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Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I

PDF document794 original pagesPublished 1890
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und Ochotsk, minder schöne die Länder an dem Jenissei, der Lena und dem Amur. Aus Asien gelangen, nach Lomer, jährlich über 100,000 Felle im Gesamtwerte von über 4 Millionen Mark in den Handel.

Im Nordosten und hohen Norden Amerikas wird der Zobel ersetzt durch den Fichtenmarder oder amerikanischen Zobel (Mustela americana, vulpina, leucopus, leucotis und huro), ein Tier von 45 cm Leibes- und 15 em Schwanzlänge, welches dem Edelmarder näher steht als dem Zobel. Die Färbung ist ein mehr oder minder gleichmäßiges Braun; der Brustflecken sieht gelb, der Kopf einschließlich der Ohren grau oder weiß aus. Das Haar ist bedeutend gröber als beim Zobel und kommt dem unseres Edelmarders etwa gleich.

Die schönsten Felle stammen aus den Küstenländern der Hudsonbai, den Gegenden am Großen und Kleinen Walflusse, Ostmaine und aus Labrador. Nach Lomer kommen von dort jährlich ungefähr 100,000, von Alaska 30 50,000 Stück in den Handel, und wird das Stück der besten mit 75 Mark bezahlt.

Denselben Ländern entstammt der Fischermarder, Fischer der Nordamerikaner, Pekan der Kanadier, Wijack der Indianer (Mustela pennantii, canadensis, melanorhyncha, nigra, piscatoria und goodmanii, Viverra canadensis und piscatoria, Gulo castaneus und ferrugineus), ein großes, stämmiges, „fuchsartiges“ Tier von mehr als 60 em Leibes- und 30—35 em Schwanzlänge. Der aus dichtem, feinem, glänzendem Grannenhaar und langem, weichem Wollhaar bestehende Pelz hat in der Regel sehr dunkle, selbst schwarze Färbung, und nur am Kopfe, im Nacken und auf dem Rücken mischt sich Grau ein; doch gibt es auch sehr helle, kastanien- oder hellbraune und selbst gelblichweiße Stücke.

Das Vaterland des Fischermarders erstreckt sich über den ganzen Norden Amerikas. In der Lebensweise ähnelt er bald mehr dem einen, bald mehr dem anderen seiner Verwandten. Seine gewöhnlichen Wohnungen sind Höhlen, welche er sich in der Nähe von Flußufern ausgräbt. Die Nahrung soll größtenteils aus Fleisch von Vierfüßlern bestehen, welche nahe am Wasser leben. Die Jagd wird von den jungen Indianern betrieben, welche in dem bissigen Geschöpfe ein Wesen finden, an dem sie ihren Mut erproben können, während sie sich bei der Jagd noch nicht so großen Gefahren aussetzen, wie sie Männer ihres Stammes zu bestehen haben, wenn sie zum Kampfe mit den grimmigen Bären hinausziehen. Da, nach Lomer, kaum ein Fell sich so trefflich zu Männerpelzen eignet wie dieses, da man im Norden Amerikas wie in Rußland das Fell des Fischermarders besonders schätzt und mit 30—60, sogar mit 85 Mark bezahlt, auch für einen aus ihm bereiteten Pelz gern 1200— 4000 Mark ausgibt, gelangen verhältnismäßig wenige Felle (jetzt etwa 12,000 Stück und zwar unter dem Namen „virginischer Iltis“) auf unseren Markt.

Das letzte Mitglied der Gattung, welches allgemeiner gekannt zu werden verdient, ist der Charsamarder der Birar-Tungusen, von den Leptschas Sakku, von den Malayen

Anga Prao genannt (Mustela flavigula, kardwickii, Martes flavigula und gwatkinsi, Galidictis chrysogaster). Er zählt zu den größten Arten seiner Gattung; seine Leibeslänge beträgt bis 60 em, seine Schwanzlänge 40 cm, fein Gewicht 2 — 3 kg. Der Kopf einschließlich der Ohren und ein seitlicher Halsstreifen, Hinterteil, Füße und Schwanz sind schwarz oder braunschwärzlich, Oberlippe, Kinn und Kehle rein weiß, alle übrigen Teile glänzend hellgelb, auf der Bauchseite reiner und heller als oben, an dem Halse und an der Kehle guttigelb. Die Färbung ändert vielfach ab, ist bald heller, bald dunkler und hat zur Aufstellung mehrerer Arten verleitet. Die Verbreitung unseres Tieres ist sehr groß. Er findet sichim Himalaja ostwärts von Kaschmir bis zu Höhen, die nicht über 2500 m

J betragen, ferner in den nordöftlich liegenden Gebirgen und sogar im Amurlande. Südwärts ist er gemein in allen gebirgigen oder hügeligen Gegenden von Barma, der Malayischen Halbinsel und Sumatra. Im Süden Vorderindiens (Nilgiri, Trawankur) kommt er ebenfalls vor, soll auch, nach Jerdon, Ceylon bewohnen, doch wird diese Angabe von niemand sonst bestätigt, namentlich weder von Kelaart noch Tennent.

Radde fand den Charsamarder, welchen man bis zu seiner Reise nur in den südasiatischen Gebirgen beobachtet hatte, auch im Amurlande auf. Das Tier lebt nach seiner Beschreibung meistens zu zweien oder dreien und betreibt gemeinschaftlich seine Jagden, ist äußerst schnell im Laufen, geschickt im Klettern und wählt nicht wie der Zobel gewisse Thalhöhen zu seinem alltäglichen Ruheplatze, sondern schweift beständig umher. Der Marderhund wird ihm während des Sommers vorzugsweise zur Beute; selbst den bissigen Dachs greift er, falls er in Gesellschaft ist, mutig an und überwindet ihn; mit anderen seinesgleichen verfolgt erRehe und Moschustiere. Im Herbste zieht er den Eichhörnchen nach und betreibt dann in den dichten Arven- und Zedernwaldungen seine Jagden auch auf Bäumen, während er dieses sonst nur im Notfalle thut, weil ihn seine Schwere untüchtig macht, die biegsamen Spitzen der Aste zu betreten und von ihnen auf die nächstgelegenen zu springen. Von Hunden gestellt, verteidigt er sich wie der Luchs, auf dem Rücken liegend und Krallen und Zähne als Waffen gebrauchend. In Hügelwäldern Südasiens wird er nicht selten auch am Tage gesehen, wie er paarweise, manchmal sogar in Familien von 5 und 6 Stück (Blanford) der Jagd in Büschen und Bäumen obliegt. Dort verfolgt er nicht bloß Säugetiere und Vögel, sondern auch Schlangen und Eidechsen, frißt wahrscheinlich auch Kerbtiere und jedenfalls Früchte; dem Hausgeflügel ist er ebenfalls gefährlich. Solange er in Bewegung ist, gibt er, nach Adams, beständig ein nicht lautes Trommeln oder Poltern von sich, welches bei Erregung in ein rauhes Gekreisch übergeht.

Über die Fortpflanzung fehlen Berichte. Gefangene sind wiederholt auch im Londoner Tiergarten gehalten worden; sie waren ebenso zahm, gut gelaunt, spiellustig und anhänglich, als irgend ein Marder es werden kann, und gaben nur einen unbedeutenden Mardergeruch von sich.

Stinkmarder oder Stänker (Putorius oder Foetorius) heißen die Mitglieder einer anderen Gattung und zwar zu Ehren des allbekannten Iltis, welcher den obigen Namen allerdings verdient, während dies bei anderen Arten der Gruppe keineswegs der Fall ist. Die hierher gehörigen Marderarten kennzeichnen sich durch vorn stark verschmälerten Kopf, zugespitzte Schnauze, kurz abgerundete, dreiseitige Ohren, schlanken und langgestreckten Leib, kurze Beine mit langzehigen Füßen und runden, ziemlich lang behaarten Schwanz von noch nicht halber Leibeslänge. Das Gebiß besteht aus 34 Zähnen und zwar 6 Schneidezähnen und 1 Eckzahne in jedem Kiefer, 3 Lückzähnen im oberen, 3 im unteren Kiefer und 1 Backenzahne oben, 2 unten; der sogenannte Reißzahn ist in beiden Kiefern stark und kräftig entwickelt, während der dreimal so breite als lange Höckerzahn durch seine Querstellung auffällt. Fast alle Arten der Gattung halten sich in Erdlöchern oder Gebäuden auf und stehen in Raublust und Mordsucht hinter den verwandten Mardern nicht im geringsten zurück, erwerben sich aber durch Wegfangen schädlicher Nager und Schlangen durchschnittlich viel größere Verdienste als jene. i

Der Iltis, Eltis, Ilk, Elk, Iltnis, Stänker, Stänkermarder, Stinkwiesel,

Stölling oder Ratz (Putorius foetidus, typus, communis und vulgaris, Mustela, Foetorius und Viverra putorius, Mustela eversmanni und foetida) hat eine Leibeslänge von 40—42, eine Schwanzlänge von 16—17 cm. Der Pelz ift unten einfarbig schwarzbraun,

oben und an den Rumpfseiten heller, gewöhnlich dunkelkastanienbraun, an dem Oberhalse und den Seiten des Rumpfes, wegen des besonders hier durchschimmernden gelblichen Wollhaares, lichter. Über die Mitte des Bauches verläuft eine undeutlich begrenzte rötlichbraune Binde; Kinn und Schnauzenspitze, mit Ausnahme der dunklen Nase, sind gelblichweiß. Hinter den Augen steht ein wenig scharf begrenzter gelblichweißer Flecken, welcher mit einer undeutlichen, unterhalb der Ohren beginnenden Binde zusammenfließt. Letztere find braun und gelblichweiß gerändert, die langen Schnurren schwarzbraun. Verschiedene Abänderungen, welche zum Teil als eigene Arten angesehen worden sind, kommen vor, unter anderen auch Weißlinge oder ganz gelb gefärbte Iltisse. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen

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hauptsächlich durch rein weiße Färbung aller Stellen, welche bei jenem gelblich sind. Der Pelz ist zwar dicht, aber doch weit weniger schön als der des Edelmarders.

Im südöstlichen Europa, nach Norden hin bis Polen vordringend, tritt neben dem Iltis ein Verwandter auf: der Tigeriltis (Putorius sarmaticus, Mustela sarmatica, peregusna und praecincta, Viverra sarmatica, Foetorius sarmaticus), der in den schon genannten Gebieten nirgends häufig, nach Blanford in manchen Teilen Westasiens sehr selten, im südlichen Afghanistan dagegen, besonders um Kandahar, gemein ist. Seine Gesamtlänge beträgt 50 em, wovon 16 em auf den Schwanz kommen. Das kurzhaarige und straffe Fell ist auf der Oberseite und der Außenseite braun, mit unregelmäßigen gelben Flecken gezeichnet, am Kopfe, auf der Unterseite und der Innenseite der Beine schwarz; die Kehle rostweißlich gefleckt; die Lippen und eine hinter den Augen über den Scheitel verlaufende Binde sind weiß, die Ohren an der Wurzel braunschwarz, an der Spitze rostweißlich; der verhältnismäßig lange Schwanz hat an der Wurzel braune und gelbbunte, in der Mitte blaßgelbliche, an der Spitze schwarze Färbung. Hinsichtlich der Lebensweise, die Hutton eingehend geschildert hat, ähnelt der Tigeriltis durchaus seinem Verwandten.

Der Iltis bewohnt die ganze gemäßigte Zone von Europa und Asien, geht sogar ein Stück in den nördlichen Gürtel hinüber. Mit Ausnahme von Lappland und Nordrußland ist er überall in unserem Erdteile zu finden. In Asien trifft man ihn durch die Tatarei bis an den Kaspischen See und nach Osten hin durch ganz Sibirien bis nach Kamtschatka. Ihm ist jeder nahrungversprechende Ort recht, und deshalb bewohnt er ebenso die Ebenen wie die Gebirge, die Wälder wie die Felder, vor allem aber die Nähe menschlicher Wohnungen, zumal größerer Bauerngüter. Im Freien schlägt er sein Lager in hohlen Bäumen, im Geklüft, in alten Fuchsbauen und anderen Erdlöchern auf, welche er zufällig findet; im Notfalle gräbt er sich selbst einen Bau. Auf den Feldern bezieht er das hohe Getreide; außerdem haust er in der Nähe von Felsen, zwischen Pfahlwerk, unter Brücken, in altem Gemäuer, dem Gewurzel größerer Bäume, dichten Hecken: kurz, er weiß es sich überall wohnlich zu machen, wo es irgend angeht, scheut sich jedoch vor eigener Arbeit und läßt lieber andere Tiere für sich graben und wühlen. Im Winter zieht er sich bei uns nach Dörfern oder Städten zurück und kommt hier der Hauskatze oder dem Hausmarder in das Gehege, dabei aber auch gelegentlich in Hühnerhäuser, Taubenschläge, Kaninchenställe und an andere Orte, wo er dann nicht eben zur Freude des Menschen eine Thätigkeit entwickelt, welche bloß von seinen Familienverwandten erreicht, kaum aber übertroffen werden kann. Auf der anderen Seite ist er aber auch nützlich, und wenn die Bauern sonst Hühner, Tauben und Kaninchen gut verwahren, können sie mit ihrem Gaste ganz zufrieden sein; denn dieser fängt ihnen eine unschätzbare Menge von Ratten und Mäusen weg, säubert auch die Nähe der Wohnungen von Schlangen gründlich und verlangt dafür weiter nichts als ein warmes Lager im dunkelsten Winkel des Heubodens. Es gibt Gegenden, wo man ihn ebenso gern sieht, als man ihn an anderen Orten haßt. Er genießt dort eines gewissen Schutzes von seiten der Landwirte und steht so hoch in der Achtung, daß er auch dann noch für unschuldig erklärt wird, wenn einmal der Hühnerstall oder Taubenschlag von dem nächtlichen Besuche eines gefährlichen Räubers Blutspuren aufweist; denn der Landmann glaubt, daß sein gehegter und gepflegter Ratz unmöglich so grenzenlos undankbar sein könne, ihm den gewährten Schutz mit einem Raubanfalle auf das nützliche Geflügel zu vergelten, und vermutet in dem Mörder seiner Hühner einen anderen Iltis oder einen Hausmarder, welcher aus irgend einem Nachbarhause herübergeschlichen ist. Das sind freilich Ansichten, welche wohl von Edelmut und Milde der Gesinnung, aber von sehr wenig Kenntnis des stinkenden Gastes Zeugnis geben. Denn dieser hat wie Meister Reineke vom Eigentum eigentlich gar keinen Begriff und betrachtet den Menschen höchstens als einen gutmütigen Kauz, welcher ihm durch seine Geflügel- oder Kaninchenzucht dann und wann zu einem leckeren Gerichte verhilft.

Ehe wir Meister Ratz auf seinen Raubzügen weiter verfolgen und uns mit seinem übrigen Leben beschäftigen, wollen wir uns zu seiner besseren Kennzeichnung mit den Beobachtungen vertraut machen, welche Lenz an gezähmten anstellte: sie werden wesentlich dazu dienen, das Bild des Tieres zu zeichnen. „Am 4. August kaufte ich 5 halbwüchsige Iltisse, that sie in eine große Kiste und warf ihnen 10 lebende Frösche, eine lebende Blindschleiche und eine tote Drossel hinein. Am folgenden Morgen waren 8 Frösche verzehrt, die Blindschleiche und Drossel noch nicht angerührt. Am zweiten Tage verzehrten fie die beiden lebenden Frösche, die Blindschleiche, 3 Hamster und eine 2 Fuß lange Ringelnatter. In der folgenden Nacht fraßen sie die Drossel und 6 Frösche sowie eine fast meterlange, lebende Ringelnatter. Am dritten Tage speisten sie wiederum Frösche nebst zwei großen, toten Kreuzottern und eine Eidechse. Am vierten Tage fraßen sie 4 Hamster und 3 Mäuse. Am fünften Tage brachte ich einen Iltis in eine Kiste allein, gab ihm Futter vollauf und, als er satt war, eine große, jedoch matte Kreuzotter. Als ich nach einer Stunde wieder hinkam, hatte er ihr den Kopf zerbissen und sie in eine Ecke gelegt. Nun ließ ich eine große, recht bissige

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