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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

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findet man in einem hohlen Baume oder Aste. Um die Raubvögel, besonders um die Eulen versammeln sie sich, um sie zu necken.“ „Diese Art“, vervollständigt Schomburgk, „ist ziemlich häufig in Britisch-Guayana. Man begegnet dem Arassari in den Wäldern teils paarweise, teils gesellschaftlich auf Bäumen mit reifen Früchten, die auch der Grund solcher Versammlungen zu sein scheinen, da

Arassari (Pteroglossus atricollis). ½ natürl. Größe.

sie sich augenblicklich wieder paarweise absondern, sowie sie auffliegen. Sie leben nur von Früchten.“ Burmeister behauptet das Gegenteil: „Sie fressen nicht bloß Früchte, sondern auch Kerbtiere; selbst große Käfer pflegen sie zu verschlucken.“ Letztere Angabe ist auch mir die glaubwürdigere. Über das Betragen gibt letztgenannter Naturforscher in seiner Reisebeschreibung eine zwar kurze, aber anschauliche Schilderung. „Eine Familie dieses Vogels saß in der Krone eines der stärksten Bäume und las, mit vernehmlichem Tone ihr Behagen ausdrückend, die Früchte von den Zweigen, mit welchen sie behangen sein mußten. Ich glaubte Papageien zu sehen und wunderte mich schon, daß sie nicht laut schreiend aufflogen.

Das Benehmen der Tiere war ganz papageiartig, aber nicht so vorsichtig. Sie blieben ruhig bei der Arbeit, lockten von Zeit zu Zeit mit der Stimme und ließen sich ungestört beobachten. Die Papageiähnlichkeit ist nicht zu verkennen. Sie leben wie jene paarweise, gesellig in kleinen Schwärmen, fallen so auf die Bäume ein, lesen Früchte ab und fliegen paarweise auf, wenn man sie erschreckt.“ Bates versichert, daß er die Flüge einer anderen Art der Gattung niemals auf Fruchtbäumen versammelt, sondern beständig auf der Wanderschaft gesehen habe, auf den niederen Bäumen von Zweig zu Zweig hüpfend und sich im Gelaube versteckend. „Kein Arassari stößt, soviel ich weiß, ein kläffendes Geschrei aus, wie die großen Tukane thun; eine Art quakt wie ein Frosch.“ Derselbe Forscher erzählt, daß er eines Tages ein merkwürdiges Zusammentreffen mit unseren Vögeln gehabt habe. „Von dem höchsten Baume einer dunkeln Schlucht hatte ich einen Arassari herabgeschossen. Er war nur verwundet und schrie laut auf, als ich ihn auf—⸗ nehmen wollte. In demselben Augenblicke belebte sich die schattige Schlucht wie durch Zauberei mit Kameraden des verletzten, von denen ich vorher keinen einzigen gesehen hatte. Sie ließen sich, von Ast zu Ast hüpfend, zu mir hernieder, hingen sich an den Ranken der Schlingpflanzen an, und alle krächzten und schlugen mit den Flügeln wie Furien. Hätte ich einen langen Stock in der Hand gehabt, ich hätte mehrere von ihnen von den Zweigen herabschlagen können. Nachdem ich den verwundeten getötet, bereitete ich mich vor, die frechen Gesellen zu bestrafen; diese aber begaben sich, sobald das Geschrei ihres Gefährten verstummt war, sofort wieder in ihre sicheren Wipfel zurück und waren, noch ehe ich mein Gewehr wieder geladen hatte, sämtlich verschwunden.“ Layard fand ein Pärchen Arassaris in Gesellschaft verschiedener Spechte und wahrscheinlich auch in einem von deren Löchern brütend, war aber nicht im stande, den Baum zu besteigen und sich der Eier zu bemächtigen. Von dem Vorhandensein der Vögel gewann er erst Kunde, nachdem er einen Specht vom Baume herabgeschossen hatte. Unmittelbar nach dem Schusse streckte der Arassari vorsichtig seinen Kopf aus dem Loche hervor, um zu sehen, was es gebe, schaute sich um, entdeckte unseren Forscher und zog den Kopf schleunigst in die Höhle zurück. Dies wiederholte er nach jedem einzelnen Schusse, welcher fiel. Durch Schomburgk terfahren wir noch außerdem, daß auch der Arassari sehr häufig von den Indianern gefangen und gezähmt, in der Regel auch bald zutraulich wird; durch Pöppig, daß die Eingeborenen in dem geschabten Schnabel und der langen, gefransten Zunge der Vögel ein untrügliches Mittel gegen Herzdrücken und Krämpfe sehen. An die Pfefferfresser reihen sich naturgemäß die Bartvögel (Capitonidae) an. Sie kennzeichnen sich durch etwas schwerfälligen, gedrungen walzigen Leib, mittellangen, kräftigen, fast kegelförmigen, seitlich ausgeschweiften, an der Wurzel weiten, gegen die Spitze hin zusammengedrückten, an den Schneidenrändern entweder geraden oder von unten nach oben eingebuchteten, auch wohl gezahnten oder mit zahnartig endenden Furchen versehenen Schnabel, kurze, aber kräftige, paarzehige Füße, mit nach hinten gewendeter Daumen- und Außenzehe, mittellange oder kurze, gerundete Flügel und kleine Flügeldeckfedern, kurzen, meist gerade abgeschnittenen, zuweilen aber auch etwas zugerundeten und dann verhältnismäßig längeren, aus zehn Federn gebildeten Schwanz sowie endlich weiches, aber festsitzendes, in prächtigen Farben prangendes Gefieder, das sich in der Schnabelgegend zu zahlreichen Borsten umgestaltet hat. Die Familie, von welcher man etwa 80 Arten kennt, ist in dem heißen Gürtel beider Welten heimisch, wird jedoch in den verschiedenen Erdteilen durch besondere Gattungen

vertreten. Ihre größte Entwickelung erlangt sie in Afrika und in Asien; in Australien hingegen wird keines ihrer Mitglieder gefunden. Die meisten Bartvögel sind lebhafte, muntere, rührige Vögel, lieben die Geselligkeit und vereinigen sich deshalb oft zu kleinen Scharen, die längere Zeit gemeinschaftlich ihre Geschäfte betreiben. Ihre Nahrung erwerben sie sich, indem sie Baumwipfel und Gebüsche nach allen Richtungen hin durchstöbern und fleißig auflesen, was sie finden. Gelegentlich solcher Jagdunternehmungen durchstreifen sie ein engeres oder weiteres Gebiet im Laufe des Tages. Ihre Nahrung besteht aus Kerbtieren wie aus verschiedenen Beeren und Früchten. Die größeren Arten begnügen sich nicht mit kleinen Kerbtieren, sondern gehen unter Umständen auch kleine Wirbeltiere an, thun dies wenigstens zuweilen in Gefangenschaft. Ein Bartvogel, den Layard im Gesellschaftskäfige hielt, vernichtete nach und nach sämtliche kleine Finken, die denselben Raum mit ihm teilten. Anfänglich fielen ihm nur diejenigen zum Opfer, welche sich ihm in unvorsichtiger Weise näherten; zuletzt aber legte er sich förmlich auf die Lauer, indem er sich hinter einem dicken Busche oder dem Freßtroge versteckte, und packte, vorschnellend, die in den Bereich seines Schnabels gelangten unvorsichtigen kleinen Genossen, schlug sie gegen den Boden oder einen Zweig und schlang sie dann hinunter. Demungeachtet müssen wir annehmen, daß Früchte doch den Hauptteil ihrer Mahlzeiten bilden. Hierauf deutet namentlich das Aussehen der frei lebenden Vögel. Selten ist deren Gefieder in Ordnung, ein mehr oder minder ausgedehnter Teil, insbesondere die Schnabelgegend, vielmehr fast stets von dem klebrigen Safte der Früchte zusammengekleistert und infolgedessen unscheinbar geworden. Den Früchten zuliebe kommen die Bartvögel aus den Waldungen in die Gärten hinein und treiben sich oft tagelang nacheinander darin umher, von einer fruchtbehangenen Baumkrone zur andern fliegend. Auf dem Boden scheinen sie fremd zu sein, im Klettern hingegen zeigen sie sich nicht ungeschickt. Der Flug ist kurz, aber schnell; die Flügel werden schwirrend bewegt, um die verhältnismäßig schwere Last des Leibes zu tragen. Fast alle sind mit einer lauten, weit hörbaren Stimme begabt, und mehrere Arten führen regelmäßig Tonstücke aus, an welchen alle Mitglieder der Gesellschaft teilnehmen. Dem Menschen gegenüber bekunden die meisten geringe Scheu; es scheint, daß sie auf den Schutz vertrauen, den ihnen die dichten Baumkronen, ihre Lieblingsplätze, gewähren, und in der That hält es schwer, sie hier zu entdecken. Diejenigen aber, welche es lieben, sich frei zu zeigen und von hier aus ihr sonderbares Lied in die Welt zu schmettern, pflegen vorsichtig zu sein und das Gewisse für das Ungewisse zu nehmen. Das Nest hat man in hohlen Bäumen, aber auch in Erdhöhlen gefunden; die Eier, die man kennen lernte, waren weiß. Im übrigen mangelt über das Brutgeschäft jegliche Kunde.

Als Vertreter der asiatischen Arten habe ich den Goldbartvogel oder Gelbkehlbartvogel (Megalaema flavigula, Bucco flavigulus, haematocephalus, nanus, philippensis, parvus, indicus, Iuteus, rubrifrons, lathami und rafflesii, Xantholaema flavigula und indica, Capito indicus) erwählt, weil wir über seine Lebensweise einigermaßen unterrichtet sind. Die Gattung der Grünbärtlinge (Megalaema)y, die er vertritt, kennzeichnet sich durch kurzen, seitlich ausgebauchten Schnabel, ziemlich spitzige Flügel, in denen die dritte, vierte und fünfte Schwinge die längsten sind, und einen kurzen, fast gerade abgeschnittenen Schwanz. Das Gefieder des Goldbartvogels ist oberseits düster ölgrün, welche Färbung an den Außensäumen der schwarzen Schwingen ins düster Grünblaue übergeht; Vorder- und Oberkopf sind scharlachrot, Hinterkopf und Kopfseiten schwarz, ein schmaler über und ein breiter Streifen unter dem Auge, Kinn und Kehle schwefelgelb; ein letztere

unterseits einfassendes Querband hat tief scharlachrote, ein dieses unterseits wiederum begrenzendes Band orangegelbe Färbung; die übrige Unterseite ist gelblichweiß, durch breite, tief apfelgrüne Schaftlängsflecken gezeichnet. Nicht selten trifft man eine gelbe Ausartung, die früher als eigne Art angesehen wurde. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß korallenrot. Die Länge beträgt 17, die Breite 29, die Fittichlänge 8,5, die Schwanzlänge 4 em. Der Goldbartvogel verbreitet sich, laut Jerdon, über ganz Indien bis Cochinchina, Ceylon und die Malayischen Inseln, namentlich Sumatra, und die Philippinen, fehlt aber

Goldbartvogel (Megalaema flavigula). ½ natürl. Größe.

im Himalaja und im Pandschab. Er ist häufig überall, wo es Bäume gibt, bewohnt hochstämmige Wälder, Haine, Spaziergänge und Gärten, kommt auch ohne jegliche Scheu unmittelbar bis zu den Häusern heran, läßt sich sogar nicht selten auf diesen selbst nieder. Einige Berichterstatter glauben beobachtet zu haben, daß er wie ein Specht an den Bäumen umherklettere; Jerdon aber versichert, dies nie gesehen zu haben und bezweifelt, daß irgend ein Bartvogel sich überhaupt in dieser Weise bewege. Die Stimme ist laut, den Silben „duk duk“ vergleichbar. Der Goldbartvogel läßt diese Laute gewöhnlich vernehmen, wenn er auf der Spitze eines Baumes sitzt, und pflegt bei jedem Laute mit dem Haupte zu nicken, erst nach der einen, dann nach der anderen Seite hin. Stimme und Bewegungen des Hauptes haben ihm den Namen „Kupferschmied“ verschafft, und dieser ist bei Europäern

Erste Ordnung: Baumvögel; dreißigste Familie: Bartvögel. wie bei Indern gäng und gäbe. Sundevall bemerkt, daß ein und derselbe Goldbartvogel immer gleichlautend singt, selten aber zwei gefunden werden, die ihr Lied genau in gleicher Weise vortragen, daß deshalb, wenn zwei oder mehrere dieser Vögel nahe bei einander sitzen und gleichzeitig schreien, ein nicht unangenehmes Tonstück entsteht. Früchte verschiedener Art, zeitweilig vielleicht auch Kerbtiere bilden die Nahrung des Vogels; doch ließ ein gefangener, den Blyth beobachtete, tierische Nahrung liegen, wenn ihm Früchte gereicht wurden. Ein Goldbartvogel, den ich pflegte, verfuhr gerade umgekehrt und zog Mehlwürmer allen übrigen Leckerbissen vor, ohne jedoch Früchte zu verschmähen. Mein gefangener lebte mit allen seinen Käfiggenossen in bestem Einverständnis oder, richtiger, bekümmerte sich nicht im geringsten um sie, hielt sich stets von ihnen gesondert auf einem vom ersten Tage an gewählten Platze auf, saß hier oft stundenlang regungslos still oder ließ dann und wann seine laute, schallende Stimme vernehmen. Zum Boden herab kam er nur dann, wenn der Hunger ihn nötigte, setzte sich aber auch hier, falls er es konnte, auf einen Zweig oder den Rand des Freßgeschirres und betrat nur ausnahmsweise den Boden selbst, hüpfte jedoch weniger schwerfällig auf ihm umher, als man von vornherein hätte annehmen mögen. Über die Fortpflanzung des Goldbartvogels vermag ich wenig zu sagen. Das Nest wird in Baumlöchern angelegt und dieselbe Höhle wahrscheinlich jahrelang nacheinander benutzt. Das Gelege besteht aus zwei und vielleicht mehr weißen Eiern.

Unter den afrikanischen Bartvögeln hat mich der Perlvogel (Trachyphonus margaritatus, Bucco, Micropogon und Capito margaritatus, Tamatia und Lypornix erythropygia, Polysticte margaritata) am meisten angezogen. Er vertritt die Gattung der Schmuckbartvögel, deren Kennzeichen in dem schlanken, mittellangen, auf dem Firste leicht gewölbten, an der Spitze zusammengedrückten, nicht aber ausgeschweiften Schnabel, den verhältnismäßig hohen Füßen, deren Läufe länger als die Mittelzehe sind, den ziemlich langen Flügeln, in denen die vierte Schwinge die längste ist, und in dem ziemlich langen, abgerundeten Schwanze zu suchen sind. Das Gefieder der Oberseite ist umberbraun, weiß geperlt und gebändert, das des Hinterkopfes, Hinterhalses, der Halsseiten und Unterteile glänzend schwefelgelb, in der Brustgegend rötlich überflogen; Stirn und Scheitel, beim Männchen auch ein Kehlflecken sowie ein aus Punkten gebildetes Brustband sind schwarz, Steiß und Bürzel dunkel scharlachrot. Das Auge ist dunkelrot, der Schnabel hellrot, der Fuß bleigrau. Die Länge beträgt 19, die Fittichlänge 9 cm. Südlich des 17. Grades nördlicher Breite ist der Perlvogel in allen von mir durchreisten Gegenden Nordafrikas keine Seltenheit, in den Waldungen und Gärten Sennars und Kordofans, hier und da wenigstens, sogar eine regelmäßige Erscheinung. Zu erwähnen ist hierbei freilich, daß er sein möglichstes thut, sich bemerkbar zu machen. Er spricht von sich selbst; denn er ist es, der die Gärten in den Dörfern der Niederungen der Steppe und den Wald zu beleben weiß. Gewöhnlich trifft man ihn paarweise, nach der Brutzeit aber auch in kleinen Gesellschaften. Niemals versteckt er sich so wie andere Bartvögel Afrikas, sondern zeigt sich, namentlich zu gewissen Zeiten, sehr gern frei. Zumal in den Morgenund Abendstunden schwingt er sich auf die höchste Spitze gewisser Bäume und schreit von hier aus munter und fröhlich in die Welt hinaus. Sofort nach dem Eintreffen auf einem Baume beginnen beide Gatten vereint einen höchst eigentümlichen Gesang, der nach meinem Urteile durch die Silben „gukguk girre girre gukguk“, nach Hartmanns Ansicht durch „tiur tiur“, nach des Marquis Antinori Angabe „tschioi tschio i“, nach der Auffassung

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