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Brehms Tierleben, Band 2: Die Säugetiere II

PDF document770 original pagesPublished 1890
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Es gibt wenig andere Tiere, welche jo ungesellig find und sich gegen ihresgleichen jo ab: scheulich benehmen wie eben die Spitzmäuse; bloß der Maulwurf dürfte ihnen hierin noch

Hausſpitzmaus (Croeidura aranea) und Waldſpitzmaus (Sorex vulgaris). Natürliche Größe.

. 392 Sechste Ordnung: Kerfjäger; sechste Familie: Spitzmäuse.

gleichkommen. Nicht einmal die verschiedenen Geschlechter leben, die Paarzeit ausgenommen, im Frieden miteinander. Sonst frißt eine Spitzmaus die andere auf, sobald fie ihrer habhaft werden kann. Oft sieht man zwei von ihnen in einen so wütenden Kampf verwickelt, daß man sie mit den Händen greifen kann; sie bilden einen förmlichen Knäuel und rollen nun über den Boden dahin, fest ineinander verbissen und mit einer Wut aneinander hängend, welche des grimmigsten Bulldoggen würdig wäre. Ein wahres Glück ist es, daß die Spitzmäuse nicht Löwengröße haben: sie würden die ganze Erde entvölkern und schließlich verhungern müssen. Nur höchst selten trifft man größere Gesellschaften von Spitzmäusen an, zwischen denen Friede herrscht oder zu herrschen scheint. Cartrey hörte einmal in trockenem Laube ein ununterbrochenes Rascheln und Lärmen und entdeckte eine zahlreiche Menge unserer Tiere, seiner Schätzung nach etwa hundert Stück, welche untereinander zu spielen schienen und unter beständigem Zirpen und Quieken hin- und herrannten, warum, war nicht zu ergründen; vielleicht handelte es sich um eine großartige Freierei. Die trächtige Spitzmaus baut sich ein Nest aus Moos, Gras, Laub und Pflanzenstengeln, am liebsten im Mauerwerk oder unter hohlen Baumwurzeln, versieht es mit mehreren Seitengängen, füttert es weich aus und wirft hier zwischen Mai und Juli 5— 10 Junge, welche nackt und mit geschlossenen Augen und Ohren geboren werden. Anfänglich säugt die Alte die Sprößlinge mit vieler Zärtlichkeit, bald aber erkaltet ihre Liebe, ond die Jungen machen sich nun auf, um sich selbständig ihre Nahrung zu erwerben. Dabei schwinden, wie bemerkt, alle geschwisterlichen Rücksichten; denn jede Spitzmaus versteht schon in der Jugend unter Nahrung nichts anderes als alles Fleisch, welches sie erbeuten kann, seien es auch die Leichname ihrer eigenen Geschwister. Auffallend ist, daß die Spitzmäuse nur von wenigen Tieren gefressen werden. Die Katzen töten sie, wahrscheinlich, weil sie anfangs sie für eine gewöhnliche Maus halten, beißen fie aber nur tot, ohne fie jemals zu fressen. Auch die Marderarten scheinen fie zu verschmähen. Bloß einige Raubvögel sowie der Storch und die Kreuzotter verschlingen sie ohne Umstände und mit Behagen. Jedenfalls hat die Abneigung der fein witternden Säugetiere ihren Grund in dem Widerwillen, welchen ihnen die Ausdünstung der Spitzmäuse einflößt. Dieser starke, moschusartige Geruch wird durch zwei Absonderungsdrüsen hervorgebracht, welche fi) an den Seiten des Leibes und zwar näher an den Vorder- als an den Hinterbeinen finden, und teilt sich allen Gegenständen mit, welche die Spitzmaus berührt.

Es ist möglich, daß der Aberglaube, unter welchem die Spitzmäuse in manchen Gegenden Europas zu leiden haben, in diesem Geruche mit begründet ist. Hier und da, z. B. in England, wird das harmlose Thier fast noch mehr gefürchtet als eine Giftschlange. ever: mann sieht ein, daß eine Spitzmaus dem Menschen mit ihren feinen, dünnen Zähnen nicht das Geringste zuleide thun kann, und dennoch schreibt man ihrem Bisse die giftigsten Wirkungen zu. Ja, das bloße Berühren von einer Spitzmaus wurde als ein sicherer Vorbote irgend welchen Übels gedeutet, und Tier oder Mensch, welche „spitzmausgeschlagen“ waren, mußten notwendigerweise demnächst erkranken, falls fie nicht ein eigentümliches Mittel schleunigst anwandten. Dieses Heilmittel, welches allein gegen die Spitzmauskrankheit helfen konnte, bestand in den Zweigen einer „Spitzmausesche“, welche durch ein sehr einfaches Verfahren zu dem heilkräftigen Baume gestempelt worden war. Eine lebendige Spitzmaus wurde gefangen und mit Siegesjubel zu der Esche gebracht, welcher die Ehre zu teil wer: den sollte, das Menschengeschlecht vor dem kleinen Raubtiere zu schützen. Man bohrte ein großes Loch in den Stamm der Esche, ließ die Spitzmaus hineinkriechen und verschloß das Loch durch einen festen Pfropfen; von diesem Augenblicke an erhielt die Esche ihre Heilkraft.

Wie verbreitet und allgemein geglaubt dieser Unsinn in der Vorzeit war, geht aus der „Geschichte der vierfüßigen Tiere und der Schlangen“ von Topsel hervor, welche im Jahre

Waldspitzmaus. Hausspitzmaus. 393 |

Buche ungefähr folgendes: „Sie ist ein raubgieriges Vieh, heuchelt aber Liebenswürdigkeit und Zahmheit; doch beißt sie tief und vergiftet tödlich, sowie sie berührt wird. Grausamen Wesens, sucht sie jedem Dinge zu schaden, und es gibt kein Geschöpf, welches von ihr geliebt wird, noch eines, welches sie lieben sollte; denn alle Tiere fürchten sie. Die Katzen jagen und töten sie, aber sie fressen sie nicht; denn wenn sie letzteres thun wollten, würden sie vergehen und sterben. Wenn die Spitzmäuse in ein Fahrgeleise fallen, müssen sie ihr Leben lassen, weil sie nicht wieder weggehen können. Dies bezeugen Marcellus Nicander und Plinius, und die Ursache davon wird von Philes gegeben, welcher sagt, daß sie sich in einem Geleise so erschöpft und bedroht fühlen, als wären sie in Banden geschlagen. Ebendeshalb haben die Alten auch die Erde aus Fahrgeleisen als Gegenmittel für den Spitzmausbiß verschrieben. Man hat aber noch mehrere Mittel, wie bei anderen Krankheiten, um die Wirkung ihres Giftes zu heilen, und diese Mittel dienen zugleich auch noch, um allerlei Übel zu heben. Eine Spitzmaus, welche aus irgend einer Ursache in ein Geleise gefallen und dort gestorben ist, wird verbrannt, zerstampft und dann mit Staub und Gänsefett vermischt: solche Salbe heilt alle Entzündungen unfehlbar. Eine Spitzmaus, welche getötet und so aufgehängt worden ist, daß sie weder jetzt noch später den Grund berührt, hilft denen, deren Leib mit Geschwüren und Beulen bedeckt ist, wenn sie die wunde Stelle dreimal mit dem Leichname des Tieres berühren. Auch eine Spitzmaus, welche tot gefunden und in Leinen, Wollen- oder anderes Zeug eingewickelt worden ist, heilt Schwären und andere Entzündungen. Der Schwanz der Spitzmaus, welcher zu Pulver gebrannt und zur Salbe verwandt wurde, ist ein untrügliches Mittel gegen den Biß wütender oder toller Hunde ꝛc.“ Nach diesem einen Pröbchen brauche ich wohl von der sonstigen Verwendung des heilkräftigen Tierchens nichts weiter zu sagen. |

Bei den Feldspitzmäusen (Crocidura) besteht das Gebiß aus 28—30 weißen Zähnen, da im Oberkiefer, abweichend von dem Gebiß der Spitzmäuse, 3 oder 4 einspitzige Zähne vorhanden sind. Im übrigen stimmen beide Gruppen wesentlich miteinander überein.

Die Hausspitzmaus (Crocidura aranea, Sorex araneus, russulus, fimbriatus und pachyurus, Crocidura moschata, thoracica und musaranea), ein Tierchen von 11,5 cm Gejamt= oder 7 cm Leibes- und 4,5 em Schwanzlänge, bei uns zu Lande häufiger Vertreter der Gattung (vgl. die Abbildung auf S. 391), ist oberseits braungrau, in der Jugend schwärzlichgrau, unterseits ohne scharfe Abgrenzung der Färbung heller grau, an Lippen und Füßen bräunlichweiß, auf dem Schwanze oben hellbraungrau, unten graulichweiß behaart. Das Gebiß besteht aus 28 Zähnen. |

Von Nordafrika an verbreitet sich die Hausspitzmaus über Süd-, Welt: und Mittel: europa bis Nordrußland, kommt auch in Zentralasien und im nordöstlichen Sibirien vor, ist ferner, laut Blanford, in Ladak gefunden worden, scheint dagegen in England, Dänemark, Skandinavien und Hollandzu fehlen. Sie ist, laut Blasius, gewissermaßen an Feld und Garten gebunden, zieht beide wenigstens dem Walde und seinen Rändern, wo sie zuweilen gefunden wird, entschieden vor. Keine ihrer Verwandten gewöhnt sich so leicht an die Umgebung des Menschen, keine kommt so oft in die Gebäude, zumal in Scheuern und Ställe, herein wie sie. In Kellern und Speisekammern siedelt sie sich gern an, vorausgesetzt, daß dunkle Winkel, welche ihr Schlupforte gewähren, vorhanden sind. Im Freien jagt fie in den Früh⸗ und Abendstunden auf Kleingetier aller Art, vom kleinen Säugetiere an bis zum Wurme herab; in den Häusern benascht sie Fleisch, Speck und Ol. Ihre Sitten und Gewohnheiten ähneln denen der Waldspitzmaus fast in jeder Hinsicht. Im Freien wirft

fie im Sommer, in warmen Gebäuden auch in den Herbst- und Wintermonaten 5—10 nackte und blinde Junge auf ein verstecktes und ziemlich sorgsam mit weichen Stoffen ausgebettetes Lager; nach Verlauf von etwa 6 Wochen haben die Jungen bereits fast die Größe der Alten erreicht und sind selbständig geworden, gehen wenigstens schon ebensogut wie die Alte auf Raub aus. Ungeachtet ihrer Näschereien ist auch die Hausspitzmaus ein vorwiegend nützliches Tier, welches durch Wegfangen von allerlei Ungeziefer seine unbedeutenden Übergriffe reichlich sühnt, also unsere Schonung verdient.

Eine zweite 30zähnige Art der Gattung, die Wimperspitzmaus (Crocidura suaveolens, C. und Pachyura etrusca, Sorex suaveolens und etruscus), verdient aus dem Grunde erwähnt zu werden, weil sie neben einer Fledermaus das kleinste aller bis jetzt

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Wimperspitzmaus (Crocidura suaveolens). Natürliche Größe.

bekannten Säugetiere ist. Ihre Gesamtlänge beträgt nur 6,5 cm, wovon 2,5 cm auf den Schwanz kommen. Die Färbung des samtweichen Pelzes ist hellbräunlich oder rötlichgrau, der Schwanz oben bräunlich, unten lichter, der Rüssel und die Pfoten find fleifch: farben, die Füße haben weißliche Härchen; ältere Tiere sehen heller und rostfarbig, junge dunkler und mehr graufarbig aus. Beachtung verdient die verhältnismäßig sehr große Ohrmuschel. Die Wimperspitzmaus kommt fast in allen Ländern vor, welche rings um das Mittelländische und Schwarze Meer liegen. Sie ist im Norden Afrikas, im südlichen Frankreich, in Italien und der Krim gefunden worden. In ihrer Lebensweise ähnelt sie ihren Gattungsverwandten. Zum Aufenthaltsorte wählt sie sich am liebsten Gärten in der Nähe von Dörfern, aber sie kommt auch in Gebäuden und Wohnungen vor. Da sie viel zarter und empfindlicher gegen die Kälte ist als unsere nordischen Arten, sucht sie sich gegen den Winter dadurch zu schützen, daß sie sich besonders warme Aufenthaltsorte für die kalten Monate auswählt.

Wimperſpitzmaus (Crocidura suaveolens). Natürliche Größe.

Abgesehen von der Gestaltung des hinteren Hakens der oberen Vorderzähne und der dunkelbraunen Färbung der Zahnspitzen stimmt das Gebiß der Wasserspitzmäuse (Crossopus) mit dem der Wimperspitzmaus in der Anzahl und Anordnung der Zähne überein; jene unterscheiden sich jedoch wesentlich von den Feldspitzmäusen dadurch, daß ihre Füße und Zehen ringsum an den Seiten steife Borstenhaare tragen und der auf der Oberseite gleichmäßig kurz behaarte Schwanz längs der Mitte der Unterseite einen Kiel von eben solchen Borstenhaaren zeigt.

Die Wasserspitzmaus (Crossopus fodiens, Sorex fodiens, hydrophilus, carinatus, constrictus, fluviatilis, remifer, lineatus, ciliatus, bicolor, nigripes, amphibius, natans, stagnatilis, rivalis, Crossopus psilurus, Amphisorex pennantii und linneanus), wie aus dem Reichtum wissenschaftlicher Namen ersichtlich, ein bezüglich ihrer

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Waffe a (Crossopus fodiens). Natürliche Größe

Färbung vielfach abänderndes Tier, gehört zu den größeren Arten der bei uns vorkommenden Spitzmäuse. Ihre Gesamtlänge beträgt 1158s cm, wovon 5,3 cm auf den Schwanz kommen. Der feine, dichte und weiche Pelz ist gewöhnlich auf dem Oberkörper schwarz, im Winter glänzender als im Sommer, auf dem Unterkörper aber grauweiß oder weißlich, zuweilen rein, manchmal mit Grauschwarz teilweise gefleckt. Die Haare des Pelzes stehen so dicht, daß sie vollkommen aneinander schließen und keinen Wassertropfen bis auf die Haut eindringen lassen. Die Schwimmhaare, welche nach dem Alter der Jahreszeit länger oder kürzer sind, lassen sich so ausbreiten, daß sie wie die Zinken eines Kammes auf jeder Seite der Füße hervorstehen und auch wieder so knapp an die Seiten dieser Teile anlegen, daß man sie wenig bemerkt. Sie bilden, gehörig gebreitet, ein sehr vollkommenes Ruder und leisten vortreffliche Dienste. Nach Belieben können sie entfaltet und wieder zusammengelegt und beim Laufen so angedrückt werden, daß sie hinlänglich gegen die Abnutzung geschützt sind.

Wie es scheint, ist die Wasserspitzmaus über fast ganz Europa und einen Teil Asiens verbreitet und an geeigneten Orten überall häufig zu finden. Ihre Nordgrenze erreicht sie in England und in den Ostseeländern, ihre Südgrenze in Spanien und Italien. In den

Waffe

Gebirgen steigt sie zu bedeutenden Höhen empor, in den Alpen etwa bis zu 2000 m über dem Meere. Sie bewohnt vorzugsweise die Gewässer gebirgiger Gegenden und am liebsten solche, in denen es auch bei der größten Kälte noch offene Quellen gibt, weil diese ihr im Winter, um frei aus und ein zu gehen, ganz unentbehrlich sind. Bäche gebirgiger Waldgegenden, welche reines Wasser, sandigen oder kiesigen Grund haben, mit Bäumen besetzt sind und von Gärten oder Wiesen eingeschlossen werden, scheinen Lieblingsorte von ihr zu sein. Ebenso gern aber hält sie sich in Teichen mit hellem Wasser und einer Decke von Meerlinsen auf. Zuweilen findet man sie hier in erstaunlicher Menge. Oft wohnt sie mitten in den Dörfern, gern in der Nähe der Mühle; doch ist sie nicht an das Wasser gebunden, läuft vielmehr auch auf den an Bächen liegenden Wiesen umher, verkriecht sich unter Heuschobern, geht in Scheuern und Ställe, selbst in das Innere der Häuser, und kommt manchmal auf Felder, welche weit vom Wasser entfernt sind. In lockerem Boden nahe am Wasser gräbt sie sich selbst Röhren, benutzt aber doch noch lieber die Gänge der Mäuse und Maulwürfe, welche sie in der Nähe ihres Aufenthaltsortes vorfindet. Ein Haupterfordernis ihrer Wohnung ist, daß die Hauptröhre verschiedene Ausgänge hat, von denen der eine in das Wasser, die anderen über der Oberfläche desselben und noch andere nach dem Lande zu münden. Die Baue sind Schlaf- und Zufluchtsorte des Tierchens und gewähren ihm bei Verfolgung eine sichere Unterkunft. In dieser Wohnung bringt die Wasserspitzmaus an belebten Orten gewöhnlich den ganzen Tag zu; da aber, wo fie keine Nachstellung zu fürchten hat, ist sie, besonders im Frühjahre, zur Paarungszeit, auch bei Tage sehr munter. Selten schwimmt sie an dem Ufer entlang, lieber geht sie quer durch von dem einen Ufer zum anderen. Will sie sich längs des Baches fortbewegen, so läuft sie entweder unter dem Ufer weg oder auf dem Boden des Baches unter dem Wasser dahin. Sie ist ein äußerst munteres, kluges und gewandtes Tier, welches dem Beobachter in jeder Hinsicht Freude macht. Ihre Bewegungen sind schnell und sicher, behende und ausdauernd. Sie schwimmt und taucht vortrefflich und besitzt die Fähigkeit, bald mit vorstehendem Kopfe, bald mit sichtbarem ganzen Oberkörper auf dem Wasser zu ruhen, ohne sich dabei merklich zu bewegen. Wenn sie schwimmt, erscheint ihr Leib breit, platt gedrückt und gewöhnlich auch mit einer Schicht glänzend weißer, sehr kleiner Perlen überdeckt, den Bläschen nämlich, welche aus der von den dichten Haaren zurückgehaltenen Luft sich bilden. Gerade diese Luftschicht über dem Körper scheint ihr Fell immer trocken zu halten. Wenn man sich an einem Teiche versteckt und hier Wasserspitzmäuse beobachtet, welche nicht beunruhigt worden sind, kann man ihr Treiben sehr gut wahrnehmen. Schon früh vor oder gleich nach Sonnenaufgang sieht man sie zum Vorscheine kommen und im Teiche umherschwimmen. Oft halten sie inne und legen sich platt auf das Wasser oder schauen halben Leibes daraus hervor, so daß ihre weiße Kehle sichtbar wird. Beim Schwimmen rudern sie mit den Hinterfüßen so stark, daß man nach der Bewegung des Wassers ein weit größeres Tier vermuten möchte; beim Ausruhen sehen sie sich überall um und fallen, wenn sie eine Gefahr ahnen, pfeilschnell in das Wasser, so geschwind, daß der Jäger, welcher sie erlegen will, sehr nahe sein muß, wenn sie der Hagel seines Gewehres erlegen soll: denn sie stürzen sich wie Steißfüße oft in dem Augenblicke in die Tiefe, in welchem sie den Rauch aus dem Gewehre wahrnehmen, entkommen so auch wirklich dem ihnen zugedachten Tode. In früheren Zeiten, als man noch keine Gewehre mit Schnellzündung hatte, hielt es sehr schwer, Wasserspitzmäuse zu erlegen: sie waren verschwunden, sowie das Feuer auf der Pfanne aufblitzte. Selten bleibt die kleine Taucherin lange auf dem Grunde des Wassers, kommt vielmehr gewöhnlich bald wieder zur Oberfläche herauf. Hier ist ihr Wirkungskreis, hier sieht man sie an einsamen, stillen Orten den ganzen Tag über in Bewegung. Sie

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