Kurzbericht Konsumerhebung 2024/25 | 11 Regionalergebnisse Regionale Unterschiede sind in Übersicht 3 dargestellt. Sie zeigt die durchschnittlichen Haushalts- und Äquivalenzausgaben nach Gemeindegrößenklasse, Grad der Verstädterung und Stadt-Land-Typologie. Es zeigt sich, dass Haushalte in kleineren Gemeinden sowie in dünn besiedelten bzw. überwiegend ländlichen Regionen im Durchschnitt höhere Haushaltsausgaben aufweisen als Haushalte in größeren Städten und dicht besiedelten Gebieten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in diesen Regionen auch die durchschnittliche Haushaltsgröße höher ist, was einen wesentlichen Teil des höheren Ausgabenniveaus erklärt. Betrachtet man die Äquivalenzausgaben, die die unterschiedliche Haushaltsgröße berücksichtigen, fallen die regionalen Unterschiede deutlich geringer aus. Übersicht 3: Anzahl der Haushalte, durchschnittliche Haushaltsgröße, Haushalts- und Äquivalenzausgaben nach Regionalmerkmalen Ausgewählte Regionalmerkmale Anzahl der Haushalte
Ø Haushalts- größe Ø Haushalts- ausgaben Ø Äquivalenz- ausgaben1 nicht hoch- gerechnet hochgerechnet in 1 000 Gemeindegrößenklassen <=2 500 Einw. 1 353 781,3 2,38 4 460 2 780
2 500 <=5 000 Einw. 1 135 637,6 2,36 4 450 2 770 5 000 <=20 000 Einw. 1 614 987,2 2,19 4 310 2 840 20 000 Einw., ohne Wien 1 184 784,2 1,95 3 850 2 720 Wien 1 403 975,0 2,02 3 850 2 690 Grad der Verstädterung Gebiete mit niedriger Besiedlungsdichte 2 543 1 420,6 2,37 4 460 2 780 Gebiete mit mittlerer Besiedlungsdichte 2 027 1 285,2 2,16 4 250 2 830 Dicht besiedelte Gebiete 2 119 1 459,6 1,98 3 800 2 690 Stadt-Land-Typologie Überwiegend ländliche Regionen 2 497 1 500,5 2,28 4 170 2 660 Intermediäre Regionen 1 878 1 190,7 2,21 4 480 2 940 Überwiegend städtische Regionen 2 314 1 474,1 2,02 3 910 2 720 Q: STATISTIK AUSTRIA, Konsumerhebung 2024/25. – Werte in Euro sind gerundet: wenn ≥1 000 auf Zehner, wenn <1 000 auf Einer und wenn <100 auf eine Dezimalstelle. – 1) Äquivalenzausgaben sind nach der EU-Skala berechnet: Erste erwachsene Person = 1, jede weitere Person im Haushalt ab 14 Jahren = 0,5, Kinder unter 14 Jahren = 0,3. Gemeindegrößenklassen In Übersicht 4 ist ersichtlich, dass sich nicht nur die Verbrauchsausgaben insgesamt nach Gemeindegrößenklasse unterscheiden, sondern auch die einzelnen Ausgabengruppen. Besonders auffällig sind die Unterschiede beim Verkehr: In kleinen Gemeinden sind die Ausgaben mit rund 700 Euro deutlich höher als in Wien, wo sie nur etwa 400 Euro ausmachen. Auch für Ernährung geben Haushalte in kleinen Gemeinden deutlich mehr aus als in der Hauptstadt. Umgekehrt zeigt sich bei
Kurzbericht Konsumerhebung 2024/25 | 12
Freizeit, Sport und Kultur sowie Bildung, dass die Ausgaben in großen Städten – vor allem in Wien –
höher ausfallen.
Übersicht 4: Durchschnittliche monatliche Haushaltsausgaben – nach
Gemeindegrößenklassen
Ausgewählte Ausgabengruppe
bis 2 500
Einw.
2 500 bis 5 000 Einw. 5 000 bis 20 000 Einw. 20 000 bis 900 000 Einw. über 900 000 Einw. (Wien) Haushaltsausgaben in Euro Verbrauchsausgaben insgesamt 4 460 4 450 4 310 3 850 3 850 Ernährung, alkoholfreie Getränke 541 511 505 445 430 Alkoholische Getränke, Tabakwaren 93,9 98,2 94,3 86,9 87,8 Bekleidung, Schuhe 184 183 161 167 176 Wohnen, Energie 1 160 1 230 1 140 1 000 1 010 Wohnungsausstattung 261 290 280 225 230 Gesundheit 217 199 198 189 189 Verkehr 705 641 611 506 413 Information und Kommunikation 103 107 115 119 129 Freizeit, Sport und Kultur 443 488 472 436 527 Bildung 36,2 40,5 37,2 44,2 57,8 Gastronomie, Beherbergung 283 269 267 271 288 Versicherungen, Finanzdienstleistungen 237 233 226 172 132 Andere Waren und Dienstleistungen 202 168 206 181 182 Q: STATISTIK AUSTRIA, Konsumerhebung 2024/25. – Werte in Euro sind gerundet: wenn ≥1 000 auf Zehner, wenn <1 000 auf Einer und wenn <100 auf eine Dezimalstelle. Große Unterschiede bei Ausgaben für Verkehr Innerhalb der Ausgabenstruktur zeigen sich im Bereich Verkehr deutliche Unterschiede zwischen Haushalten in ländlichen und urbanen Gebieten. Nicht zuletzt aufgrund der höheren Kfz-Dichte geben Haushalte im ländlichen Raum mit 761 Euro pro Haushalt mehr als doppelt so viel für Anschaffung, Erhalt und Versicherung der Fahrzeuge aus als Haushalte in Wien (354 Euro).
Kurzbericht Konsumerhebung 2024/25 | 13 Grafik 4: Privater vs. öffentlicher Verkehr
Q: STATISTIK AUSTRIA, Konsumerhebung 2024/25. Umgekehrt – wenn auch auf anderem Niveau – verhalten sich die Ausgaben im Bereich des öffentlichen Verkehrs: Durchschnittlich 100 Euro geben Wiener Haushalte dafür aus und damit rund viermal so viel wie Haushalte in ländlichen Regionen (25,3 Euro). Übersicht 5: Mobilität der privaten Haushalte nach Gemeindegrößenklassen Gemeindegrößenklasse Von 100 Haushalten haben … Ø Anzahl Pkw je Haushalt kein Kfz1 mind. 1 Kfz1 mind. 1 Pkw 1 Pkw 2+ Pkw Motorrad/ Moped Zeitkarte für ÖV2 Alle Haushalte 25 75 73 47 27 15 40 1,08 <=2 500 Einw. 9 91 90 48 42 23 24 1,50
2 500 <=5 000 Einw. 12 88 86 46 40 20 27 1,38 5 000 <=20 000 Einw. 16 84 83 51 33 16 28 1,24 20 000 Einw. (ohne Wien) 33 67 66 49 17 11 40 0,85 Wien 51 49 47 40 7 8 75 0,56 Q: STATISTIK AUSTRIA, Konsumerhebung 2024/25. – 1) Kfz: Pkw/Kombi, Motorrad, Moped. – 2) Mind. 1 Person im Haushalt verfügt über ein Jahres-/Semesterticket (auch Klimaticket) für öffentliche Verkehrsmittel. Nachvollziehbar wird dies bei der Betrachtung der Ausstattung der Haushalte mit Kraftfahrzeugen: In ländlichen Regionen (Gemeinden <=2 500 Einwohner:innen) verfügen 91 % der Haushalte zumindest über einen Pkw, in Wien hingegen etwas weniger als die Hälfte (49 %). Die durchschnittliche Pkw- Anzahl pro Haushalt beträgt auf dem Land 1,50, im urbanen Raum dagegen 0,56 Pkw. 761 694 650 495 354 25,3 26,6 34,2 64,8 100 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 Gemeinden <=2.500 Einw. Gemeinden 2 500 <=5 000 Einw. Gemeinden 5 000 <=20 000 Einw. Gemeinden 20 000 Einw., ohne Wien Wien Öffentlicher Verkehr, Transport Privater Verkehr (plus Kfz Versicherungen)
Kurzbericht Konsumerhebung 2024/25 | 14
Bundesländer
Die Stichprobe für die Konsumerhebung 2024/25 wurde repräsentativ für Österreich gezogen.
Insgesamt wurden die Ausgaben von 6 689 Haushalten erfasst. Durch die Hochrechnung werden die
Ergebnisse für die Verteilung auf die Grundgesamtheit geschätzt. Diese Schätzungen unterliegen
Zufallsschwankungen.
Ergebnisse auf Bundesländerebene weisen eine höhere Schwankungsbreite auf, daher müssen bei
der Interpretation der Werte und etwaiger Differenzen zu früheren Erhebungen immer die
Stichprobengröße und der daraus resultierende Stichprobenfehler mitberücksichtigt werden. In
Übersicht 6 sind Haushalts- und Äquivalenzausgaben sowie Konfidenzintervalle (Schwankungsbreite
bei 95 % Vertrauenswahrscheinlichkeit) für Österreich und die Bundesländer dargestellt. Aufgrund
der ausgewiesenen Schwankungsbreiten kann bei Bundesländerergebnissen keine Rangfolge
abgelesen werden.
Übersicht 6: Monatliche Verbrauchsausgaben mit Schwankungsbreite – Bundesländer
Bundesland
arithmetisches
Mittel
Konfidenzintervall
95 %
in %
Konfidenzintervall
95 %
untere Grenze
Konfidenzintervall
95 %
obere Grenze
Haushaltsausgaben
Österreich
4 170
± 1,5
4 100
4 230
Burgenland
4 090
± 11,3
3 630
4 550
Kärnten
4 220
± 6,0
3 970
4 480
Niederösterreich
4 580
± 3,7
4 420
4 750
Oberösterreich
4 260
± 4,1
4 090
4 440
Salzburg
4 170
± 7,0
3 880
4 460
Steiermark
3 820
± 5,0
3 630
4 010
Tirol
4 470
± 7,0
4 160
4 780
Vorarlberg
4 230
± 6,7
3 950
4 510
Wien
3 850
± 3,8
3 700
4 000
Äquivalenzausgaben1
Österreich
2 760
± 1,5
2 720
2 800
Burgenland
2 680
± 7,9
2 470
2 890
Kärnten
2 890
± 5,9
2 720
3 060
Niederösterreich
2 880
± 3,5
2 780
2 980
Oberösterreich
2 750
± 3,4
2 660
2 850
Salzburg
2 700
± 6,2
2 530
2 870
Steiermark
2 570
± 4,5
2 460
2 680
Tirol
2 970
± 5,2
2 810
3 120
Vorarlberg
2 850
± 5,4
2 690
3 000
Wien
2 690
± 3,5
2 600
2 790
Q: STATISTIK AUSTRIA, Konsumerhebung 2024/25. – Werte in Euro sind gerundet: wenn ≥ 1 000 auf Zehner, wenn < 1 000 auf Einer
und wenn < 100 auf eine Dezimalstelle. – 1) Äquivalenzausgaben sind nach der EU-Skala berechnet: Erste erwachsene Person = 1,
jede weitere Person im Haushalt ab 14 Jahren = 0,5, Kinder unter 14 Jahren = 0,3.
Kurzbericht Konsumerhebung 2024/25 | 15 Alle weiteren Ergebnisse, ods. Tabellen sowie Factsheets zu Begriffen und Definitionen finden sich auf der Website bei den jeweiligen Detailergebnissen. Weiterführende Informationen Erhebungen der Ausgaben privater Haushalte haben in Österreich eine lange Tradition. Schon im K. u. K. Arbeitsstatistischen Amt des Handelsministeriums wurden die „Wirtschaftsrechnungen und Lebensverhältnisse von Wiener Arbeiterfamilien in den Jahren 1912-1914“ beschrieben. Von 1954 bis 1993/94 wurden Konsumerhebungen in 10-jährigen Abständen durchgeführt. Mit der Umstellung auf europäische Standards wurden die Intervalle ab der Erhebung 1999/00 auf 5 Jahre verkürzt. Die Konsumerhebung 2024/25 wurde erstmals auf Grundlage der EU-Rahmenverordnung für sozialstatistische Erhebungen8 durchgeführt. Durch diese Verordnung sind alle EU-Mitgliedsstaaten rechtlich dazu verpflichtet, auf einheitliche Weise und in 5-jährigen Abständen, Daten zum Konsum privater Haushalte zu erheben. Die Konsumerhebung erfasst alle fünf Jahre Verbrauchsausgaben, Einkommen und Ausstattung privater Haushalte. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Konsumgewohnheiten der Haushalte und liefern Informationen über Lebensstandard und -bedingungen verschiedener sozialer Gruppen. Ausgabenmuster in spezifischen Lebensphasen sowie unterschiedlichen familiären Lebenslagen können dargestellt werden. So dienen die Daten als Grundlage für Untersuchungen hinsichtlich Höhe und Verteilung von Verbrauchsausgaben innerhalb verschiedener Haushaltstypen, etwa Haushalte mit oder ohne Kinder(n), Einpersonenhaushalte, jüngere/ältere Haushalte. Sie bilden somit eine zentrale Grundlage für sozialpolitische Studien, Berichte sowie Forschungsprojekte, etwa der Analyse von Kinderkosten, und liefern damit wichtige Erkenntnisse für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Im Rahmen der Verbraucherpreisindizes (VPI und HVPI) sind jährliche Ausgabensummen und deren Verteilung auf einzelne Ausgabengruppen eine wichtige Datenbasis für die Neugewichtung des zugrundeliegenden Warenkorbes. Diese Neugewichtung ist gemäß EU-Vorgaben alle fünf Jahre durchzuführen. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die allgemeine Preisentwicklung oder Inflation, von der private Haushalte beim Erwerb von Waren oder Dienstleistungen unmittelbar betroffen sind. Er wird zur Wertsicherung von Geldbeträgen, etwa Mieten oder Unterhaltszahlungen, verwendet und ist Basis für Lohn- oder Pensionsverhandlungen. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) dient dem Vergleich der Inflationsraten auf europäischer Ebene. Darüber hinaus werden die erhobenen Ausgabensummen in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zur Validierung der Berechnungsergebnisse des Privaten Konsums herangezogen. Auf Bundesländerebene (NUTS2) bilden sie in den Regionalen Gesamtrechnungen (RGR) ein Analyseinstrument zur Berechnung der Konten der privaten Haushalte.
8 Verordnung (EU) 2019/1700 (Integrated European Social Statistics (IESS)), siehe dazu: https://ec.europa.eu/eurostat/web/household-budget-surveys/legislation
Kurzbericht Konsumerhebung 2024/25 | 16 Die Erhebung Die aktuelle Konsumerhebung wurde in Österreich von April 2024 bis Mai 2025 als Stichprobenerhebung bei – zufällig ausgewählten – privaten Haushalten durchgeführt. Ein Privathaushalt besteht entweder aus einer einzelnen Person oder aus mehreren Personen, die eine Wohnung teilen und gemeinsam wirtschaften9. Primäres Ziel war dabei eine möglichst detaillierte und vollständige Erfassung sämtlicher Verbrauchsausgaben. Dazu wurden die teilnehmenden Haushalte ersucht, zwei Wochen lang alle ihre Ausgaben in einem Haushaltsbuch zu dokumentieren. Zusätzlich beantworteten sie Fragen zu den im Haushalt lebenden Personen, zur Wohnung und zur Ausstattung. Die Mitarbeit der Haushalte war freiwillig. Stichprobe, Beteiligung und Hochrechnung Die Konsumerhebung 2024/25 war als Stichprobenerhebung konzipiert. Die Grundgesamtheit bildeten Privathaushalte in Österreich, in denen zumindest eine Person im Alter von mindestens 16 Jahren ihren Hauptwohnsitz hatte. Die Auswahlgrundlage für die Generierung der geschichteten Zufallsstichprobe waren Adressen aus dem Zentralen Melderegister (ZMR). Die Bruttostichprobe umfasste 30 996 Adressen. Unter Berücksichtigung von neutralen Ausfällen auf Adressebene, wie etwa Objekt leerstehend, ergab sich eine Basis von 30 314 Haushalten, die für eine Befragung in Betracht kamen. Insgesamt haben 6 689 Haushalte aus ganz Österreich bei der Erhebung teilgenommen. Das entspricht einer Rücklaufquote von 22,1 %. Übersicht 7 Ausschöpfungsquote Bruttostichprobe 30 996 Neutrale Ausfälle auf Adressebene 682 Basis für Ausschöpfungsberechnung 30 314 Adresse nicht bearbeitet 3 761 Adresse bearbeitet 26 553 Niemand angetroffen 6 941 Keine auskunftsfähige Person angetroffen 777 Mitarbeit verweigert 12 146 Erhebung durchgeführt 6 689 Q: STATISTIK AUSTRIA. – Konsumerhebung 2024/25. Bei einer zufallsgesteuerten Stichprobenauswahl – wie jener der Konsumerhebung – wird ein verkleinertes, aber sonst im Schnitt möglichst wirklichkeitsgetreues Abbild der Grundgesamtheit geschaffen. Zur Berechnung statistischer Ergebnisse muss diese Verkleinerungsprozedur wieder rückgängig gemacht werden. Dabei werden die, mit Hilfe der Stichprobe erhobenen, Merkmale zur Schätzung der interessierenden, aber unbekannten Parameter der Grundgesamtheit
9 Gemeinsames Sorgen für Essen und andere alltägliche Notwendigkeiten sowie das Teilen – mehr oder weniger – des Einkommens („Housekeeping-Unit-Konzept“).