Gegenwärtig ist das viel und allenthalben verfolgte kostbare Pelztier nicht nur sehr selten, sondern auch äußerst scheu geworden, so daß ihm nur schwierig beizukommen ist. Pechuel-Loesche, der vor 25 Jahren den Seeotter bei den Alèuteninseln Amukta und Seguam beobachtete und gelegentlich jagte, erzählt, daß das wachsame Tier selbst das ruhig segelnde Schiff oder Boot höchst selten in Schußweite heranläßt. Nicht unter Feuer getötete Tiere gehen regelmäßig verloren, wenn man fie nicht hitzig verfolgen und die auftauchenden mit weiteren Kugeln begrüßen kann. Ein Boot allein hat wenig Aussicht, bei einer solchen Jagd erfolgreich zu sein, denn das Tier vermag eine gute Viertelstunde unter Wasser zu bleiben und erscheint oft an einer ganz anderen Stelle als der vermuteten wieder. Bei ruhigem Wetter treibt der Seeotter häufig still an der Oberfläche des Wassers, manchmal wie ein unförmlicher Klumpen, der durchaus nicht an ein lebendes Wesen erinnert, manchmal auf dem Rücken liegend, mit gerade freier Nase, aber die flossenähnlichen Hinterfüße so hoch und dazu gespreizt haltend, als wolle er den Wind fangen und sich von ihm fortbewegen lassen. Der eine und andere thut wohl auch einmal einen hohen Luftsprung und scheint ein besonderes Vergnügen daran zu haben, recht laut klatschend in das Wasser zurückzufallen. Nicht selten, namentlich wenn er etwas eräugt hat, steht er gewissermaßen auf: recht im Wasser, so daß der Kopf frei hervorragt, wie man es häufig beim Seehunde sieht; gleich diesem versinkt er in solcher Stellung auch ganz sacht mit der Nase zuletzt. Sind ihrer, was selten vorzukommen scheint, einmal mehrere beisammen und vielleicht auf der Wanderung, dann schwimmen sie nicht nur sehr schnell, sondern vollführen auch zeitweilig eine Reihe von übermütigen Sprüngen, ganz wie Delphine es zu thun pflegen.

H. Elliott, welcher die Wohngebiete unseres Tieres im vorigen Jahrzehnt besuchte, berichtet, daß fünf Sechstel aller in den amerikanischen Gewässern erbeuteten Seeotter östlich von der ersten Aleuteninjel Unimak und südlich von der Halbinsel Alaska auf einem verhältnismäßig kleinen Raume erlegt werden. Das Inselchen Sanak mit einer Anzahl südwärts vorgelagerter Felseilande und Klippen sowie die ähnliche Tschernabur-Gruppe, etwa 50 km in nordöstlicher Richtung liegend, find die Hauptjagdplätze. Sanak ist unbesiedelt. Die Bewohner der Alduten, welche allein der mühseligen Jagd obliegen, werden von Pelzhändlern Anfang Juni nach Sanak übergesetzt: etwa 50-60 Männer mit 20—30 Bidarkas, d. h. mit

den leichten Fellkähnen, die gewöhnlich zwei Mann aufnehmen können. Die Leute bleiben etwa 100 Tage auf Sanak, abgeschlossen von aller Welt und allen Unbilden des meist rauhen Wetters sowie großen Entbehrungen ausgesetzt. Die Jagdweisen find verschieden. Bei eini-germaßen ruhigem Wetter fahren die Leute in ihren Bidarkas in langer Linie über das Meer, bis sie einen Otter erspähen. Sowie dieser taucht, schließen die Jäger einen Kreis um die Stelle und halten scharfen Auslug. Das wieder erscheinende Tier wird durch Speerwürfe und gellendes Geschrei sofort in die Tiefe zurückgescheucht, um die Stelle ein neuer Kreis gebildet und damit fortgefahren, bis der Otter, da ihm nicht Zeit zum genügenden Atemholen gelassen wird, ermattet und endlich dem nächsten Jäger zur Beute fällt. Eine solche Jagd mag 2 und 3 Stunden dauern, wenn nicht ein gut gezielter Speer sie früher beendet. Auf diese Weise erlangen die Jäger in 3 Monaten, wenn sie vom Glücke recht begünstigt find, vielleicht 40 — 50 Otter, davon jeder für fie mindestens 200 Mark wert ist.

Einzelne Jäger suchen die Tiere auch vom Lande aus zu schießen, wozu ihnen die Händler ausgezeichnete Gewehre übergeben. Bei schwerem Wetter wandert der Jäger auf den Felsen an der Wetterseite entlang und sucht irgend welchem Otter, der jenseits der Brandung im ruhigeren Wasser erscheint, seine Kugel durch den Kopf zu schießen. Das Tosen der Brandung, der umherfliegende Gischt hindern das jo vorsichtige Tier am Erkennen der ihm drohenden Gefahr, so daß der beharrliche Schütze eine Kugel nach der anderen zu entsenden vermag. Trifft endlich eine das Ziel, so setzt er sich geduldig nieder, bis Wind und Wellen ihm die kostbare Beute zuführen. Die aufregendste und gefährlichste Jagdweise aber ist das „Schlagen“ der Otter wegen der bedenklichen Umstände, unter denen es gegenwärtig nur noch betrieben werden kann. Wenn ein Sturm wütet, werden die Seeotter auf den entlegenen einsamen Klippen, wo sie sich noch vor den Menschen sicher glauben, durch die höher und höher waschende Brandung in ihrer Ruhe gestört und steigen weiter im Gefelse hinauf, als sie sonst zu thun pflegen. Sobald jedoch die Brandung sich beruhigt, verfügen sie sich wieder an die vertrauten Plätze in der unmittelbaren Nähe des Wassers. Nun gibt es tollkühne Jäger, welche ihr Leben wagen, um die vor der Brandung zurückgewichenen Tiere auf ihren höheren Rastorten überraschen zu können. Wenn sie zu bemerken glauben, daß der Sturm bald niedergehen wird, vertrauen sie sich in ihrer gebrechlichen Bidarka dem hochgehenden Meere an und suchen eine ihnen wohlbekannte Klippe, die 40 und 50 km entfernt sein mag, mit Wind und Wellen fahrend, zu erreichen. Verfehlen sie ihr Ziel, haben sie das Wetter unrichtig beurteilt, so wird wahrscheinlich niemand wieder von ihnen hören; glückt ihnen aber die Fahrt, so landen sie an der Leeseite der Felsen, eilen unter dem Winde hinauf und töten mit Keulenschlägen die etwa dort ruhenden Seeotter. Das Heulen des Sturmes, das Tosen der Brandung übertäubt alles Geräusch, das die Jäger etwa verursachen, Regen oder Dunst verhindert die entfernter liegenden Tiere, wahrzunehmen, was ihnen droht. Auf diese Weise haben einmal zwei Jäger in noch nicht einer Stunde 78 Seeotter erlegt. Westwärts von Unalaschka, besonders auf Attu, der westlichsten der Aleuten, werden zum Fange der Seeotter auch weitmaschige Netze verwendet; fie find bis 6 m lang, 2—3 m breit und werden über schwimmende Tangmassen ausgelegt, auf welchen die Otter zu ruhen und zu spielen lieben. Dabei verstricken sie sich in die Netze und scheinen hierdurch derartig erschreckt und verwirrt zu werden, daß sie kaum große Anstrengungen machen, sich aus den verhältnismäßig schwachen Fesseln zu befreien. Die Netzleger, die vom Lande aus ihr Fangzeug überwachen, eilen dann herbei und bemächtigen sich der Tiere, davon sie schon drei und manchmal sogar sechs in einem Netze gefangen haben sollen.

Elliott führt noch an, daß es bisher trotz vielfacher Versuche nicht gelungen sei, junge Seeotter aufzuziehen und zu zähmen. Sie verweigern die Annahme jeglicher Nahrung und

sterben eines freiwilligen Hungertodes. Übrigens ist ihm von allen Jägern übereinstimmend versichert worden, daß die Jungen niemals am Lande, sondern auf treibenden Tangmassen geboren werden, und daß Junge in allen Monaten das Licht der Welt erblicken. Erstere Angabe widerspricht allerdings der von Steller, doch wird sie ebenfalls richtig sein. Die unbarmherzig verfolgten Tiere mögen, auf ihre Sicherheit bedacht, in anderthalb Jahrhunderten ihre Gewohnheiten wohl verändert haben, obschon gleiches bei den beziehungsweise nicht minder eifrig verfolgten Robben noch nicht so durchgreifend beobachtet worden ist. Scammon, welcher über das Verhalten der Seeotter an der westamerikanischen Küste berichtet, bestätigt Elliotts Mitteilungen durchaus und sagt, daß die Jungen, gewöhnlich eins, selten zwei, auf Tangmassen und zwar zu allen Jahreszeiten geboren werden. Laut Scammon wird auch an der Westküste der Vereinigten Staaten der Seeotter regelrecht mit Booten verfolgt: die Weißen versuchen ihn dabei tags zu schießen, die Indianer aber ihn nachts zu speeren. Auch vom Lande aus wird die Jagd mit der Büchse betrieben. Da aber der Strand vielfach sehr flach ist, pflegt der Schütze eine leichte hohe Bockleiter mit sich zu schleppen, die er, sobald er einen Otter entdeckt, aufstellt, um aus der Höhe seine Kugeln zu entsenden. Vor 25 Jahren wurden, nach Lomer, jährlich etwa 1500 Seeotterfelle auf den Markt gebracht. Diese hatten aber einen Gesamtwert von 600,000 Mark, da der Preis der guten bis zu den schönsten Stücken dieser Art zwischen 300 und 1500 Mark schwankte. Gegenwärtig kommen jährlich etwa 4000 Felle im Werte von 2,500,000 Mark in den Handel, und der Preis eines tadellosen Stückes ist bis auf 2500 Mark gestiegen. Im geschäftlichen Verkehre werden Seeotter auch Kamtschatkische oder Kamtschatka-Biber genannt.

Wenn die Jagd in der bisherigen Weise weiter betrieben, nicht gesetzlich beschränkt wird, dürfte der Seeotter in nicht zu langer Zeit ausgerottet sein und, wie Stellers Seekuh, dann zu den Tieren gehören, die wir gleichsam vor unseren Augen von der Erde verschwinden sahen.

A.

Abendsegler 362.

abietum: Martarus, Martes 587.

Abulandj (Grünaffe) 138.

adusta: Pithecia 239.

aedilis: Vespertilio 356.

aegypti: Ichneumon 567.

aegyptiacus: Cynonycteris, Pteropus 350.

aethiops: Cercocebus, Cercopithecus 139 (140).

Affe, löwenschwänziger 198.

Affen 35 ff.

Äffer 270.

affinis: Felis 512.

afra: Genetta 555.

agilis: Hylobates 104.

agisymbanus: Otolemur, Otolicnus

Ägyptische Klappnase 373.

Ailuropoda 548.

Akalimas (Totenköpfchen) 251.

Akumba 280.

albescens: Ichneumonia 581.

albigena: Cercopithecus 145.

allamandi: Galictis 643.

Altweltsaffen 57.

Aluate (203) 204.

amazonica: Mephitis 663.

amazonicus: Conepatus 663.

americana: Mephitis 665.

— Mustela 601.

Amerikanischer Zobel 601.

andersoni: Herpestes 571.

Anga Prao (Charsamarder) 601.

Angorakatze 441.

angorensis: Felis maniculata domestica 442.

Anthropomorpha 57.

Anthropopithecus chimpanza 75.

antiquorum: Leopardus 461.

Aotus trivirgatus 252.

Apella 233.

apella: Cebus, Simia 233.

Arachnocebus gracilis 289.

arcticus: Gulo 634.

Arctocebus calabarensis 297.

Arctopitheci (57) 255.

Brehm, Tierleben. 3. Auflage. I.

Sach-Register.

argentata: Callithrix, Hapale, Simia 264.

argentatus: Mico, Sagouin 264.

Ariela taenionota 575.

Arighi 240.

Ariranha 680.

Aristippe nilssonii 358.

Aru 212.

Asiatische Zibethkatze 552.

assamensis: Pteropus 341.

astuta: Bassaris 583.

Ateles bartlettii 213.

— beelzebuth 212.

— chamek 212.

— hypoxanthus 212.

— oriodes 212.

— paniscus 212.

— pentadactylus 212.

aureus: Macacus 149.

auritus: Plecotus, Vespertilio 352.

Aye⸗Aye 311.

B.

Baam (Schimpanse) 75.

Babakoto 275.

Babuin 172.

babuin: Cynocephalus, Papio 172.

Badul (Flugfuchs) 344.

Bagdos (Zibethe) 552.

Bagh (Königstiger) 391.

Bagh⸗Dascha (Tüpfelkatze) 479.

Banbiral (Tüpfelkatze) 479.

Ban Biral (Zwergkatze) 481.

bancanus: Tarsius 306.

Bandar (Hutaffe) 152.

Bandar (Makak) 155.

Bandiltisse 667.

Barabara (Serval) 483.

barbara: Galera, Galictis 641.

barbarus: Felis leo 443.

Barbastellus communis 364.

— daubentonii 364.

barbastellus: Synotus, Vespertilio

barbata: Cynogale 564.

barbatus: Cercopithecus 139.

— Gulo 641.

— Potamophilus 564.

Bärenmaki 297.

Bärenpavian 38.

Bärenstummelaffe 127.

Barrigudo 222.

Barris (Schimpanse) 75.

Bartaffe 198.

bartlettii: Ateles 213.

Bassaris astuta 583.

— sumichrasti 583.

Baummarder 587.

beelzebuth: Ateles, Simia 212.

bengalensis: Felis 481.

— Loris 292.

— Nycticebus 292.

— Viverra 553.

bennettii: Cynogale 564.

Berberlöwe 443.

Bergflatterer 358.

Beutelfrett 543.

Bhondar (indischer Palmenroller)

Bhran (Zibethe) 552.

bidens: Phyllostoma 329.

bihastatus: Hipposideros, Rhinolophus 377.

Bilchmaki 299.

Bindeohren 352.

binotata: Nandinia 565.

Blattnasen 366.

Blaumäulige Meerkatze 140.

Blutsauger 366.

Bokombul (Halbmaki) 285.

bonapartei: Genetta 555.

bondar: Paradoxurus, Viverra 559.

borealis: Felis, Lynx (Polarluchs)

— Gulo 634.

— Lynx (Luchs) 519.

— Vespertilio 358.

Boschkatte (Serval) 484.

bosmani: Potto 297.

Brachyotus 356.

brachyotus: Vespertilio 358.

Brachyteles hypoxanthus 212.

Brachyura 351.

Brachyurus calvus 242.

— melanocephalus 242.

— rubicundus 245.

brachyurus: Inuus 193.

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