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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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Rumpfgefieder ist bronzegrün, das verlängerte des Scheitels bräunlichrot, ein schmales Band, das quer über den Unterrücken verläuft, weiß, das Gesichtsfeld grün, herrlich schillernd. Die Kragenfedern, die sich stufig verlängern, sind licht rotbraun, an der Spitze schimmernd grün gefleckt. Die Schwingen haben dunkel purpurbraune, die Schwanzfedern dunkel braunrote Färbung. Der Schnabel ist fleischrot, braun an der Spitze. Beim Weibchen sind

Schmuckelfe (Lophornis ornata). ½ natürl. Größe.

alle Farben blässer, und der Kragen, die Haube sowie der schimmernde Flecken um den Schnabel fehlen gänzlich. + Die Schweifelfen (Heliactinus) unterscheiden sich von den vorigen hauptsächlich durch den verlängerten Schwanz. Der Schnabel ist länger als der Kopf, vor der feinen Spitze ein wenig nach oben und unten verdickt, der Fuß klein, kurzzehig und mit ziemlich großen und starken Krallen bewehrt. Das Kopfgefieder des Männchens ist ebenfalls verlängert und bildet über jedem Auge einen Lappen; der Flügel ist lang und schmal, der Schwanz keilförmig, und zwar sind die einzelnen Federn stark stufig abgesetzt und alle schmal und scharf zugespitzt.

Erste Ordnung: Baumvögel; zweiunddreißigste Familie: Kolibris.

Die Schweifelfe (Heliactinus cornutus, Trochilus cornutus, bilophus und dilophus, Ornismya chrysolopha) ist erzgrün, wenig glänzend, der Oberkopf stahlblau; der Federkragen geht von außen durch Violett in Grün, Gelb, Orange und Rot über; die Kehle, der Vorderhals und die Wangen sind tief samtschwarz, die Oberbrust, die Bauchmitte, der Steiß und die seitlichen Steuerfedern weiß, die Schwingen grau. Dem Weibchen fehlt der Kopf⸗ und Halsschmuck; die Kehle ist rostgelb, die äußersten Schwanzfedern sind ungefähr in der Mitte schwarz gebändert. Der Schnabel ist schwarz. Die Länge beträgt 12, die Fittichlänge 5,3, die Schwanzlänge 5—6 cm.

Schweifelfe (Heliactinus cornutus). 34 natürl. Größe.

Nach Burmeister gehört dieser prachtvolle Kolibri zu den häufigen Arten der offenen Campos des Inneren von Minas Geraes. Bei den Flaggensylphen (Steganurus) sind die beiden äußersten sehr verlängerten Schwanzfedern gegen die Spitze hin fahnenlos, an ihr aber mit sehr breiten Fahnen besetzt. Der Schnabel ist kurz, fast gerade, die kleinen Füße sind dicht beflaumt.

Die Flaggensylphe (Steganurus underwoodi und spatuligera, Trochilus, Spathura, Cynanthus und Mellisuga underwoodi, Ornismya underwoodi und kieneri)

ist auf der Oberseite, auf dem Bauche, auf den Seiten und auf den unteren Schwanzdeckfedern erzgrün, auf der Kehle und Oberbrust tief smaragdgoldgrün; die Schwingen sind purpurbraun, die Steuerfedern braun, die Flaggen der äußersten Federn sind schwarz mit grünlichem Schiller. Die Länge beträgt 15, die Fittichlänge 4,5, die Schwanzlänge 9 em. Das Weibchen ist auf der Oberseite erzgrün, auf der Unterseite weiß, grünlich gefleckt. Die

Flaggensylphe (Steganurus underwoodi). ½ natürl. Größe.

Unterschwanzdeckfedern sind bräunlich, die ziemlich gleich langen Schwanzfedern sind an der Spitze weiß gefleckt. Der schöne Vogel verbreitet sich über den Norden Südamerikas, von Brasilien an bis Venezuela, und bewohnt hier ebensowohl die Küsten- wie die Hochgebirge bis zu 2000 m Höhe. Die Schleppensylphen (Sparganura) unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Schwanzbildung. Die Steuerfedern sind nach außen hin gleichmäßig gesteigert, die äußersten über fünfmal so lang wie die mittleren, ihre Fahnen von der Wurzel bis zur Spitze ziemlich gleich breit.

Erste Ordnung: Baumvögel; zweiunddreißigste Familie: Kolibris.

Der Sapphokolibri (Sparganura sappho, Trochilus sappho, chrysurus und radiosus, Ornismya und Cometes sappho, Cynanthus und Cometes sparganurus, Mellisuga, Lesbia und Sappho sparganura, Orthorhynchus und Cynanthus chrysurus) ist auf der Oberseite scharlachrot, auf dem Kopfe und der Unterseite metallisch grün, an der Kehle lichter und glänzend, am Unterbauche licht bräunlich. Die Schwingen sind purpur⸗

Sapphokolibri (Sparganura sappho). 4/6 natürl. Größe.

A braun, die Schwanzfedern braun, an der Wurzel glänzend und feurig orangerot bis gegen die Spitze hin, an dieser tief schwarzbraun. Das Weibchen ist oben grün, unten grau gefleckt. Sein Schwanz ist kürzer, und die Federn sind nur lichtrot. Das Vaterland ist Bolivia. * Der Schnabel der Riesengnomen (Hypermetra) ist lang oder sehr lang, gerade oder sehr schwach nach unten oder nach oben gebogen, gleichmäßig zugespitzt oder vor der Spitze verdickt; die Füße sind verhältnismäßig, die Schwingen bei einigen sehr lang und schmal, bei anderen kürzer und breiter; der Schwanz ist mittellang, in der Mitte ausgeschnitten. Das Gefieder zeigt keine besonders lebhaften Farben.

Hierher gehört der Niesenkolibri (Hypermetra gigas, Trochilus, Cynanthus, Hylochlaris und Patagona gigas, Ornismya tristis und gigantea), ein Vogel, der un: jerem Mauersegler an Größe ungefähr gleichkommt. Die Oberseite ist blaßbraun mit grünem Schimmer, die Unterseite rötlichbraun, der Bürzel graugelblich; der Kopf, die Oberbrust und der Rücken sind leicht dunkler gewellt; die Schwingen sind dunkelbraun, die Schwanzfedern von derselben Färbung, aber grünlich schillernd. Die Länge beträgt 21 cm.

Niesenkolibri (Hypermetra gigas). 2/3 natürl. Größe.

Ein großer Teil des südlichen Westamerika ist die Heimat diese3 auffallenden Kolibris. Im äußersten Süden ist er Zugvogel, der regelmäßig erscheint und regelmäßig wieder wegzieht. Man hat ihn in Höhen von 4—5000 m gefunden. *

Der Schwert] Hnabel (Docimastes ensifer, Ornismya und Mellisuga ensifera, Trochilus und Docimastes derbianus) befigt den größten Schnabel unter allen Kolibris und kann deshalb mit keinem anderen verwechselt werden. Dieser Schnabel ist ebenso lang - wie der Rumpf, leicht aufwärts gebogen, vor der Spike etwas verdickt, der Flügel verhält: nismäßig kurz und breit, der Schwanz mittellang und deutlich gegabelt. Das Gefieder der Oberseite ist erzgrün, das des Kopfes kupferfarbig, das der Unterseite, der Kehlgegend und Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IV. 43

Erste Ordnung: Baumvögel; zweiunddreißigste Familie: Kolibris. der Brustmitte bronzegrün, das der Seiten schimmernd hellgrün. Ein kleiner weißer Flecken steht hinter dem Auge. Die Schwingen sind purpurbraun, die Steuerfedern dunkelbraun mit Erzglanz. Der Schnabel ist schwarzbraun, der Fuß gelblichbraun. Die Länge beträgt 22 cm, wovon freilich 10 cm auf den Schnabel kommen, die Fittichlänge 8, die دا ir

Schwertschnabel (Docimastes ensifer). 34 natürl. Größe.

„ Schwanzlänge 6 cm. Das Weibchen ist auf der Oberseite matter, auf der Unterseite weiß und braun gefleckt, mit etwas Metallschimmer an den Seiten; bei ihm beträgt die Länge 17, die Schnabellänge 8 cm. Die Heimat sind die Gebirge von Quito und Venezuela. In den letzteren fand ihn Göring noch in Höhen zwischen 2000 und 3000 m über dem Meere, dunkle Unterbestände der Waldungen belebend.

HELMKOLIBRI.

Schwertschnabel. Helmkolibri.

Die Helmkolibris (Oxypogon) kennzeichnen sich durch sehr kurzen Schnabel, einen Helmbusch, breitere Flügel, gerade abgeschnittenen Schwanz und glanzloses Gefieder. Eine zu Ehren Lindens benannte Art, Chivito de la Paramos der Eingeborenen, zu Deutsch „Paramosböckchen“ (Oxypogon lindeni, Trochilus und Ornismya lindeni), ist auf der Ober⸗ und Unterseite ziemlich gleichmäßig matt bräunlich⸗erzgrün, schwach metallisch glänzend, der Kopf bis auf die mittleren weißen Federn der Haube schwarz, unter der Haube grünlich. Die bartartig verlängerten Federn der Kehle sind weiß, am Ende durch schwarze Tüpfelpunkte gezeichnet, die Schwingen braun, mit rötlich⸗veilchenfarbenem Schimmer; die Unterseite der weiß geschäfteten stahlglänzenden Steuerfedern ist bräunlich-veilchenfarben. Dem etwas kleineren Weibchen fehlen Haube und Bart. Die Länge beträgt 14, die Fittichlänge 8, die Schwanzlänge 7 cm. Linden fand diesen auffallenden Vogel zuerst in der Sierra Nevada de Merida in Venezuela; Göring, dem wir die bildliche Wiedergabe des Vogels und seines Wohngebietes verdanken, beobachtete ihn in demselben Gebirge, in der großartigen Landschaft, die sein geschickter Griffel dargestellt hat. Hier haust der zierliche Vogel in Höhen von 3000 bis 4000 m und trägt ungemein viel dazu bei, das einsame Gebirge zu beleben. Die Kolibris gehören ausschließlich Amerika an und sind mehr als die meisten übrigen Vögel für diesen Erdteil bezeichnend. Sie finden sich hier, soweit die Erde fähig ist, Blumen zu erzeugen, von Sitka bis zum Kap Horn. Der nordamerikanische Kolibri des Ostens ist auf Labrador beobachtet worden; eine Art des Westens (Selasphorus rufus) erscheint regelmäßig noch am Columbiaflusse und dringt bis zum Fraserflusse und der Juan de Fucastraße vor. Derselbe Vogel wird, nach H. Elliott, auch an einer um 8 Breitengrade nördlicher liegenden, abgesonderten Örtlichkeit gefunden: auf der Baranowinsel, wo etwas südlich von Sitka hervorsprudelnde heiße Quellen das Entstehen einer üppigeren Vegetation begünstigen. Ebenso ist man diesen anscheinend so schwächlichen Vögeln im Feuerlande begegnet. Und nicht bloß nach der Breite verteilen sie sich, sondern sie erheben sich auch zu den gewaltigen Bergen der Andeskette: sie schweben noch unmittelbar unter der Schneegrenze in einem Höhengürtel, der zwischen 4000 und 5000 m über dem Meere liegt; sie besuchen die Krater der noch thätigen wie der erloschenen Vulkane, zu welchen sich kaum ein anderes höheres Wirbeltier verirrt. Man hat sie in solchen Höhen brütend gefunden, während Schnee und Hagel den vom Forschungsdrange emporgetriebenen Menschen umtobten, der meinte, in jenen Höhen neben dem Kondor das einzige lebende Wesen zu sein. Im allgemeinen darf behauptet werden, daß jede Gegend, ja jede Örtlichkeit ihre eignen Arten besitze. Die Bergnymphen, die sich in den angegebenen Höhen umhertreiben, verlassen diese nicht, steigen höchstens bis zur unteren Grenze des Gürtels hinab, wenn rauhes Wetter sie dazu nötigt, und die, welche die heißen, glühenden Thäler bewohnen, in welchen kaum ein Luftstrom sich regt, erheben sich wiederum nicht zu jenen Höhen. Aber nicht bloß einzelne Berge und Thäler, sondern auch Wälder und Steppen, ja noch viel beschränktere Örtlichkeiten beherbergen besondere Arten von Kolibris. Mehr als alle übrigen Vögel sind diese Kleinodien der Klasse wenigstens der Mehrzahl nach an bestimmte Blumen oder Blüten gebunden: sie stehen im innigsten Zusammenhange mit der Pflanzenwelt. Blüten, die diesen Beute gewähren, werden von jenen niemals besucht, und Blumen, die einige ernähren, scheinen für andere nicht vorhanden zu sein. Der an das Ende unserer Aufzählung hervorragender Arten gestellte Helmkolibri erscheint, brieflicher Mitteilung Görings zufolge, 43*

auf den Paramos der Sierra Nevada, sobald die vom Volke treffend „Riesenmönche“ genannten, für die Gegend bezeichnenden, auf unserer Abbildung dargestellten Alpenpflanzen ihre Blüten entfalten, und verschwindet wieder, wenn diese sich geschlossen haben; andere kommen und gehen in gleicher Weise, so wie ihre Blumen erblühen und verwelken. Schon der sehr verschiedene Bau des Schnabels läßt schließen, daß gewisse Arten nur bestimmte Blüten durchsuchen und unfähig sind, andere auszubeuten. Einzelne Arten mögen allerdings nicht besonders wählerisch sein: vom nordamerikanischen Kolibri z. B., behauptet Wilson, daß die Hälfte der Flora seiner Heimat ihm zollen müsse; andere aber beschränken sich nicht bloß auf gewisse Bäume, sondern sogar auf eine gewisse Wipfelhöhe. Diese untersuchen eifrig die Blüten der oberen Zweige, jene tiefer stehende, die einen das Gelaube, die andern den saftschwitzenden Stamm, um sich ihr tägliches Brot zu erwerben. Vom Zwergkolibri sagt Gosse, daß er fast nur die Blüten der niederen Pflanzen hart über dem Boden ausbeute; die Sonnenvögel sieht man, laut Bates, bloß ausnahmsweise auf Blumen oder Blüten, die in den von ihnen bewohnten schattigen Wäldern eine Seltenheit sind: sie lesen vielmehr ihre Kerbtiernahrung von den Blättern ab, indem sie sich mit unvergleichlicher Gewandtheit in dem Gelaube bewegen und jedes einzelne Blatt von oben und unten besichtigen. So nimmt es uns auch nicht wunder, wenn wir bemerken, daß manche Inseln ihre besonderen Kolibris beherbergen, so z. B. auf Juan Fernandez eine Art vorkommt, die auf den benachbarten Eilanden nicht gefunden wird, daß der Zwergkolibri von Jamaika sich nicht bis nach Cuba verfliegt. An Fähigkeit größere Reisen zu machen, fehlt es ihnen nicht: dies beweisen viele Arten zur Genüge; auch findet das Gegenteil von dem eben Gesagten insofern statt, als einzelne Arten sich über den halben Erdteil verbreiten. Mit dieser Abhängigkeit der Kolibris steht im Einklange, daß die Gleicherländer Amerikas besonders reich an ihnen sind. Von den 390 Arten, die Wallace annimmt, finden sich 275 in den Gleicherländern Südamerikas, 100 (zum Teil dieselben) in den Wendekreisländern Nordamerikas, 15 im gemäßigten Gürtel der Südhälfte, 12 in dem der Nordhälfte und 15 auf den Antillen. Doch würde man irren, wenn man glauben wollte, daß die Waldungen der Tiefe, in welchen das Pflanzenleben die höchste Entwickelung erreicht, die eigentlichen Paradiese für die Kolibris wären. Die wunderbar prächtigen Blumen jener Waldungen werden selbstverständlich nicht verschmäht, im Gegenteile, wenigstens zeitweilig, von ihnen umschwärmt und durchsucht: aber nicht die Menge der Blüten ist es, die ihren Artenreichtum bedingt, sondern deren Mannigfaltigkeit. Nach dem Stande unserer derzeitigen Forschungen dürfen wir annehmen, daß die Gebirgsgegenden Süd- und Mittelamerikas die größte Artenzahl von Kolibris beherbergen und den Gestaltenreichtum dieser Ordnung am augenfälligsten offenbaren. „Es gewährt einen Hochgenuß“, schreibt mir Göring vom Helmkolibri, „das heitere Spiel des zierlichen Geschöpfes zu belauschen, wenn es in den einsamen Höhen des gewaltigen Gebirges die gelben Blumenkronen der Mönchspflanzen umgaukelt, hier und da nippend und zuweilen auf Augenblicke ausruhend. Kaum vermag das Auge ihnen zu folgen, so schnell jagen sie zwischen den blühenden Stumpfen der so eigentümlichen Pflanzen hindurch, und dennoch irrt der suchende Blick immer und immer wieder hinter ihnen her. Ist es doch der Helmkolibri, der hier noch sein Geschlecht vertritt, nachdem so viele andere nach und nach in tiefer gelegenen Höhengürteln des Gebirges zurückgeblieben sind.“ Ein bevorzugtes Land scheint Mexiko zu sein: es ist die Heimat von mehr als einem Fünftel aller Kolibris, die bis jetzt bekannt geworden sind, und es läßt sich voraussagen, daß zu denen, die man hier fand, noch sehr viele bisher unbekannte kommen werden, wenn das weite und noch wenig untersuchte Reich besser durchforscht werden wird. Mexiko vereinigt freilich alle Bedingungen für eine solche Mannigfaltigkeit: es ist das wechselreichste

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