Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I
Nur die Indianer benutzen das Fell und Fleisch des Tieres und stellen ihm deshalb mit Pfeil und Bogen nach. Die Weißen verfolgen ihn höchstens dann, wenn er sich gar zu unverschämt in der Nähe der Pflanzung zeigt, halten ihn aber gern in Gefangenschaft. Auf unseren Tiermarkt gelangt er regelmäßig, man darf wohl sagen mit jedem Schiffe, welches von einem tierfreundlichen Führer befehligt wird, und sein Preis ist dem entsprechend gering. Im Gesellschaftskäfig des Affenhauses erwirbt er sich zwar bald eine gewisse Stellung, zeigt aber doch recht deutlich, wie weit er hinter den gewandten und über: mütigen Meerkatzen zurücksteht. Erst wenn man ihn mit diesen vergleichen kann, merkt man, daß seine Munterkeit und Fröhlichkeit denn doch eine ganz andere ist als die der mutwilligen Altweltsaffen, welche ihre Tollheiten stets mit dem größten Ernste ausführen und bei jeder Gelegenheit eine geradezu unübertreffliche Dreistigkeit an den Tag legen. Dem
gegenüber zeigt sich der Kapuziner ängstlich, ja fast unbeholfen, und sein beständiges Wehklagen trägt nur dazu bei, diesen Eindruck zu verschärfen. So selbstherrlich er schwächeren Affen gegenüber verfährt, so kriechend und demütig zeigt er sich in Gesellschaft seiner altweltlichen Ordnungsgenossen, just wie so mancher Mensch, welcher ebenfalls nach unten hin herrschsüchtig auftritt, nach oben hin den Rücken gebührend zu krümmen weiß. Unter Meerkatzen ist er das allgemeine Opferlamm, der Prügelknabe, an welchem jene ihre Launen nach Herzenslust auslassen, in Gesellschaft von Hundsköpfen befindet er sich anscheinend weit besser, weil sein Gewinsel früher oder später die mitleidige Seele einer Pavianmutter rührt und sie veranlaßt, sich des anscheinend Hilflosen anzunehmen. Einen solchen Schutz erkennt der Kapuzineraffe stets sehr dankbar an und läßt sich, selbst wenn er längst über die Jahre der Kindheit hinaus ist, hätscheln und pflegen, als wäre er ein unmündiger Säugling.
Der Apella oder braune Rollaffe (Cebus apella, Simia apella, S. 228) lebt in Guayana. Da er in seiner Färbung vielfach abändert, läßt er sich nicht eben leicht beschreiben. Sein Körperbau ist ziemlich gedrungen; der verhältnismäßig reichliche Pelz besteht aus glänzenden Haaren, welche über der Stirn und zu beiden Seiten des Kopfes wulstig zu einem Schopfe sich erheben und im Gesichte zu einem Barte sich verlängern; ihre allgemeine braunschwarze Färbung geht auf Rücken, Schwanz und Schenkeln in Schwarz über; Gesicht und Kehle sind gewöhnlich lichter, und auf dem Scheitel verläuft regelmäßig ein dunkler Streifen. Oft sind auch die Seiten und die Beine lebhaft kastanienbraun gefärbt. In der Größe kommt dieser Affe dem Kapuziner ungefähr gleich.
Laut Kappler wird er verschiedentlich Kesi Kesi, Meku, Pfuiti benannt. Er kommt teils paarweise, teils in Banden von höchstens 30 (?) Individuen vor, bei welchen sich immer einige steinalte Männchen befinden, deren Stirnhaar emporsteht, so daß es manchmal aussieht, als hätte das Tier kleine Hörner. Sie sind sehr scheu und fliehen eiligst, wenn sie etwas Verdächtiges bemerken. Sie haben einen eigentümlich flötenartigen Ruf und Gewinsel, das die Indianer täuschend nachahmen, um sie dadurch herbeizulocken und zu erlegen. Sie leben von Früchten, Vogeleiern und vielleicht auch jungen Vögeln, „fressen aber weder Laub noch Insekten. Jung gefangen, werden sie bald zahm, sind äußerst possierlich und fassen zu dem, der sie gut behandelt, eine leidenschaftliche Zuneigung, die sich durch Liebkosungen und selbst Thränen zu erkennen gibt. Tabaksrauch lieben sie sehr, und gibt man ihnen Tabak, so pissen sie darauf und reiben sich damit den ganzen Leib ein. Man findet bei diesem Affen immer mehr Männchen als Weibchen.“
Über das Freileben des Apellas haben wir besonders von Schomburgk eingehendere Schilderungen erhalten. „Dicht an einen Baum gedrückt“, so erzählt er, „warteten wir die Affenherde ab. Der Vortrab erschien jetzt vor uns, das Hauptheer folgte bald und nach etwa einer Viertelstunde auch der letzte Trupp, welchen ich freilich durch mein nicht mehr zu verhaltendes Gelächter in wilde Flucht zersprengte. Wer hätte aber hier das Lachen unterdrücken können, wenn er die behenden Tiere mit ihrer übertriebenen Eile und Lebhaftigkeit sich auf den Asten hätte hinbewegen sehen, wenn er das Klagen, Pfeifen und Singen der Schwächeren gehört, die boshaften Blicke bemerkt, welche sie den Stärkeren zuwarfen, sobald sie diesen in den Weg kamen und nun von ihnen gebissen und geschlagen wurden; wenn er die altklugen Gesichter der förmlich auf den Rücken der Mütter angeleimten Jungen und zugleich die ernsthaften Mienen wahrgenommen hätte, mit denen auf der Reise jedes Blatt, jede Spalte nach Kerbtieren untersucht und hier und da ein fliegender Schmetterling, ein fliehender Käfer mit der äußersten Geschicklichkeit gefangen wurde. Unter solchem Gesichterschneiden mochten etwa 400— 500 Apellas über uns weggeeilt sein (denn eine andere Bewegung scheinen sie gar nicht zu kennen), als ich jenem Drange nicht
mehr widerstehen konnte. Wie vom Donner gerührt blieben die unmittelbar über uns Befindlichen einen Augenblick bewegungslos sitzen, stießen dann einen eigentümlichen Schrei aus, welcher vor, hinter und neben uns sein Echo fand; alle sahen sich ängstlich nach allen Seiten um, bis sie uns bemerkten, starrten uns einen Augenblick an, wiederholten den Schrei noch greller als das erste Mal, und in doppelt gewaltigen Sprüngen flogen sie förmlich über uns hin, ohne daß auch nur ein anderer Ton als das vermehrte Geräusch in den Zweigen gehört worden wäre. „Bei einem solchen Vorfalle war ich Zeuge eines wirklich rührenden Beispiels aufopfernder Mutterliebe. Schon wollte ich nach meinem Boote zurückkehren, als die ängstliche Stimme eines Affen in einem Baume über mir es laut verkündete, daß er von seiner Mutter bei ihrer wilden Flucht vergessen worden war. Einer meiner Indianer erkletterte den Baum. Kaum sah das Tier die fremde Gestalt, als ihm die Angst einige laute Töne auspreßte, welche plötzlich vom nächsten Baume von der zurückgekehrten Mutter beantwortet wurden. Kaum waren diese Töne von dem geängstigten Tiere gehört, als es dieselben auch wieder mit einer ganz eigenen Stimme beantwortete, welche nun andererseits ebenfalls ihren Widerklang in dem Locken der Mutter fanden. Ein Schuß verwundete die Arme; sie schickte sich wohl zur Flucht an, kehrte aber augenblicklich wieder zurück, als ihr Liebling nochmals jene Angsttöne ausstieß, und sprang, ungeachtet eines zweiten Schusses, der sie fehlte, mit Anstrengung auf den Ast, welcher das klagende Junge trug. Schnell nahm sie dieses auf den Rücken und wollte sich eben mit ihm entfernen, als sie, trotz meines strengen Verbotes, ein dritter Schuß tötete. Noch im Todeskampfe drückte sie ihren Liebling fest an sich und versuchte die Flucht, stürzte aber bei diesem Versuche auf den Boden herab. „Dieser niedliche Affe ist in Britisch-Guayana nur auf gewisse Ortlichkeiten beschränkt. Am häufigsten fand ich ihn im Banukugebirge in zahlreichen Herden, einzeln auch unter den Banden des Kapuziners, aus welchem Zusammenleben mir jene unzähligen Abarten entstanden zu sein scheinen, welche man gerade unter diesen beiden Arten so häufig findet. Keine anderen Affen findet man so häufig gezähmt als gerade diese, und doch habe ich nie zwei oder drei von ihnen gesehen, welche in ihrer Färbung oder Länge der Haare ganz miteinander übereingestimmt hätten; dasselbe war bei unserer und der Indianer Jagdbeute der Fall, obgleich sich diese oft auf 10— 16 Stücke belief. „Die Anzahl der Gesellschaften betrug oft viele Hunderte. Sie sind äußerst lebhaft, gewandt und listig, und nur der Schlauheit des Indianers gelingt es, diese Tiere zu be schleichen. Das geräuschlose vergiftete Pfeilchen trifft dann sicher sein Ziel. Schon nach wenigen Minuten beginnt der verwundete Affe infolge der Wirkung des Giftes zu wanken und stürzt hernieder. Mit langen Hälsen und unter Ausstoßen kurzer, eigentümlicher Töne sehen die Gefährten ihrem herabstürzenden Freunde nach, den der Indianer wohlweislich am Boden liegen läßt. Aus dem sicheren Verstecke folgt nun der zweite und dritte Pfeil geräuschlos, und die Verwundeten fallen immer einer nach dem anderen nieder, bis der Jäger ihrer fo viele erlegt hat, als er braucht. Ihr Fleisch bildet den gewöhnlichen Nahrungsstoff der Indianer.“
Gezähmte Apellas und andere Affen trifft man in allen Niederlassungen der Indianer an, weil diese, wie Schomburgk an einer anderen Stelle sagt, eifrig bedacht sind, ihren Hausstand zu vermehren. Mit höchstem Erstaunen bemerkte unser Gewährsmann vierfüßige Milchbrüder und Milchschwestern, meist Affen, Beutelratten, Agutis und dergleichen unter den Säuglingen, denen die Mutter ebenso bereitwillig, mit gleicher Zärtlichkeit in Blick und Miene, die andere Brust reichte, wenn vielleicht das eigene Kind aus der einen schon seine Nahrung sog. „Der Stolz der Frauen besteht hauptsächlich im Besitze einer großen Anzahl zahmer Haustiere. Was sie daher von jungen Säugetieren fangen können, ziehen
sie an der eigenen Brust auf, wodurch diesen Tieren, namentlich den Affen, eine solche Anhänglichkeit eingepflanzt wird, daß sie der Pflegemutter auf Schritt und Tritt folgen.“
Man bringt den Apella sehr häufig zu uns, und er ist deshalb in Tiergärten und Tierschaubuden oft genug zu finden. Die im ganzen Süden Europas umherpilgernden Savoyarden benutzen ihn, wie manche Meerkatzen, um das Herz wohlhabender Leute wirksamer zu bearbeiten, als fie es mit ihren Drehorgeln vermögen. Die Musik dieser oft recht erbärmlich verstimmten Werkzeuge ist in den Straßen der Städte Frankreichs, Spaniens und Italiens so gewöhnlich, daß kein Mensch mehr auf den armen Bittsteller achtet, welcher die heitere Muse zu Hilfe ruft und mit Klängen und Liedern Herzen rühren will. Ach, gerade die Töne verschließen ihm diese Herzen; sie rufen den Unmut wach, und der Beutel bleibt geschlossen. Da gebietet der Tonkünstler seiner zahmen Meerkatze, seinem Apella und Apollo, zu seinem Besten an die verschlossenen Menschenherzen zu klopfen. Das Tier ist an einer langen, dünnen Leine befestigt, welche sein Herr zum größeren Teile um die Hand gewickelt hat; jetzt lockert er die Bande, und unter den Klängen der Marseillaise oder irgend eines Gassenhauers steigt der kleine Bettler an Dachrinnen und Gesimsen empor, von Stockwerk zu Stockwerke, bis zur Mansarde hinauf. Und nun erscheint er am Fenster, ein Kind entdeckt ihn, heller Jubel bricht los; es regnet Zucker- und anderes Backwerk — ach, wenn er doch Backentaschen hätte! — aber auch manchen Sou, manchen Cuarto, manchen Soldo für seinen Herrn da unten: der Affe hat das Kinderherz geöffnet und der Kindermund der Eltern Geldbeutel. Jedes empfangene Geldstück wirft das Tier seinem Herrn zu; der sammelt unten lustig auf, solange noch etwas niederfällt, und dann zieht er fürder mit seinem Bettelgehilfen, und wenige Häuser weiter beginnt das Spiel von neuem.
Der Apella verträgt die Gefangenschaft recht gut und hat sich schon mehrmals auch in Europa fortgepflanzt. Er ist aber ein nicht eben liebenswürdiger Gesell, weil schmutzig, frostig und traurig; wenigstens klagt oder winselt er fortwährend. Dabei schneidet er ohne Unterlaß greuliche Gesichter. Aber er ist auch sanft und gutmütig, wenn auch bloß gegen größere Tiere. Kleinere, zumal Vögel, frißt er ohne Umstände auf, wenn er sie ergriffen hat.
Mehr dem Südosten, namentlich der Ostküste Brasiliens, gehört der Faunaffe, Miko oder gehörnte Rollaffe, der Pfifferaffe der deutschen Ansiedler an, eine durch eigentümliche Wucherung der Kopfhaare sehr auffallende und leicht kenntliche Art (Cebus fatuellus, Simia fatuellus, Cebus niger, frontatus und vellerosus, S. 227). Er erreicht ungefähr dieselbe Größe wie der Kapuziner, nach dem Prinzen von Wied auch wohl die eines starken Katers, hat kräftige, muskelige Glieder, runden Kopf und rundes Gesicht und einen mehr als körperlangen, starken, ziemlich dicken und dicht behaarten Schwanz. Backen und Seiten der Schläfe sind mit weißgelblichen feinen Haaren besetzt; um das ganze Gesicht herum bilden glänzend schwarze Haare einen Kranz und auf dem Scheitel einen geteilten Schopf, dessen beide Büschel etwa 4 cm lang find. In der Mitte zwischen diesen beiden Haarwucherungen ist das Haar kurz und glänzend schwarz; auf dem Halse wird es bräunlich, unter dem Kinn schwarzbraun, auf Kehle, Brust, Hals, den Seiten, auf Bauch und Vorderteilen der Arme gelbbräunlich, auf dem übrigen Körper sieht es schwarzbraun, oben fast schwarz aus, zeigt aber überall hellgelbliche Spitzen. Das nackte Gesicht hat dunkel schmutzigfleischbraune Färbung; Hände und Füße sind bräunlich, auf der Oberseite dieser Glieder aber mit schwarzbraunen, auf den Fingern mit hellbräunlichen Haaren bekleidet. In der Jugend ist der Affe stets schwarz, jedoch nicht so dunkel glänzend wie später. Der eigentliche Kopfputz erscheint erst im späteren Alter bei beiden Geschlechtern, ist jedoch bei dem Männchen vorzugsweise entwickelt. Zuweilen finden sich einzelne Stücke mit hellbraunem Vorderkörper, welche einfach als Spielarten angesehen werden müssen.
Der Prinz von Wied traf den Faunaffen in den großen Waldungen zwischen dem 23. und 21. Grade südlicher Breite, Hensel ebenso häufig in Rio Grande do Sul an. Auch über diese Art verdanken wir letztgenanntem Forscher einen trefflichen Bericht. „Der Miko“, sagt er, „ist der Gegensatz des Brüllaffen; denn er ist das schnellste und klügste Geschöpf des ganzen südbrasilischen Urwaldes. Kein anderes Tier, selbst nicht die Hirare, kommt ihm gleich im Klettern und Springen. Er lebt immer in großen Gesellschaften bis zu 30 und 40 Stücken, wenn nämlich bei dem Gewimmel einer durch die Baumwipfel fliehenden Affenherde noch ein Abschätzen der Anzahl möglich ist. Diese Trupps haben keinen so festen Aufenthaltsort wie die der Brüllaffen oder bewohnen wahrscheinlich große Reviere, in denen sie nach Belieben umherschweifen, heute in diese Pflanzung, morgen in eine benachbarte einfallend. Der Pfifferaffe der deutschen Ansiedler ist ein arger Dieb, welcher die Maisfelder tüchtig plündert; doch kommt er nicht nahe an die Häuser, sondern sucht lieber die tiefer im Walde gelegenen Pflanzungen heim. Daß er bei seinen Raubzügen Wachen ausstelle, ist natürlich ein Märchen: in einem Trupp gibt es immer wachsamere Stücke, vielleicht die alten Weibchen, welche nicht bloß stehlen, sondern auch fleißig Umschau halten. Naht sich nun ein Mensch, oder hören sie Hunde bellen, so stoßen sie ihren Warnungsruf, ein weithin hörbares Pfeifen, aus. Ist der Gegenstand des Schreckens noch weit entfernt, so suchen sie noch das Geraubte in Sicherheit zu bringen; mit einem Maiskolben in der Hand oder im Maule klimmen sie dann mühsam die Schlingpflanzen hinauf. Kommen nun plötzlich die Hunde unter fie, jo lassen fie eiligst alles fallen und find im Nu verschwunden. Beschleicht man sie, so kann man aus einer einläufigen Flinte doch sehr selten mehr als einen Schuß anbringen; sind sie zerstreut worden, so suchen sie einander durch Pfeifen wieder zusammen zu locken. Versteht man diesen Ton leicht nachzuahmen, und verbirgt man sich gut, vorausgesetzt, daß man keine Hunde bei sich hat, so kann man wohl noch einmal zum Schusse kommen: allein das Ergebnis bleibt immer unsicher; denn obgleich die Rollaffen keine Wickelschwänze haben, legen sie sich doch vor dem Sterben gern auf die Zweige und fallen auf diese Weise nicht herab. Verbergen sie sich hinter einem Aste, und schauen sie ängstlich über denselben herunter, so sieht es aus, als hätten sie Hörner auf dem Kopfe. Merkwürdig ist ein sehr feiner und angenehmer Bisamgeruch, welcher an den Männchen, namentlich an ihrem Kopfe, haftet, und den man selbst nach dem Abbalgen eines solchen Tieres noch mehrere Tage lang spürt. „Ungeachtet der großen Klettergewandtheit des Pfifferaffen erinnere ich mich eines Falles, in welchem sie zu fehlen schien. Einst beabsichtigten wir auf einer Bergspitze, um deren Fuß sich Pflanzungen der Ansiedler hinzogen, Rehe zu jagen. Bald auch hörte ich einen meiner Hunde laut jagend den Berg herabkommen, und die Heftigkeit seines Bellens verriet mir, daß er nicht auf der Fährte eines Rehes war, sondern ein Raubtier vor sich hertrieb. Die Jagd erreichte eine um die Bergspitze sich ziehende undurchdringliche Hecke, und hier hörte ich deutlich, wie der Hund kaum 50 Schritt von mir entfernt den gejagten Gegenstand abfing und abwürgte, ohne daß dieser einen Klageton ausgestoßen hätte. Nach längerem Suchen entdeckte ich zu meinem unendlichen Erstaunen ein altes Weibchen unseres Affen, welches der Hund durch Zerreißen des Leibes getötet hatte. Das Tier war schwanger gewesen; denn ein vollständig reifer Keimling lag, von dem Hunde herausgerissen, daneben. Es ist mir rätselhaft geblieben, daß der Affe den dicht bewachsenen Berg sich hinabjagen ließ, ohne auf den Bäumen oder Schlingpflanzen eine Zuflucht zu suchen; vergebens untersuchte ich ihn: er schien durchaus gesund gewesen zu sein, und auch an seinen Sinneswerkzeugen war kein Fehler zu entdecken. Ich kann daher nur annehmen, daß er, weil der Hund so dicht hinter ihm herjagte, nicht in die Höhe zu springen wagte, da mit einem solchen Sprunge immer ein Zeitverlust verbunden ist. Noch unerklärlicher aber schien es