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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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Goldbartvogel. Perlvogel.

von Heuglins endlich wie „du du dui dui dui dui du“ ausgesprochen werden kann. Beider Stimmen verschmelzen in der sonderbarsten Weise miteinander, so daß ein wahrer Tonunfug entsteht, ein Gesang, so verworren und dunkel, daß man die einzelnen Laute nicht unterscheiden kann, „ein Schnurren“, wie Hartmann mit vollem Rechte sagt. „Jedenfalls“, meint dieser Forscher, „ist der Gesang des Perlvogels einer der sonderbarsten und bezeichnendsten Naturlaute, die man in dieser Gegend vernimmt.“ Aber der Gesang unterhält gerade deshalb und vielleicht noch aus dem Grunde, weil er mit so viel Herzensfreude vorgetragen wird, daß man die Gefühle des Vogels notwendig teilen muß. Übrigens liebt „

Perlvogel (Trachyphonus margaritatus). 2/3 natürl. Größe.

dieser es durchaus nicht, von wißbegierigen Menschen weißer Färbung belauscht zu werden; wenigstens pflegt er augenblicklich stillzuschweigen, sobald ein Europäer sich seinem Standorte nähert, verläßt auch diesen gewöhnlich zur rechten Zeit, so daß es nicht eben leicht ist, sein Treiben in genügender Nähe zu beobachten. Im übrigen lebt der Perlvogel nach Art anderer seiner Familie. Er bewegt sich langsam in den Baumkronen hin und her, liest dort Kerfe auf, geht Früchte an und sucht sich Sämereien zusammen. Er klettert schlecht, fliegt bald schwirrend, bald schwebend, nicht gern weit, liebt überhaupt die Ruhe und hält an dem einmal gewählten Standorte mit großer Zähigkeit fest, dehnt aber die Grenzen seines Gebietes weiter aus, als andere Bartvögel jener Gegend zu thun pflegen.

6⁵5⁴ Erste Ordnung: Baumpögel; einunddreißigste Familie: Spähvögel. Über das Nest sind wir durch von Heuglin unterrichtet worden. „In einem zum Ain⸗ Saba führenden Regenbett“, sagt er, „fand ich am 26. September das Nest dieses Vogels in einer senkrechten Erdwand. Es war ungefähr 3 müber der Thalsohle angebracht. Ein kreisrundes, 5 em im Durchmesser haltendes Loch führte mit wenig Neigung nach aufwärts etwa 50 emttief in die Wand in einen größeren, rundlichen, nach unten zulaufenden Raum, der von dem zu ihm führenden Gange noch durch eine Art kleiner Wand geschieden war. Im Inneren lag ein frisches Ei, ohne alle Unterlage auf etwas aufgelockerter Erde. Es ist im Verhältnis zum Vogel mittelgroß, eigestaltig, an beiden Enden ziemlich stumpf, rein weiß, rosenrot durchscheinend, außerordentlich feinschalig und glänzend. Am 8. Oktober entdeckte ich an einem ähnlichen Orte ein Nest mit vier bebrüteten Eiern. Das Nest war dem oben beschriebenen ganz gleich; nur war das Bett für die Eier mit Malvensamen gefüllt. Ob der Perlvogel seine Nisthöhle selbst gräbt, vermag ich nicht zu sagen.“ In seinem später erschienenen Werke fügt von Heuglin vorstehendem noch hinzu, daß er niemals mehr als 4 Eier in einem Gelege gefunden, aber schon 5—6 unzweifelhaft einer und derselben Brut angehörige Junge zusammen gesehen habe, auch vermute, daß der Vogel mehr als einmal im Jahre brüte. Mit Fürbringer reihen wir den Bartvögeln als letzte Familie der Spechtvögel die Spähvögel (Indicatoridae) an, verhältnismäßig gedrungen gebaute, langflügelige, kurzschwänzige, starkschnäbelige und kurzfüßige Mitglieder der Sippschaft. Der Schnabel ist kürzer als der Kopf, stark, fast gerade, nach der Spitze zu oben und unten gekrümmt, seitlich zusammengedrückt und hakig übergebogen. Die Füße sind kurz und kräftig, die Läufe kürzer als die Außenzehe, die Zehen lang, aber nicht schwach. Der Fittich ist lang und spitzig, jedoch ziemlich breit, unter den neun Schwingen, die der Handteil des Flügels trägt, die dritte die längste, die vierte und fünfte aber nur wenig verkürzt. Der höchstens mittellange Schwanz, der aus zwölf Steuerfedern gebildet wird, ist abgerundet und in der Mitte ein wenig ausgeschweift, da die beiden mittleren Steuerfedern etwas kürzer als die nächsten, die beiden Außenfedern aber bedeutend verkürzt sind. Das Gefieder ist dicht, glatt und derb; die einzelnen Federn sitzen fest in der starken Haut. Die Spähvögel, von welchen man etwa ein Dutzend Arten kennt, gehören hauptsächlich Afrika an; nur zwei Arten der Familie sind bis jetzt außerhalb dieses Erdteiles, in Sikkim und auf Borneo, beobachtet worden. Sie leben in waldigen Gegenden, gewöhnlich paarweise, höchst selten in kleinen Trupps, flattern von einem Baume zum anderen und lassen dabei ihre starke, wohlklingende Stimme vernehmen. „Trotz ihrer unscheinbaren Größe und Färbung“, sagt von Heuglin, „sind alle an der eigentümlichen Art der Bewegung im Fluge sowie an der weißen Farbe der äußeren Steuerfedern leicht und auf weithin zu erkennen.“ Sie gehören zu den volkstümlichsten aller Vögel Afrikas; denn da, wo sie leben, haben sie sich jedermann bekannt gemacht. Schon die ältesten Reisenden erwähnen ihrer und namentlich einer sonderbaren Eigenheit, die sie, wie es scheint, sämtlich besitzen. Alles Auffallende nämlich, das sie bemerken, versuchen sie anderen Tieren und insbesondere auch dem Menschen mitzuteilen, indem sie in auffallend dreister Weise herbeifliegen und durch Geschrei und sonderbare Gebärden einladen, zu folgen. „Daß sie, so rufend, häufig an Bienenschwärme führen, weiß jeder Eingeborene Afrikas vom Kap bis zum Senegal und von der Westküste bis nach Abessinien herüber. Doch führt der Honigkuckuck den ihm folgenden Menschen ebenso häufig auf gefallene Tiere, die voller Kerbtierlarven sind, oder versolgt mit seinem Geschrei den Löwen oder Leoparden, kurz, alles, was ihm auffällt.“ Letztere Angabe stellt Barber nach langjährigen Beobachtungen in Abrede. Er sowohl wie seine

Spähvögel: Allgemeines. Honiganzeiger. 655⁵5 neun in Südafrika großgewordenen Brüder haben immer nur erfahren, daß die Honigangeber zu Bienenstöcken leiteten und sich unterwegs um alles übrige nicht kümmerten. Über ihre Fortpflanzungsgeschichte sind wir erst neuerdings unterrichtet worden; die älteren Angaben haben sich als falsch erwiesen. Jetzt wissen wir, daß die Honigkuckucke zu den Schmarotzern gehören, die sich nicht selbst um ihre Brut bekümmern, sondern sie der Obhut und Fürsorge anderer Vögel anvertrauen. Aus den bisher bekannt gewordenen Beobachtungen der Reisenden geht hervor, daß alle Honigkuckucke sich hinsichtlich ihrer Lebensweise im wesentlichen ähneln. Daher dürfte es für uns vollkommen genügen, wenn ich eine Art der Familie und Gattung beschreibe und die Berichte der reisenden Forscher über die Lebensweise auf sie beziehe.

Der Honiganzeiger (Indicator sparrmanni, albirostris, leucotis, archipelagus, flaviscapulatus und pallidirostris, Cuculus indicator und capensis) ist auf der Oberseite graubraun, auf der Unterseite weißgräulich, an der Gurgel schwarz, ein Flecken in der Ohrgegend gräulichweiß; die Schultern sind durch einen gelben Flecken geziert; einige Schenkelfedern durch schwarze Längsstriche gezeichnet; die Schwingen graubräunlich, die Deckfedern der Flügel breit weiß gesäumt; die mittleren Schwanzfedern braun, die beiden folgenden jeder Seite auf der Außenfahne braun, auf der inneren weiß, die drei äußersten ganz weiß mit brauner Spitze. Die Iris ist braun, der Augenring bleifarben, der Schnabel gelblichweiß, der Fuß bräunlichgrau. Die Länge beträgt 18, die Fittichlänge 11,5, die Schwanzlänge 7 em. Vom Süden an verbreitet sich diese Art über den größten Teil von Afrika bis zum 16. Grade nördlicher Breite; es scheint aber, daß er und seine Verwandten in gewissen Gegenden, so im Ostsudan oder in Abessinien, nur zeitweilig vorkommen, also Zugvögel sind. Th. von Heuglin und der Marquis Antinori haben ihn zu ganz verschiedenen Zeiten des Jahres beobachtet. Bezüglich des vereinzelten Vorkommens mag jedoch noch eine Bemerkung von Heuglins hier Platz finden. Ihre geringe Größe, einfache Färbung und die Gewohnheit, sich in dichtbelaubten Bäumen aufzuhalten, sind Ursachen genug, daß sie dem Sammler weniger in die Augen fallen, obgleich sie, namentlich im Fluge, sich sehr leicht an der eigentümlichen Schwanzzeichnung erkennen lassen und ihre Anwesenheit auch durch ihren bekannten Ruf anzeigen. Abgesehen von diesem Rufe stellen sie sich als stille, einsame Gesellen dar, klettern nach Art des Wendehalses langsam im Gezweige umher und machen sich nur dann vernehmlich, wenn sie durch einen ihnen besonders auffallenden Gegenstand gefesselt werden, insbesondere aber Wespennester oder Bienenstöcke entdeckt haben. Ludolfi ist der erste, der im Jahre 1681 über den Honiganzeiger spricht. Er weiß bereits, wenn auch nicht durch eigne Erfahrung, daß der Vogel alles, was ihm aufgefallen, dem Menschen verrät, nicht bloß die Bienennester, sondern ebenso die wilden Büffel, Elefanten, Tiger und Schlangen, und daß er einen ihm willigen Jäger zu dem von ihm entdeckten Tiere oder Gegenstande förmlich hinführt. Lobo, dessen Reise nach Abessinien im Jahre 1728 herausgegeben wurde, thut unseres Vogels wiederum Erwähnung. „Der Morok oder Honiganzeiger“, sagt er, „besitzt eine besondere Naturgabe, Honig und Bienen, deren es in Athiopien eine unbeschreibliche Menge und zwar von den verschiedensten Arten gibt, zu entdecken. Einige sind gleichsam zahm und wohnen in Körben, andere halten sich in hohlen Bäumen auf, noch andere in Löchern und Höhlen unter der Erde, die sie mit Sorgfalt rein halten und so künstlich verstecken, daß man Mühe hat, sie zu finden, obgleich sie oft nahe an der Landstraße sind. Der Honig, den sie unter der Erde bauen, ist durchaus

Erste Ordnung: Baumvögel; einunddreißigste Familie: Spähvögel. ebenso gut wie der in Körben gewonnene, nur etwas schwärzer. Ich möchte fast glauben, daß es derselbe Honig gewesen sei, von welchem Johannes in der Wüste gelebt hat. Wenn der Morok ein Bienennest aufgespürt hat, setzt er sich an die Landstraße, schlägt mit den Flügeln, singt, sobald er jemand erblickt, und sucht dadurch ihm begreiflich zu machen und ihn aufzumuntern, daß er ihm folgen solle und die Anweisung eines Bienennestes zu erwarten habe. Merkt er, daß man mitgeht, so fliegt er von Baum zu Baum, bis er zur Stelle kommt, wo der Honig gefunden wird. Der Abessinier bemächtigt sich des Honigs, ermangelt aber niemals, dem Vogel einen guten Teil davon zu überlassen. 1ρ V j Muitzel ne mur. ל D

J.V. K.JAHF

Honiganzeiger (Indicator sparrmanni). 1/2 natürl. Größe.

i Nach den genannten Reisenden gibt Sparrmann Ende des vorigen Jahrhunderts eine vollständige Schilderung dieser Eigenheit und des auffallenden Betragens der Honigkuckucke, und seine Angaben sind von allen nach ihm folgenden Naturforschern lediglich bestätigt worden. Levaillant meint zwar, daß Sparrmann wahrscheinlich nie einen Honiganzeiger gesehen, sondern nur die Erzählungen der Hottentotten wiedergegeben habe; aber Levaillant hat Sparrmann nicht berichtigt und noch dazu eine falsche Beschreibung des Fortpflanzungsgeschäftes geliefert: seine Ansicht kann also kaum in Frage kommen. „Der Bienenverräterkuckuck“, sagt Sparrmann, „verdient, daß ich hier seine sonderbare Geschichte ausführlicher bekannt mache. Der Größe und Farbe wegen ist er zwar eben nicht merkwürdig; denn bei flüchtigem Anblicke gleicht er bloß dem gemeinen grauen Sperlinge, obschon er etwas größer und falber ist und einen kleinen gelben Flecken auf jeder Schulter hat, auch seine Steißfedern mit Weiß gemischt sind. Eigentlich ist es wohl weiter nichts als Eigennutz, um dessenwillen er dem Menschen und dem Ratel die Bienennester

entdeckt; denn Honig und Bienenmaden sind sein liebster Fraß, und er weiß, daß beim Plündern der Bienennester allezeit etwas verloren geht, das auf seinen Anteil fällt, oder daß man mit Fleiß etwas als eine Belohnung seines geleisteten Dienstes übrigläßt.“ Hier wendet Levaillant mit Recht ein, daß diejenigen Honigkuckucke, welche in den von Menschen nicht bewohnten Wildnissen hausen, unmöglich auf eine derartige Belohnung ihrer Dienste rechnen können und doch auch leben, daß also der Vogel dem Menschen nicht absichtlich dient, sondern dieser sich die Eigenheit des Honigangebers einfach zu nutze macht. „Bei alledem“, fährt Sparrmann fort, „setzt die Art, wie dieser Vogel seine Verräterei bewerkstelligt, viel Uberlegung voraus und ist bewunderungswürdig. Der Morgen und Abend scheinen vornehmlich die ihm passende Zeit zu sein; wenigstens zeigt er dann den meisten Eifer, mit seinem schnarrenden „Cherrscherr‘ die Aufmerksamkeit des Ratels oder der Hottentotten zu erregen. Man nähert sich sodann dem Vogel, der unter fortgesetztem Rufen dem Striche des nächsten Bienenschwarmes allmählich nachfliegt. Man folgt und nimmt sich in acht, durch Geräusch oder zahlreiche Gesellschaft seinen Wegweiser scheu zu machen, sondern antwortet ihm lieber, wie es einer meiner schlauen Buschmänner that, dann und wann mit leisem und ganz gelindem Pfeifen, zum Zeichen, daß man mitgehe. Ich habe bemerkt, daß, wenn das Bienennest noch weit weg war, der Vogel jedesmal nur nach einem langen Fluge Halt machte, um mittlerweile den Bienenjäger zu erwarten und von neuem aufzufordern, in eben dem Verhältnisse aber, als er dem Neste näher kam, zwischendurch immer eine kürzere Strecke flog und sein Geschrei eifriger und öfter erneuerte. Wenn er endlich beim Neste angekommen ist, es mag nun in der Kluft eines Berges oder in einem hohlen Baume oder in einem unterirdischen Gange gebaut sein, so schwebt er einige Augenblicke darüber, setzt sich hierauf, und zwar gewöhnlich in einem benachbarten Busche, so daß er nicht gesehen werden kann, ganz still nieder und sieht zu, was geschieht und was von der Beute für ihn abfällt. Es ist glaublich, daß er auf diese Weise jedesmal längere oder kürzere Zeit über dem Neste herumflattert, ehe er sich versteckt, ob man gleich nicht immer so genau acht darauf gibt. Dem sei, wie ihm wolle, so kann man alle Zeit versichert sein, daß ein Bienennest sehr nahe ist, wenn der Vogel ganz still schweigt. An einem Orte, wo wir einige Tage verweilten, wurden meine Hottentotten von einem etwas scheuen Bienenkuckuck mehrmals nach einer Gegend hingelockt, ehe sie aufmerksam wurden und, durch ihn geführt, das Nest aufspürten. Wenn man nun nach der Anweisung des Vogels das Bienennest gefunden und ausgeplündert hat, pflegt man ihm aus Erkenntlichkeit einen ansehnlichen Teil der schlechteren Scheiben, worin die junge Brut sitzt, zu überlassen, wie wohl gerade diese Scheiben die leckersten für ihn sein mögen, sowie auch die Hottentotten sie keineswegs für die schlechtesten halten. Meine Begleiter sowohl als auch die Ansiedler sagten mir, wenn man absichtlich auf den Bienenfang ausgehe, müsse man das erste Mal nicht zu freigebig gegen diesen diensteifrigen Vogel sein, sondern nur so viel übriglassen, wie erforderlich sei, um seinen Appetit zu reizen; denn hierdurch werde er in Erwartung einer reichlicheren Vergeltung noch einen Schwarm verraten, wenn dergleichen etwa in der Nachbarschaft noch vorhanden sein sollten.“ Gordon Cumming erzählt, daß man, um das Bienennest auszunehmen, eine Masse trockenes Gras am Eingange des Baues anzünde, den Honig heraushole und dem Vogel gäbe, was ihm gebührt, worauf dieser einen, falls man sein Gezwitscher mit Pfeifen erwidere, oft noch zu einem zweiten und dritten Neste führe. Gurney versichert, in dem Magen eines von ihm erlegten Stückes Raupen gefunden, aber gesehen zu haben, wie der Vogel gelegentlich sich auf die Bienenstöcke setzt und den aus- oder zufliegenden Bienen auflauert. Er bestätigt, daß die Kaffern ihn stets für seine Dienste belohnen, und daß er sofort nach dem Abzuge herbeikommt, um die ihm zurückgelassenen Waben in Besitz zu nehmen. Am ausführlichsten schildert Sir John Kirk das Betragen eines Honiganzeigers beim Anblicke eines Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IV. 42

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