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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

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Der Kragenparadiesvogel (Lophorina superba und atra, Paradisea superba, atra und furcata, Epimachus ater) kennzeichnet sich durch verhältnismäßig kurzen kräftigen Schnabel und zwei aufrichtbare, breite, schildartige, pfeilspitzenförmige Federkragen, von denen der eine am Hinterhalse entspringt und aus breiten Federn besteht, der andere an der Oberbrust wurzelt und aus schmäleren steifen Federn zusammengesetzt ist. Die Länge des Männchens beträgt etwa 23, die Fittichlänge 12, die Schwanzlänge 10 cem. Das Gefieder ist samtschwarz, schwach purpurbraun, der Mantelkragen bronzefarben glänzend, der Brustkragen prachtvoll metallisch grün, am Ende der Federn kupfergoldig schimmernd; die Nasen⸗ und Zügelfedern, die sich kammartig erheben, sind glanzlos, die glänzenden Federn des Oberkopfes, Nackens und Hinterhalses stahlblau, vor dem Ende durch eine purpurne Binde geziert, die Oberflügeldeckfedern stärker glänzend als die des Rückens, die Schwingen und Schwanzfedern stahlblau, die des Gesichtes tief kupferig bronzefarben, die der Unterteile purpurschwarz schimmernd. Beim Weibchen ist die Oberseite dunkel-, am Kopfe und Nacken schwarzbraun, die Unterseite schmutzig gelblichweißbraun gewellt. Der prachtvolle Vogel lebt, nach brieflicher Mitteilung von Rosenbergs, in den Gebirgen Neuguineas und zwar in einem Höhengürtel von mindestens 2000 m Höhe. Mein Gewährsmann bemühte sich viele Jahre vergeblich, Bälge zu erhalten, und war erst auf seiner letzten Reise so glücklich, solche zu erwerben. Darunter befanden sich auch einige der bis dahin gänzlich unbekannten Weibchen und Jungen. Ungeachtet aller Nachfragen war es unmöglich, etwas über Lebensweise und Betragen zu erfahren. 7 Ein dritter Vertreter der Gattung ist der Strahlenparadiesvogel (Lophorina sefilata, Parotia sefilata, sexpennis, sexsetacea und aurea, Paradisea sefilata, sexpennis, sexsetacea, aurea und penicillata). Der Schnabel ist kurz und etwas zusammengedrückt; der Schmuck besteht aus sechs zu beiden Seiten des Kopfes entspringenden, etwa 15 em langen, bis auf eine kleine eirunde Endfahne bartlosen Federn, einem dem des Kragenparadiesvogels ähnlichen, jedoch minder entwickelten Brustkragen und einem je an einer Brustseite entspringenden, sehr dichten und langen, aus weißen Federn gebildeten Büschel. Das Gefieder ist vorherrschend schwarz, glänzt und flimmert aber, je nach der Beleuchtung, wundervoll. Kehle und Brust schimmern in grünen und blauen, ein breites, nach vorn gebogenes Federband am Hinterkopfe in geradezu unbeschreiblichen Tönen; ein weißer Flecken auf dem Vorderkopfe glänzt wie Atlas, und die Brustbüschel hüllen, wenn sie aufgerichtet werden, das prächtige Geschöpf noch außerdem in eine zarte, weiße Wolke ein. Das Weibchen gleicht dem des Kragenparadiesvogels bis auf zwei kleine Federbüschel über den Ohren. Die Länge beträgt etwa 30, die Fittichlänge 15, die Schwanzlänge 13 em.

  • Erste Ordnung: Baumvögel; sechzehnte Familie: Paradiesvögel. ... ;

Paradieselster (Lophorina nigra). 26 natürl. Größe.

Der ebenfalls sehr prachtvolle Vogel teilt mit dem Kragenparadiesvogel Vaterland und Aufenthalt und muß da, wo er vorkommt, sehr häufig sein, da die Eingeborenen seine Kopfhaut mit den Strahlenfedern massenhaft zu Schmuckgegenständen verarbeiten. Demungeachtet fehlt uns auch über seine Lebensweise jegliche Kunde. Lesson und andere Forscher erklären es für unmöglich, von dem Glanze eines letzten Vertreters dieser Gattung, der Paradieselster (Lophorina nigra, Astrapia nigra und gularis, Paradisea nigra und gularis) durch Worte eine Vorstellung zu geben. Das Gefieder, das je nach dem einfallenden Lichte in den glühendsten und wunderbarsten Farben leuchtet, ist auf der Oberseite purpurschwarz, mit prachtvoll metallischem Schiller. Die Scheitelfedern sind hyacinthrot, smaragdgolden zugespitzt, die Unterteile malachitgrün. Vom Augenwinkel läuft eine hyacinthrote Binde herab, die im Halbkreise unter der Kehle endigt. Schnabel und Füße sind schwarz. Die Länge beträgt etwa 70, die Fittichlänge 22, die Schwanzlänge 45 em.

Über das Leben der Paradieselster fehlen alle Nachrichten. Auch von Rosenberg konnte nur getrocknete Bälge erwerben. Nach den ihm gewordenen Berichten lebt der Wundervogel ausschließlich auf Neuguinea und zwar in Waldungen der den Europäern noch immer nahezu unzugänglichen Gebirge. Eine der prachtvollsten und erst durch die Forschungen von Rosenbergs einigermaßen bekannt gewordene Art aus der Gattung der Paradieshopfe (Epimachus) ist der Fadenhopf (Epimachus nigricans, Seleucides niger, alba, resplendens und ignota, Paradisea nigricans, nigra, alba, violacea und vaillanti, Epimachus albus, Falcinellus resplendens, Nematophora alba), dessen Gattung sich durch dünnen, säbelförmig gebogenen Schnabel kennzeichnet. Die Länge dieses wunderbaren Vogels beträgt 32, die Fittichlänge 16, die Schwanzlänge 8 em. Die samtartigen Federn des Kopfes, Halses und der Brust sind schwarz, dunkelgrün und purpurviolett schillernd, die verlängerten Brustseitenfedern, bis auf einen glänzenden oder schillernden smaragdgrünen Saum, ebenso gefärbt, die langen, zerfaserten Seitenfedern prächtig goldgelb, welche Farbe aber, wenn der Balg auch nur kurze Zeit der Einwirkung von Licht und Rauch ausgesetzt wird, verbleicht und sich in Schmutzigweiß umwandelt, Flügel und Schwanz violett, herrlich glänzend, unter gewissem Lichte gebändert. Das merkwürdigste sind offenbar die langen Seitenfedern. Die längsten von ihnen reichen bis über den Schwanz hinaus, und die letzten untersten verwandeln sich in ein langes nacktes Gebilde von der Stärke eines Pferdehaares, das am Ursprunge goldgelb, von da an aber braun gefärbt ist. Das Auge ist scharlachrot, der Schnabel schwarz, der Fuß fleischgelb. Beim Weibchen sind Oberkopf, Unterhals und Oberrücken schwarz, die samtartigen Kopffedern hell purpur glänzend, der Unterrücken, die Flügel und der Schwanz rostbraun, die großen Schwungfedern an der Innenseite schwarz. Die ganze Unterseite ist auf grauweißem oder hell schmutzig gelbbräunlichem Grunde mit kleinen, schwarzen Streifen in die Quere gewellt. Der junge Vogel gleicht vollkommen dem Weibchen. Bei zunehmendem Alter erscheint zuerst der Hals grau; bei der nächsten Mauser kommt sodann die gelbe Bauchfarbe gleichzeitig mit den Federbüscheln an den Seiten zum Vorschein; die länger hervorragenden Schäfte oder Fäden sind aber noch nicht nach außen, sondern gerade nach hinten gerichtet. Erst mit der dritten Mauser krümmen sich die genannten Schäfte nach außen. „Obgleich von diesem Vogel“, sagt Rosenberg, „jährlich eine ziemlich große Anzahl Bälge in verstümmeltem Zustande nach Mangkassar und Ternate gebracht werden, kann doch noch nicht eine einzige Sammlung in Europa oder anderswo ein unversehrtes Stück davon aufweisen. Deshalb sind auch alle bis jetzt vorhandenen Beschreibungen und Abbildungen unvollständig und unrichtig. Während meines Aufenthaltes auf Salawati im Mo-⸗ nat August 1860 war ich so glücklich, ein halbes Dutzend dieser unvergleichlich schönen Vögel zu erhalten. Sie leben in kleinen Trupps oder Familien, sind kräftige Flieger und lassen, nach Futter suchend, ein scharf klingendes „Scheck scheck' hören. Die Ost- und Westküste deuguineas und die Insel Salawati bilden ihre ausschließliche Heimat; hier aber sind sie in bergigen Strecken, die sie bevorzugen, durchaus nicht selten. Bei Kalwal, einem kleinen, vor kurzem angelegten Stranddörfchen an der Westküste der Insel, sah ich im August eine aus zehn Stück bestehende Familie im hohen Walde nahe der Küste. Sechs davon fielen mir in die Hände; die übrigen waren zwei Tage später nicht mehr zu sehen: das wiederholte Schießen und ein starker, auf die Küste zu wehender Wind hatten sie nach dem Gebirge zurückgescheucht. In dem Magen der getöteten fand ich Früchte, vermischt mit einzelnen Überbleibseln von Kerbtieren. In der Brutzeit richtet der Vogel den Brustkragen Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IV. 27

ringförmig und vom Leibe abstehend nach vorn auf und öffnet die verlängerten Seitenfedern zu einem prachtvollen Fächer.“ Laut Wallace besucht der Fadenhopf blühende Bäume, namentlich Sagopalmen und PVPisang, um die Blüten auszusaugen. Selten verweilt er länger als einige Augenblike auf

Fadenhopf (Epimachus nigricans). ?/3 natürl. Größe.

einem Baume, klettert, durch seine großen Füße vortrefflich hierzu befähigt, rasch und gewandt zwischen den Blüten umher und fliegt sodann mit großer Schnelligkeit einem zweiten Baume zu. Sein lauter und auf weithin hörbarer, der Silbe „kah“ vergleichbarer Ruf wird etwa fünfmal rasch nacheinander meist vor dem Wegfliegen ausgestoßen. Bis gegen die Brutzeit hin lebt das Männchen einsiedlerisch; später mag es sich, wie seine Familienverwandten, mit anderen seiner Art auf gewissen Sammelplägen zusammenfinden. Alle Fadenhopfe, die erlegt wurden, hatten nichts anderes als einen braunen Saft, wahrscheinlich

Fadenhopf. Kragenhopf. Seidenlaubenvogel.

Blumennektar, im Magen; ein gefangener Vogel dieser Art aber, den Wallace sah, fraß begierig Schaben und Melonen. Nest und Eier sind zur Zeit noch unbekannt. Jagd und Fang geschehen wesentlich in derselben Weise, wie zuvor beschrieben.

Bei dem Kragenhopf (Epimachus speciosus, magnus, maximus und superbus, Upupa speciosa, magna, fusca und striata, Promerops striatus und superbus, Falcinellus magnificus und superbus, Cinnamolegus papuensis, Abbildung S. 420) ist der Schnabel lang, bogenförmig, auf dem Firste rundkantig, der Fuß kräftig, der Flügel mäßig lang, der Schwanz sehr langstufig. Büschelfedern finden sich nur an den Brustseiten. Die Länge des Vogels beträgt ungefähr 65, die Fittichlänge 17, die Schwanzlänge 42 cm. Der Kopf ist mit kleinen, rundlichen Schuppenfedern bedeckt, die bronzegrün sind, aber blau und goldgrün schillern; die langen, zerfaserten Hinterhalsfedern sind samtig und schwarz; der Rücken ist ebenso gefärbt, aber unregelmäßig zerstreute, längliche, spatenförmige Federn mit dicken Bärten, die grünbläulich schillern, bringen Abwechselung in diese Färbung; die Unterseite ist schwarzviolett, die großen Schmuckfedern an den Brustseiten, die in der Ruhe nachlässig über die Flügel gelegt werden, schillern im prachtvollsten Glanze. Der Schnabel und die Beine sind schwarz. Beim Weibchen sind Oberkopf und Nacken zimtfarben, die übrigen Teile wie bei den Männchen gefärbt, alle Farben aber matter. Auch von diesem wunderbaren Vogel gibt es noch keinen vollständigen Balg in den europäischen Sammlungen. Die Papua bereiten ihn nach Art der Paradiesvögel und bringen ihn in den Handel, gewöhnlich aber so verstümmelt, daß man selbst die Flügel ersetzen muß. Nach Rosenberg ist der Kragenhopf über den ganzen nördlichen Teil von Neuguinea verbreitet, fehlt aber auf den Inseln. Wallace erfuhr, daß er vorzugsweise im Gebirge, in demselben Höhengürtel wie der Strahlenparadiesvogel lebe, zuweilen aber auch im Hügellande, nahe der Küste der Insel vorkomme. „Mehrere Male“, sagte er, „versicherten mich verschiedene Eingeborene, daß dieser Vogel sein Nest in einem Erdloche oder unter Felsen anlege, stets aber eine Höhle mit zwei Öffnungen wähle, so daß er einen Eingang und einen Ausgang hat. Wir würden dies nicht für sehr wahrscheinlich halten, wäre einzusehen, wie diese Geschichte entstanden sein sollte, wenn sie nicht wahr ist. Auch wissen alle Reisenden, daß Erzählungen der Eingeborenen über Gewohnheiten von Tieren sich fast stets als richtig erwiesen, wie sonderbar sie anfänglich auch erscheinen mochten. Vielleicht ist es richtig, hier eine kleine australische Vogelgruppe einzureihen, die sonst auch zu den Pirolen gestellt oder als Kern einer besonderen Familie aufgefaßt worden ist. Die Laubenvögel (Chlamydoderinae), die ich meine, etwa zehn, nur im australischen Reiche heimische Arten, erreichen ungefähr die Größe unserer Dohle und kennzeichnen sich durch dicken, wenig hakigen Schnabel, mittelhohe, starke Füße, ziemlich lange Flügel und mittellangen, gerade abgeschnittenen oder seicht ausgebuchteten Schwanz. Die bekannteste Art der Unterfamilie ist der Seidenlaubenvogel (Chlamydodera holosericea, Ptilonorhynchus holosericeus und macleyii, Kitta holosericea, Corvus squamulosus, Pyrrhocorax violaceus). Sein Leib ist gedrungen, der Schnabel kräftig, auf dem Oberkiefer ziemlich stark gewölbt, mit seichtem Haken über den unteren gebogen, vor der Spitze mit zwei seichten Einschnitten versehen, der Unterkiefer leicht gekrümmt, der 27*

Erste Ordnung: Baumpögelz sechzehnte Familie: Paradiesvögel. Fuß ziemlich hoch, dünn- und kurzzehig, der Flügel, in welchem die vierte Schwinge über alle anderen sich verlängert, lang und spitzig, der Schwanz mittellang, seicht ausgeschnitten. Das wie Atlas glänzende Gefieder des alten Männchens ist tief blauschwarz; die Vorderund Armschwingen, Flügeldeck- und Steuerfedern sind samtschwarz, an der Spitze blau. Das Auge ist hellblau bis auf einen schmalen roten Ring, der den Stern umgibt, der Schnabel lichtbläulich hornfarben, an der Spitze gelb, der Fuß rötlich. Das Weibchen ist auf der Oberseite grün, an den Flügeln und auf dem Schwanze dunkel gelbbraun, auf der Unterseite gelblichgrün, jede Feder hier mit dunkelbraunen Mondflecken nahe der Spitze, wodurch eine schuppige Zeichnung entsteht. Die Jungen ähneln dem Weibchen. Die Länge beträgt etwa 36 em, die Fittichlänge 18, die Schwanzlänge 12 em. Gould hat uns über die Lebensweise des Vogels ziemlich genau unterrichtet. Sein Vaterland ist der größte Teil des australischen Festlandes, sein Lieblingsaufenthalt das üppige, dicht beblätterte Gestrüpp der parkähn⸗— lich bestandenen Gebiete des Inneren wie der Küstenländer. Er lebt ständig an dem von ihm

gewählten Orte, streicht jedoch in einem kleinen Umkreise hin und her, vielleicht in der Absicht, sich reichlichere Nahrung zu verschaffen. Im Frühjahre Australiens trifft man ihn paarweise, im Herbste in kleinen Flügen, dann oft in Flußbetten, namentlich da, wo sich Gebüsche auf einem Uferstreifen zur Wassergrenze hinabziehen. Die Nahrung besteht vorzugsweise aus Körnern und Früchten, nebenbei wohl auch Kerbtieren. Während des Fressens ist er so wenig scheu, daß er sich bequem beobachten läßt, sonst äußerst wachsam und vorsichtig. Die alten Männchen sitzen auf einem Baumwipfel und warnen, sobald sich etwas

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