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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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zu erhalten, für eine gewisse Anzahl von ihnen im voraus bezahlte. Sie verteilten sich im Walde und streisten meilenweit umher, um gute Fangplätze zu suchen. Hatten sie nun einen Vogel gefangen, so war es ihnen viel zu unbequem, ihn mir zu bringen; sie zogen es vielmehr vor, ihn solange wie möglich am Leben zu erhalten, und kamen so oft nach einer Abwesenheit von einer Woche und von 10 Tagen zu mir mit einem toten, gewöhnlich stinkenden Paradiesvogel, einem zweiten toten, noch frischen und einem dritten lebenden, der zuletzt gefangen worden war. Meine Bemühungen, diese Jagdweise zu ändern, waren gänzlich umsonst. Zum Glück ist das Gefieder der Paradiesvögel so fest, daß auch die verstümmelten nicht verloren waren. „Ich darf versichern, daß ich mir alle Mühe gegeben habe, diejenigen, welche lebend in meine Hände kamen, zu erhalten. Mit meinen eignen Händen habe ich ihnen einen Käfig gebaut, in welchem sie sich frei bewegen konnten, und jede Art von Futter, die ich ihnen verschaffen konnte, habe ich ihnen gegeben; die gewohnten Früchte aber, die auf hohen Bäumen wuchsen, konnte ich nicht immer in genügender Güte erlangen. Die Gefangenen fraßen zwar bald Reis und Heuschrecken mit großer Begierde, und ich war dann in guter Hoffnung; am zweiten oder dritten Tage aber bekamen sie Krämpfe, fielen von ihren Stangen und waren tot. Ich bekam nacheinander 7 oder 8 Stück, anscheinend in bester Gesundheit; das Ergebnis war immer dasselbe. Junge Vögel, die sich wahrscheinlich leichter gewöhnt haben würden, konnte ich leider nicht erhalten.“ Später ist Wallace glücklicher gewesen. Er war es, der zuerst zwei lebende Paradiesvögel nach Europa brachte. Auf Amboina, Mangkassar, in Batavia, Singapur und Manila hat man den Tsiankar schon wiederholt in der Gefangenschaft gehalten. Ein vor wenig Jahren nach Amboina gebrachter Paradiesvogel entfloh dort aus dem Käfige; was aus ihm geworden ist, weiß man nicht. Ein chinesischer Kaufmann in Amboina bot Lesson zwei Paradiesvögel an, die bereits ein halbes Jahr im Gebauer gelebt hatten und mit gekochtem Reise gefüttert wurden. Der gute Mann forderte aber 500 Frank für das Stück, und diese Summe konnte der Naturforscher damals nicht erschwingen. Nach einer Angabe von Rosenbergs bezahlte der Statthalter von Niederländisch-Indien, Sloot van de Beele, für zwei erwachsene Männchen die Summe von 150 holländischen Gulden. Diese Vögel brachte von Rosenberg selbst von Mangkassar nach Java. Wallaee fand die von ihm heimgebrachten beiden ausgefärbten Papua-Paradiesvögel in Singapur und erwarb sie für 2000 Mark. Bennett beobachtete einen gefangenen Tsiankar in China, der 9 Jahre im Käfige verlebt hatte. Auch in Berlin haben sich Götter- und Papua-Paradiesvögel im besten Wohlsein jahrelang gehalten. Über das Betragen der Gefangenen berichtet Bennett so ausführlich, daß ich nichts Besseres thun kann, als seine Mitteilungen hier wiederzugeben. Der Paradiesvogel bewegt sich in einer leichten, spielenden und anmutigen Weise. Er blickt schelmisch und herausfordernd um sich und bewegt sich tänzelnd, wenn ein Besucher seinem Käfige naht; denn er ist entschieden gefallsüchtig und scheint bewundert werden zu wollen. Auf seinem Gefieder duldet er nicht den geringsten Schmutz, badet sich täglich zweimal und breitet oft Flügel und Schwanz aus, in der Absicht, das Prachtkleid zu überschauen. Es ist wahrscheinlich, daß er sich nur aus Eitelkeit, um sein Gefieder zu schonen, so selten auf den Boden herabläßt. Namentlich am Morgen versucht er, seine volle Pracht zu entfalten; er ist dann beschäftigt, sein Gefieder in Ordnung zu bringen. Die schönen Seitenfedern werden ausgebreitet und sanft durch den Schnabel gezogen, die kurzen Flügel soweit wie möglich entfaltet und zitternd bewegt. Dann erhebt er wohl auch die prächtigen, langen Federn, die wie Flaum in der Luft zu schweben scheinen, über den Rücken, breitet sie aber ebenfalls dabei aus. Dieses Gebaren währt einige Zeit; dann bewegt er sich mit raschen Sprüngen

und Wendungen auf und nieder. Eitelkeit und Entzücken über die eigne Schönheit drücken sich währenddem in unverkennbarer Weise durch sein Benehmen aus. Er betrachtet sich abwechselnd von oben und unten und gibt seinen Gefühlen oft durch Laute Ausdruck, die freilich nur krächzend sind. Nach jeder einzelnen Prachtentfaltung erscheint ihm eine Ordnung des Gefieders notwendig; er läßt sich diese Arbeit aber nicht verdrießen und spreizt sich immer und immer wieder von neuem wie ein eitles Frauenzimmer. Erst die sich einstellende Freßlust läßt ihn seine Gefallsucht vergessen. Die Sonnenstrahlen scheinen ihm sehr unangenehm zu sein, und er sucht sich ihnen zu entziehen, soviel er kann. Ein Chinese malte Bennetts Pflegling. Als diesem das Bild vorgehalten wurde, erkannte er es sofort, nahte sich rasch, begrüßte den vermeintlichen Gefährten mit krächzenden Lauten, betastete aber das Bild doch nur vorsichtig, sprang hierauf nach seiner Sitzstange zurück und klappte den Schnabel wiederholt rasch zusammen. Dies schien ein Zeichen der Begrüßung zu sein. Nach diesem Versuche hielt man ihm einen Spiegel vor. Sein Benehmen war fast dasselbe wie früher. Er besah sein Abbild sehr aufmerksam und wich nicht von der Stelle, solange er sich betrachten konnte. Als der Spiegel von der oberen auf die untere Stange gesetzt wurde, folgte er sofort nach; dagegen weigerte er sich, als der Spiegel auf den Boden gebracht worden war, auch dahinab zu steigen. Übrigens schien er sein Abbild freundschaftlich zu betrachten und sich nur zu wundern, daß es alle Bewegungen, die er ausführte, getreulich nachahmte. Sobald der Spiegel entfernt worden war, sprang er auf seine Sitzstange zurück und schien so gleichgültig zu sein, als ob wenige Augenblicke vorher nichts Beachtenswertes für ihn vorhanden gewesen wäre. Seine Stimme erinnert zwar an das Krächzen der Raben, ihr Tonfall ist jedoch weit mannigfaltiger. Die einzelnen Laute werden mit einer gewissen Heftigkeit ausgestoßen undoft wiederholt. Zuweilen klingt sein Ruf fast belfernd; die einzelnen Töne bewegen sich in. größerer Höhe als sonst und sind so laut, daß sie nicht im Einklange zur Größe des Vogels zu stehen scheinen. Wenn man versucht, sie in Silben zu übertragen, kann man die schwächeren Laute etwa durch „hi ho hei hau“, die stärkeren durch „hock hock hock hock“ wiedergeben. Seine Gefangenkost besteht aus gekochtem Reis, untermischt mit hartem Ei und Pflanzenstoffen, sowie aus lebenden Heuschrecken. Tote Kerbtiere verschmäht er. Er weiß lebende Beute dieser Art mit großer Geschicklichkeit zu fangen, legt sie auf die Sitzstange, zerhackt ihr den Kopf, beißt die Springbeine ab, hält sie mit seinen Krallen fest und verzehrt sie dann. Er ist durchaus nicht gefräßig und genießt sein Futter mit Ruhe und Anstand, ein. Reiskorn um das andere. Auch beim Fressen steigt er nicht auf den Boden herab; diesen. berührt er nur dann, wenn er sich baden will. Seine Mauser währt vier volle Monate, vom Mai bis August. Rotparadiesvogel. Königsparadiesvogel. 413 * Die Bürstenvögel (Lophorina) vertritt der Königsparadiesvogel, Burang⸗

Rajah der Malayen, Gobi der Aru-Insulaner (Lophorina regia, Cieinnurus regius, rex und spinturnix, Paradisea reégia). Er ist bedeutend kleiner als die vorhergehenden, etwa von der Größe einer kleinen Drossel, im ganzen 18 em, der Fittich 9, der Schwanz 6em. lang, und durch seinen schwachen Schnabel, die nur wenig verlängerten Seitenfedern sowie die beiden mittleren, bis zur Spitze fahnenlosen, hier aber mit rundlichen Fahnen besetzten, schraubenförmig gedrehten und verschnörkelten Schwanzfedern von den beschriebenen Verwandten unterschieden. Die Oberteile, einen kleinen viereckigen, schwarzen Flecken am oberen Augenrande ausgenommen, Kinn und Kehle sind prachtvoll glänzend kirschrot, Oberkopf: und Oberschwanzdecken heller, die Unterteile, mit Ausnahme einer über den Kropf verlaufenden, tief smaragdgrünen, oberseits von einem schmalen, rostbraunen Saume begrenzten.

Querbinde, weiß, die an den Kropfseiten entspringenden Federbüschel rauchbraun, ihre verbreiterten und abgestutzten Enden tief und glänzend goldgrün, die Schwingen zimtrot, die Schwanzfedern olivenbraun, außen rostfarben gesäumt, die beiden mittelsten fadenförmigen Steuerfedern an der schraubenförmig eingerollten Außenfahne tief goldgrün. Der Augen-— ring ist braun, der Schnabel horngelb, der Fuß hellblau. Das Weibchen ist auf der Oberseite rotbraun, unten rostgelb, schmal braun in die Quere gebändert. Nach H. von Rosenberg ist der Königsparadiesvogel der verbreitetste von allen. Er findet sich auf der ganzen Halbinsel, die den nördlichen Teil von Neuguinea bildet, aber auch auf Misul, Salawati und den Aru-Inseln. Man sieht ihn oft nahe am Strande auf niedrigen Bäumen. Er ist allerliebst, stets in Bewegung und ebenso wie die anderen bemüht, seine Schönheit zu zeigen. Erregt breitet er seinen goldgrünen Brustkragen fächerartig nach vorn aus. Seine Stimme, die er oft hören läßt, hat einige Ahnlichkeit mit dem Miauen einer jungen Katze, ungefähr, wie wenn man die Silben „koü“ mit sanft flötendem Tone ausspricht. Wallace berichtet ungefähr dasselbe, fügt aber noch hinzu, daß der Vogel beim Fliegen einen schwirrenden Laut hervorbringe und für seine geringe Größe sehr große Früchte fresse. Der Königsparadiesvogel ist die eigentliche „Manucodiata“, von welcher der alte Gesner, Cardamus nacherzählend, Ausführliches berichtet. Seine Schilderung der Paradiesvögel ist überhaupt so bezeichnend für die damalige Anschauung, daß ich mir nicht versagen kann, wenigstens einiges davon wiederzugeben. „In den Inseln Moluchis vnder dem Aequinoctio gelegen, wirt ein todter vogel auff der Erden oder im Wasser auffgelesen, welchen sie in jrer spraach Manucodiatam nennen; den kan man lebendig nimmer sehen, dieweil er keine Bein vnd Füß hat: wiewol Aristoteles nicht zuläst, daß jrgend ein vogel ohn Füß gefunden werde. Dieser, so ich nun drey mal gesehen, hat allein darumb keine Füß, daß er stäts hoch in den Lüfften schwebt. Des Männleins Rücken hat inwendig einen winckel, vnd in diese höle verbirgt (als der gemeine verstandt außweist) das Weiblein seine Eyer, dieweil auch das Weiblein einen holen bauch hat, dz es also mit beyden hölen die Eyer brüten vn außschleuffen mag. Dem Männlein hanget am schwantz ein Faden, drey zwerchhänd lang, schwartz geferbt, der hat die mittelste gestalt vnder der ründe vnd viereckete: er ist auch weder zu dick, noch zu zart, sondern einem Schumacherdrat fast änlich: vnnd mit diesem sol das Weiblein, dieweil es die Eyer brütet, steiff an das Männlein gebunden werden. Vnd ist kein wunder, dz er stäts in der Lufft sich enthält: dann wenn er seine Flügel vnd den schwantz ringsweiß außstreckt, ist es kein zweifel, dann dz er also ohn Arbeit von der Lufft auffgehalten werde. Seine enderung vnd stäts abwechseln im flug mag jm auch die müde hinnemen. Der behilfft sich auch, als ich vermein, keiner andern speiß dann deß Himmeldauws, welchs dann sein Speiß vnnd Tranck ist: darumb hat ihn die Natur darzu verordnet, daß er in den Lüfften wohnen möge. Daß er aber der reinen Lufft geleben möge, oder die esse, ist der Warheit nit gleich, dieweil dieselbig viel zu zart ist. Dz er Thierlein esse, ist auch nicht wol müglich: darumb dz er daselbst nicht wohnet noch junge machet da er sie finden möcht. Man findet auch solches nicht in jhrem Magen als in der Schwalben. Diß bedörffen sie aber nichts, dieweil sie allein von Alter vmbkommen, auch nit von Dunst oder Dampff der Erden, dann sie sich nider lassen müsten, dieweil daselbst desselbigen mehr ist. Der Dunst ist auch offt schädlich. Darumb ist es der Wahrheit in alleweg gleich, daß sie zu Nacht des Tauwes geleben. Etliche stecken einen schwantz oder die Flügel in jhre beckelhauben, darumb daß der, so solches bei jm habe, nicht verwundt sölle werden, als der obgenannte außweiset. Dieser gewissen vnd warhafften Histori geben alle newe gelehrten kundtschafft, ohn allein Antonius Pigafeta, welcher dann gantz fälschlich vnd vnrecht sagt, daß dieser vogel einen langen Schnabel, vnd Bein einer zwerchhand lang habe: dann

ich, so diesen vogel zweymal gehabt vnd gesehen, diß falsch seyn gefunden hab. Die Könige Marmin in den Inseln Moluccis, haben vor wenig jaren die Seelen vntödtlich seyn, anfangen zu glauben, vnd das auß keinem andern grund, dann dz sie etwan ein sehr schönes vögelein, so nimmer weder auff die Erden, noch ander ding sitze, vermerkt haben, sondern daß es zu zeiten auß der hohen Lufft auff das Erdtreich also todt hinab falle. Vnd als die Machumeten, so dann vmb Kauffmanschatz willen zu jhnen kommen, diesen vogel im Paradiß, welches dann das ort der abgestorbenen Seelen were, geboren seyn bezeugten, da haben die Könige die Machumetische Sect angenommen, darumb daß dieselbige von diesem Paradiß viel grosses verhiesse vnd zusagte. Diß vögelein aber nennen sie Manucodiata, das ist ein vögelein Gottes, welches sie so für heilig vnd wert halten, dz die Könige mit diesem im Krieg sicher zu seyn glauben, wenn sie gleich nach jrem Gebrauch vnd Gewonheit im vordersten Glied stehen.“

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