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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

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abermals eine steile Anhöhe erstiegen hatten“, sagt Richard Schomburgk, „welche durch die riesigen, mit Moos und Farnkräutern überwachsenen Granitblöcke fast unwegsam gemacht wurde, trafen wir auf einen kleinen, fast ganz ebenen, von Gras und Gebüsch leeren Platz. Ein Zeichen der Indianer hieß mich schweigen und mich in das angrenzende Gebüsch verstecken, wie auch sie sich vollpjFommen geräuschlos dort verbargen. Kaum hatten wir einige Minuten hier ruhig gelegen, als ich aus ziemlicher Entfernung her eine Stimme vernahm, welche dem Geschreie einer jungen Katze ähnelte, was mich auch zu der Annahme verleitete, daß es hier auf den Fang eines Vierfüßlers abgesehen sei. Eben war der Ton verklungen, als ich ihn unmittelbar neben mir von einem meiner Indianer täuschend wiederholen hörte. Der aus der Ferne antwortende kam immer näher, bis endlich der Ruf von allen Seiten her erwidert wurde. Obgleich mir die Indianer bemerklich gemacht, daß ich im Anschlage liegen bleiben möchte, überraschte mich der erste Klippenvogel doch so unerwartet, daß ich wirklich zu schießen vergaß. Mit der Schnelligkeit unserer Waldschnepfe kamen die reizenden Vögel durch das Gebüsch herbeigeflogen, setzten sich einen Augenblick nieder, um sich nach dem lockenden Genossen umzusehen, und verschwanden ebenso schnell wieder, nachdem sie ihren Irrtum erkannt hatten. Wir waren so glücklich gewesen, sieben Stück zu erlegen. Aber hatte ich auch die Vögel in meinen Besitz bekommen, noch war ich nicht Augenzeuge ihrer Tänze gewesen, von denen mir sowohl der Bruder als auch die mich begleitenden Indianer schon so viel erzählt hatten. „Nach mehreren mühevollen, aber reich lohnenden Tagereisen erreichten wir endlich eine Gegend, in welcher uns dieses Schauspiel werden sollte. Während einer Pause zum Atemschöpfen hörten wir seitwärts von uns Töne mehrerer lockender Klippenvögel, denen augenblicklich zwei der Indianer mit den Gewehren zuschlichen. Bald darauf kehrte einer von ihnen zurück und gab mir durch Zeichen zu verstehen, daß ich ihm folgen möchte. Nachdem wir etwa einige tausend Schritte mit der größten Vorsicht und von meiner Seite zugleich unter der gespanntesten Neugier durch das Gebüsch gekrochen, sah ich den anderen platt auf dem Boden liegen und zugleich das glänzend orangene Gefieder des Klippenvogels durch das Gebüsch leuchten. Vorsichtig legte ich mich neben dem Indianer nieder und wurde nun Zeuge eines der anziehendsten Schauspiele. Eine ganze Gesellschaft jener herrlichen Vögel hielt eben auf der glatten und platten Oberfläche eines gewaltigen Felsblockes ihren Tanz. Auf dem den Block umgebenden Gebüsche saßen einige zwanzig offenbar bewundernde Zuschauer, Männchen und Weibchen, während die ebene Platte des Blockes von einem der Männchen unter den sonderbarsten Schritten und Bewegungen nach allen Seiten hin überschritten wurde. Bald breitete der neckische Vogel seine Flügel halb aus, warf dabei den Kopf nach allen Seiten hin, kratzte mit den Füßen den harten Stein, hüpfte mit größerer oder minderer Geschwindigkeit immer von einem Punkte aus in die Höhe, um bald darauf mit seinem Schwanze ein Rad zu schlagen und in gefallsüchtiger Haltung wieder auf der Platte herumzuschreiten, bis er endlich ermüdet zu sein schien, einen von der gewöhnlichen Stimme abweichenden Ton ausstieß, auf den nächsten Zweig flog und ein anderes Männchen seine Stelle einnahm, welches ebenfalls seine Tanzfertigkeit und Anmut zeigte, um ermüdet nach einiger Zeit einem neuen Tänzer Platz zu machen.“ Robert Schomburgk erwähnt noch außerdem, daß die Weibchen, die beliebig verteilt zwischen den ausruhenden Männchen sitzen, diesem Schauspiele unverdrossen zusehen und bei der Rückkehr des ermatteten Männchens ein Beifall bezeichnendes Geschrei ausstoßen. „Hingerissen von dem eigentümlichen Zauber“, fährt Richard Schomburgk fort, „hatte ich die störenden Absichten der neben mir liegenden Indianer nicht bemerkt, bis mich plötzlich zwei Schüsse aufschreckten. In verwirrter Flucht zerstob die harmlose Gesellschaft nach allen Seiten hin und ließ vier getötete Genossen auf dem Platze ihres Vergnügens zurück.“ z

Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Tanz nur mit der Balze unseres Hahnes verglichen werden kann und zu Ehren des Weibchens ausgeführt wird. Doch scheint das Brutgeschäft nicht an einen bestimmten Jahresabschnitt gebunden zu sein, da Schomburgk sowohl im April und Mai als auch im Dezember die jungen Vögel sah, welche die Indianer eben erst aus den Nestern genommen haben konnten; weil aber das Gefieder im Monat März am schönsten und vollkommensten ist, dürfte wenigstens die Mehrzahl in den erstgenannten Monaten brüten. Das Nest steht an Felsenwänden, nach A. von Humboldt gewöhnlich in den Höhlungen kleiner Granitfelsen, wie sie so häufig sich durch den Orinoko ziehen und so zahlreiche Wasserfälle bilden, nach Schomburgk ein Spalten und Vertiefungen, wo es wie das Nest der Schwalbe befestigt und zwar mit Harz angeklebt wird. Es scheint, daß ein Nest mehrere Jahre nacheinander benutzt und nach jeder Brutzeit nur durch einige Wurzeln, Fasern und Flaumenfedern ausgebessert und außen mit jener harzigen Masse überzogen wird. In einzelnen Spalten findet man mehrere Nester nebeneinander: ein Zeichen der großen Verträglichkeit dieser Vögel. Das Gelege besteht aus zwei weißen, mit schwärzlichen Punkten gesprenkelten Eiern, die etwas größer sind als die unserer Tauben. Die Jungen werden wahrscheinlich nur mit Früchten groß gezogen, die wohl auch das ausschließliche Futter der Alten bilden. Gefangene Klippenvögel scheinen zu den Lieblingen der Indianer zu gehören. In Pararuma wurden solche Humboldt angeboten. Sie staken in kleinen, niedlichen Bauern, die aus Palmblattstielen verfertigt waren. Schomburgk fand häufig die gezähmten Jungen, nie aber ein Männchen im Hochzeitskleide und glaubt daraus schließen zu dürfen, daß die Klippenvögel längere Gefangenschaft nicht ertragen. Daß diese Annahme falsch ist, beweisen alte Vögel, die man dann und wann in unseren Tiergärten sieht. Die prachtvollen Bälge sind überall geschätzt; die Indianer bereiten sich aus ihnen einen phantastischen Federschmuck, und der Kaiser von Brasilien trug bei besonderen Festlichkeiten einen Mantel, der aus den Bälgen des Klippenvogels verfertigt ist. Nach Schomburgks Versicherungen sollten die Indianer gewisser Gegenden verpflichtet sein, alljährlich eine gewisse Anzahl dieser Bälge als Zwangssteuer einzuliefern und dadurch wesentlich zur Verminderung des schönen Vogels beitragen. Das orangerot gefärbte Fleisch ist wohlschmeckend. Etwa 20 Arten bilden die Gattung der Kotingas (Ampelis), kleine oder mittelgroße Vögel mit ziemlich kurzem, breitem, auf dem Firste sanft gerundetem, vor der kaum vortretenden Spitze des Oberkiefers mit einem kleinen Zähnchen ausgerüstetem, bis zu den freien, offenen Nasenlöchern dicht befiedertem Schnabel, starken, kurzläufigen Füßen, zugespitzten Flügeln, unter deren Schwingen die zweite die längste zu sein pflegt, mäßig langem, gerade abgeschnittenem Schwanze und nach dem Geschlechte verschiedenem Kleingefieder, das bei den Männchen derb, kleinfederig und farbenprächtig, bei den Weibchen weich, großfederig und düster gefärbt ist.

Eine der schönsten Arten dieser Gattung ist die Halsbandkotinga, in Brasilien Crejoa und Cirua genannt (Ampelis cinctus, cotinga, superbus und coeruleus, Cotinga cincta und coerulea). Die vorherrschende Färbung des Gefieders ist ein prachtvolles, tiefes Ultramarinblau, das durch den teilweise sichtbaren Wurzelteil der Federn hier und da schwarze Fleckung zeigt; die Unterseite ist bis auf ein tiefblaues Kropfquerband tief purpurveilchenblau; die Schwingen und Schwanzfedern sind schwarz, außen schmal meerblau gesäumt. Das Auge ist braun, der Schnabel dunkel-, der Fuß tiefbraun. Bei dem vorherrschend braunen Weibchen sind die Brustfedern weißlich, die Bauchfedern gelb gesäumt.

Die Jungen ähneln dem Weibchen; die jungen Männchen erhalten jedoch sehr bald einen blauen Anflug und später blaue Säume an den Federn. Die Länge beträgt 21, die Fittichlänge 15, die Schwanzlänge 7,5 em. Die Halsbandkotinga bewohnt das Küstengebiet Ostbrasiliens und führt im Wesentlichen die Lebensweise ihrer Verwandten. Das schöne Geschlecht dieser Vögel schildert der Prinz von Wied als eine der größten Zierden der südamerikanischen Urwälder. Der Glanz und die prachtvollen Farben der ausgefiederten Männchen treiben selbst die rohen Urvölker jener Waldungen an, die Federn zu Putz und Zierat zu verarbeiten. Alle Kotingas zeigen ein

Halsbandkotinga (Ampelis einetus) 23 natürl. Größe.

ernsttrauriges, stilles Wesen, sitzen lange unbeweglich, haben eine durchaus unmelodische Stimme und nähren sich nicht von Kerbtieren, sondern bloß von Beeren und anderen Baumfrüchten der Wälder. In der kalten Jahreszeit, wenn die Bäume am meisten mit Früchten beladen sind, ziehen sie, in kleine Flüge vereinigt, umher, nähern sich den Seeküsten und offeneren Gegenden und werden alsdann sowohl ihrer Federn als auch ihres fetten Fleisches wegen in Menge geschossen. Die Halsbandkotinga lebt im Inneren der großen, dem Gleicher nahe gelegenen Urwälder jahraus jahrein, ist aber ebenfalls ein wahrer Strichvogel. In ihrem Wesen scheint sie viel Ahnlichkeit mit unserem Seidenschwanze zu haben; sie ist dummträge und ebenso leicht zu schießen wie dieser. Ihre Stimme ist ein kurzer, einfacher Lockton, vielleicht auch noch ein lauter Schrei. Die Beeren und Früchte, von denen sie sich ernährt, färben auch Eingeweide und Fett. Man erlegt sie in Menge, um sie zu essen und ihre Federn zu mancherlei Kunstarbeiten zu verwenden. Liu-

Südlich von Bahia besuchte der Prinz von Wied mehrere Geistliche, die 30, 40 und mehr Bälge dieser Kotinga gesammelt hatten, um sie an einzelne Nonnenklöster in Bahia zu fernerer Verarbeitung zu senden. Als erwähnenswert hebt unser Gewährsmann noch hervor, daß die prachtvolle Färbung in Orangegelb sich umwandelt, wenn man einen Balg über Kohlenfeuer erhitzt. Über die Fortpflanzung kenne ich keinen Bericht. Gefangene Kotingas zählen noch immer zu den sehr seltenen Erscheinungen in unseren Käfigen, obwohl sie sich ebenso leicht halten lassen wie unser Seidenschwanz. Die Unfertigkeit des Systems oder, mit anderen Worten, die Schwierigkeit, gewisse Vögel unter den übrigen passend einzuordnen, beweist unter anderen die Familie der Rachenvögel (Eurylaemidae). Horsfield, der eine Art entdeckte, vereinigt sie mit den Plattschnäblern Amerikas; Swainson zählt sie zu den Fliegenfängern, Selater auf alle Fälle zu den Sperlingsvögeln; Blyth, Wallace und Sundevall bringen sie unter die Schmuckvögel; van Hoeven weist ihnen in der Nähe der Ziegenmelker ihre Stellung an; Gray, Prinz Lucien Bonaparte und Reichenbach sehen in ihnen nahe Verwandte der Raken, und Cabanis, ihnen folgend, betrachtet sie als Verbindungsglieder zwischen den Raken und den Schwalmen. Fürbringer endlich betrachtet sie als die tiefststehenden Sperlingsvögel. Welcher von den genannten Forschern der Wahrheit am nächsten gekommen, ist fraglich. Streng genommen sind die Rachenvögel so eigentümlich gestaltet, daß sie kaum mit anderen verglichen werden können; die Auffassung Fürbringers verdient also die größte Beachtung. Die bis jetzt bekannten Arten sind gedrungen gebaute Vögel mit kurzen, breiten Schnäbeln, ziemlich kräftigen Füßen, mittellangen Flügeln und kurzen oder ziemlich langen Schwänzen. Der Schnabel ist kürzer als der Kopf, stark und niedrig, an der Wurzel sehr breit, nahe der Spitze rasch verschmälert, mit deutlichem Kiel auf dem Oberschnabel und hakig gekrümmter Spitze; die Schnabelränder sind nach innen umgeschlagen; die Spalte reicht bis unter das Auge, und die Mundöffnung ist deshalb fast ebenso groß wie bei den Schwalmen. An den mittellangen und ziemlich kräftigen Füßen ist der Lauf wenig länger als die Mittelzehe, die äußere mit dieser bis zum zweiten Gelenke, die innere mit der Mittelzehe bis zum ersten Gelenke verwachsen. Der Flügel ist kurz und gerundet, in ihm die dritte oder vierte Schwinge die längste. Der Schwanz ist entweder gerundet oder abgestuft, bei einigen Arten auch seicht ausgeschnitten. Das Gefieder zeigt lebhafte Farben, deren Verteilung wie auch die Zeichnung bei beiden Geschlechtern ziemlich gleich zu sein scheint. Indien und die Malayischen Inseln sind die Heimat der Rachenvögel. Die wenigen Arten, die man bis jetzt kennen gelernt hat, bewohnen düstere Waldungen und, wie es scheint, mit Vorliebe solche, welche fernab von dem menschlichen Verkehre liegen. Über die Lebensweise wissen wir noch sehr wenig.

Der Hornrachen (Eurylaemus javanicus und horsfieldii) hat der Hauptsache nach ein gräulich weinrotes, auf dem Rücken in Schwarz übergehendes und hier mit Gelb verbrämtes Gefieder. Oberkopf und Kehlgegend sind infolge der aschgrauen Federspitzen rötlichgrau, Hinterhals und Nacken ziehen mehr ins Rote, Vorderhals, Brust und übrige Unterteile ins Weinrote; ein schmales Brustband ist schwarz mit deutlichem Schimmer ins Rötliche. Mantel, Schultern und Bürzelmitte sind schwarz, die Außenfahnen der Schulterdecken und Innenfahnen der mittleren Rückenfedern bis gegen die Wurzel hin, die mittleren

Bürzelfedern an der Spitze, Bug und Handflügelrand, hintere und Unterflügeldecken sowie endlich ein schmaler, halbmondförmiger Flecken am Rande der Außenfahne der Armschwingen lebhaft schwefelgelb, die Schwingen im übrigen schwarzbraungrau, die Steuerfedern schwarz bis auf einen schmalen weißen Querflecken an der Innenfahne nahe der Spitze, der, von unten gesehen, eine Binde darstellt, die beiden mittleren Steuerfedern ohne jenen Flecken, der wiederum auf der äußersten Feder über beide Fahnen reicht. Der Schnabel ist schwarz und glänzend, der First und die Ränder aber sind gräulichweiß, der Fuß ist gelbbraun. Männchen und Weibchen scheinen sich nicht zu unterscheiden. Die jungen Vögel dagegen sind

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