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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

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unseres gemeinen Haussperlings, ändern aber sehr ab: Gerhardt versichert, daß man fast niemals ein Gelege finde, in welchem alle von gleicher Färbung wären. In den nördlicheren Staaten brütet das Paar selten mehr als einmal, in den südlichen zuweilen dreimal im Jahre. Die Jungen werden nur wenige Tage von ihren Eltern geführt, dann aber ihrem Schicksale überlassen. Allerlei Körner, Getreide- und Grassämereien, Beeren und gewiß auch Kerbtiere bilden die Nahrung. Im Frühlinge verzehrt er die Blüten des Zuckerahorns, im Sommer Holderbeeren, nebenbei jagt er nach Käfern, Schmetterlingen, Heuschrecken, Raupen ꝛc. Nach Wilson soll Mais seine Hauptnahrung sein und er außerdem den Kirschen, Apfeln und Beeren der Kerne wegen sehr nachgehen. Die amerikanischen Forscher rühmen ziemlich einstimmig den Gesang; wir hingegen finden nicht, daß dieser begeistern könnte. „Die Töne des Kardinals“, sagt Wilson, „sind denen der Nachtigall vollständig gleich. Man hat ihn oft, Virginische Nachtigall' genannt, und er verdient seinen Namen wegen der Klarheit und Verschiedenheit seiner Töne, die ebenso wechselnd als klangvoll sind.“ In gleichem Sinne spricht sich Audubon aus. „Der Gesang ist zuerst laut und klar und erinnert an die schönsten Töne des Flageoletts; mehr und mehr aber sinkt er herab, bis er gänzlich erstirbt. Während der Zeit der Liebe wird das Lied dieses prachtvollen Sängers mit großer Macht vorgetragen. Er ist sich seiner Kraft bewußt, schwellt seine Brust, breitet seinen rosigen Schwanz, schlägt mit seinen Flügeln und wendet sich abwechselnd zur Rechten und zur Linken, als müsse er sein eignes Entzücken über die wundervollen Töne seiner Stimme kundgeben. Von neuem und immer von neuem werden diese Weisen wiederholt; denn der Vogel schweigt nur, um Luft zu schöpfen. Man hört ihn lange, bevor die Sonne den Himmel im Osten vergoldet, bis zu der Zeit, wenn das flammende Gestirn Licht und Wärme herniedersendet und alle Vögel zu zeitweiliger Ruhe zwingt; sobald die Natur aber wieder aufatmet, beginnt der Sänger von neuem und ruft, als habe er niemals seine Brust angestrengt, das Echo wach in der ganzen Nachbarschaft, ruht auch nicht eher, als bis sich die Abendschatten um ihn verbreiten. Tag für Tag verkürzt der Rotvogel das langweilige Geschäft des brütenden Weibchen, und von Zeit zu Zeit stimmt auch dieses mit ein mit der Bescheidenheit ihres Geschlechtes. Wenige von uns verweigern diesem ansprechenden Sänger den Zoll der Bewunderung. Wie erfreulich ist es, wenn bei bewölktem Himmel Dunkel die Wälder deckt, so daß man meint, die Nacht sei schon hereingebrochen, wie erfreulich, plötzlich die wohlbekannten Töne dieses Lieblingsvogels zu vernehmen! Wie oft habe ich mich dieses Vergnügens erfreut, und wie oft möchte ich mich dessen noch erfreuen!“ Auch ich will gern zugestehen, daß der Gesang eines alten guten Kardinals zu den besten zählt, die man aus dem Schnabel eines Körnerfressers hören kann, und sich ebensowohl durch die Reinheit und Fülle der Töne wie durch Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit der Strophen auszeichnet, darf aber nicht verschweigen, daß derselbe Vogel durch fortwährendes Ausstoßen des scharfen Locktones „zitt“, der einigermaßen an den der Drossel erinnert, im allerhöchsten Grade unangenehm werden kann. Als Sänger im freien Walde mag die „Virginische Nachtigall“ alle Lobsprüche verdienen, als Stubenvogel nimmt sie, obwohl sie sich nicht allzuselten auch im Käfige fortpflanzt, doch immer nur einen untergeordneten Rang ein. Es ist kaum zu bezweifeln, daß sich der Kardinal auch in Deutschland einbürgern lassen würde, wenn der so auffallend gefärbte Vogel nur schnell genug die ihn hier bedrohenden Gefahren erkennen und vermeiden lernen wollte. In dieser Hinsicht ist der vom Vereine der Naturfreunde in Greiz angestellte Versuch, über den Beyer berichtet, recht lehrreich. Im Frühlinge 1887 wurden zehn Pärchen Kardinäle in Greiz ausgesetzt; sie siedelten sich

sowohl in Hausgärten mit höheren Bäumen als auch im fürstlichen Parke an und erwiesen sich zutraulich. Ihre Zahl verringerte sich jedoch rasch, so daß zur zweiten Brut nur noch wenige Paare übrigblieben; etwa sechs Stück der Vögel überstanden jedoch den Winter, obwohl dieser sehr streng auftrat. Die letzten wurden noch im April gesehen. „Wo aber diese Tierchen bingekommen sind“, schreibt Beyer, „weiß niemand. Das Wahrscheinlichste ist, daß sie das Raubzeug und die Katzen geholt haben, und dies wäre auch nicht zu verwundern, denn durch ihr farbenprächtiges Kleid machen sie sich den Räubern schon von weitem kenntlich. Von der Gefahr schienen diese Vögel gar keinen rechten Begriff zu haben, denn sie trieben sich, Futter suchend, unter den Sperlingen mitunter ganz unbefangen auf den Straßen umher und waren beim Ausreißen gewiß allemal die letzten. Wenn man sonach bei uns auch kein Glück mit den Kardinälen hatte, so steht doch fest, daß die Art in Deutschland lebensfähig ist, und es sollte mich freuen, wenn man anderwärts versuchte, diesen schönen Vogel, der allerdings im Gesange mit unserer Nachtigall bei weitem nicht wetteifern kann, einzubürgern.“ Die vierte und letzte Unterfamilie der Finken bilden die Ammern (Emberizinae), eine etwa 55 Arten umfassende, sehr übereinstimmende Gruppe. Die Ammern sind dickleibige Sperlingsvögel mit verhältnismäßig kleinem, kurz kegelförmigem und spitzigem, an der Wurzel dickem, nach vorn seitlich zusammengedrücktem, oberseits mehr als unten verschmälertem, an den Rändern stark eingebogenem, am Mundwinkel eckig und steil herabgebogenem Schnabel, dessen Oberkiefer im Gaumen einen knöchernen, in eine entsprechende Aushöhlung des Unterkiefers passenden Höcker trägt, kurzen, langzehigen Füßen, unter deren Nägeln der oft spornartig verlängerte der hinteren Zehe besonders hervortritt, mittelgroßen Flügeln, in denen die zweite und dritte Schwinge die längsten zu sein pflegen, ziemlich langem, etwas breitfederigem, am Ende schwach ausgeschnittenem Schwanze und lockerem, nach Geschlecht und Alter meist verschiedenem Gefieder. Die Ammern gehören ihrer Hauptmenge nach der Nordhälfte der Erde an, leben größtenteils in niederem Buschwerke oder Röhricht, gehören nicht zu den beweglichsten und begabtesten Finken, entbehren jedoch keineswegs der Anmut in ihrem Wesen, sind sehr gesellig und friedlich, nähren sich während des Sommers vorzugsweise von Kerbtieren, im Herbste und Winter von mehligen Sämereien, die sie, wie die Kerfe, auf dem Boden suchen, bauen ihr stets einfaches Nest auf dem Boden in eine kleine Vertiefung oder doch nur wenig über die Bodenfläche erhöht und belegen es mit 4—6 dunkeln, betüpfelten und bekritzelten Eiern, die von beiden Eltern bebrütet werden. Ihres wohlschmeckenden, im Herbste sehr fetten Fleisches halber werden einzelne Arten schon seit alters her eifrig verfolgt, wogegen andere unbehelligt von den Menschen leben, da sie auch im Gebauer nur ausnahmsweise gehalten werden. * Als die höchststehenden Mitglieder der Unterfamilie dürfen vielleicht die Sporenammern (Calcarius) angesehen werden. Ihre Merkmale liegen in dem kleinen Schnabel mit wenig bemerkbarem Gaumenhöcker, den kräftigen Gehfüßen, deren Hinterzehe einen ihr an Länge gleichen Sporn trägt, den spitzigen Flügeln, unter deren Schwingen die beiden ersten die längsten sind, dem kurzen, am Ende ausgeschnittenen Schwanze und dem reichen Federkleide.

Bei der Sporenammer, Lerchen- und Lappenammer, dem Sporen-, Lerchenund Ammerfinken (Calcarius lapponicus, Plectrophanes lapponica und calcarata, Fringilla lapponica und calcarata, Emberiza calcarata, Passerina und Centrophanes

lapponica) sind Kopf, Kinn und Kehle schwarz, ein breiter Augen- und Schläfenstreifen rostweißlich, Nacken und Hinterhals, ein Feld bildend, zimtrot, die übrigen Oberteile rostbraun, durch schwarze Schaftflecken gezeichnet, Halsseiten und Unterteile weiß, letztere seitlich mit schwarzen Schaftstreifen, die auf der Brustseite zu einem großen Flecken zusammenfließen, geziert, die Schwingen braunschwarz mit schmalen, fahlbraunen, die hinteren Armschwingen und Deckfedern mit breiten, rostbraunen Außen-, die oberen Flügeldecken mit falben Endsäumen, die auf dem größten breiter und heller sind und eine Querbinde herstellen, die Schwanzfedern endlich schwarz, fahl gesäumt, die beiden äußersten außen an der Wurzel

Sporenammer (Calcarius lapponicus). ½ natütl. Größe. und innen am Ende größtenteils weiß, die zweiten von außen her innen mit weißen Endflecken ausgestattet. Der Augenring ist dunkelbraun, der Schnabel strohgelb, bei der Spitze schwarz, auf dem Firste blauschwarz, der Fuß bläulichgrau. Beim Weibchen ist die Oberseite rostbräunlich mit dunkeln Schaftstrichen, jede Feder dunkel geschaftet, der Nacken roströtlich, der Schläfenstreifen rostgelb, die Unterseite rostfahl und mit undeutlichen dunkeln Schaftflecken geschmückt, die Ohrgegend dunkelbräunlich gestrichelt; auch ist ein undeutlicher Bartstreifen vorhanden. Die Länge beträgt 16, die Breite 27, die Fittichlänge 9, die Schwanzlänge 6 em. Die Sporenammer ist ein Kind der Tundra, ihr Verbreitungsgebiet daher über den Norden beider Welten ausgedehnt. Von hier aus wandert sie im Winter so weit nach Süden hinab, wie sie unbedingt muß, erscheint schon in Deutschland nur ausnahmsweise, weiter südlich höchstens als verflogener Irrling, und kehrt, sobald sie irgend kann, wieder in ihre rauhe Heimat zurück. Hier ist sie allerorten überaus häufig, macht auch zwischen der Tiefe

und Höhe kaum einen Unterschied, vorausgesetzt, daß die Zwergbirke eine filzige Bodendecke bildet, die sie sehr liebt. Durch ihr Betragen gibt sie sich als Mittelglied zwischen Lerche und Ammer zu erkennen. Als Ammer zeigt sie sich im Sitzen, sei es, daß sie auf einem Steine oder auf schwankendem Zweige ruhe, als Lerche und Ammer zugleich im Laufen und Fliegen. Schreitend, nicht hüpfend, läuft sie behende dahin, leicht und gewandt fliegt sie, und nach Lerchenart schwebt sie oft lange Zeit, um zu singen. Ihr schwermütiger, der öden Heimat entsprechender Lockton kann durch die Silben „tjü tjüeb“ ungefähr wiedergegeben werden. Das Weibchen lockt ebenso wie das Männchen, aber etwas tiefer. Der Warnungsruf ist ein sperlingsartiges „Terrr errr“. Der sehr einfache, aber angenehme Gesang besteht aus einer einzigen Strophe, in welcher der Lockton oft wiederkehrt, und wird, soweit ich erfahren habe, nur im Fliegen, jedoch sehr fleißig vorgetragen. Naumann vergleicht ihn nicht unrichtig mit dem Stümpern einer Feldlerche. Nach Schraders Beobachtungen trifft die Sporenammer erst gegen Mitte April in Lappland ein und schreitet dann sosort zur Brut. Das Nest, das man an feuchten Stellen zwischen den Wurzeln einer Zwergbirke, auf einem Hügelchen, gut versteckt unter dickbuschigen Pflanzen, und an ähnlichen Orten findet, besteht äußerlich aus gröberen und feineren Hälmchen und ist innerlich mit weichen Federn des Moorhuhnes ausgefüllt. Gegen die Mitte des Juni findet man das vollständige Gelege, 5—6 Eier von 20 mm Längs- und 15 mm Querdurchmesser, die auf gräulichem, gelblichem oder hellbräunlichem Grunde mehr oder weniger mit dunkleren, der Grundfarbe entsprechenden Haarstrichen und Punkten gezeichnet sind. Die Zeichnung kann übrigens auch fehlen, ohne daß jedoch das Gepräge des Eies dadurch verwischt würde. Eben ausgeflogene Junge fand ich bereits in der Mitte des Juli. Um diese Zeit lebten die von mir beobachteten Sporenammern gewöhnlich paarweise, aber doch auch schon in kleinen Gesellschaften, vielleicht solchen, welche bereits gebrütet hatten. Sie waren nirgends scheu, wurden es aber, sobald sie Verfolgung erfuhren, und selbst in der ödesten Tundra hatte man Mühe, nach einigen Schüssen anzukommen; in richtiger Würdigung der Gefährlichkeit des Jägers erhoben sie sich schon, ehe man in Schußnähe kam, flogen hoch in die Luft und wichen in großen Bogen aus. Die Nahrung besteht während der Brutzeit ausschließlich aus Kerbtieren und zwar hauptsächlich aus Mücken, die alle von mir erlegten in Kropf und Magen hatten. Während des Winters dagegen ernährt sich auch diese Ammer von Gesäme. Da sich die Sporenammer im Spätherbste gern zu den Lerchen gesellt, wird sie oft mit diesen und zuweilen in Menge gefangen, so namentlich in China, wo man sie zuzeiten massenhaft auf die Märkte bringt. Die verwandte Schneemammer, Eisammer, Schneeammerling, Schneeortolan,

Winterling, Neu- und Schneevogel (Calcarius nivalis, Plectrophanes nivalis, hiemalis und borealis, Emberiza nivalis, borealis, notata, mustelina, montana und glacialis, Passerina nivalis und borealis), ist im Sommer schneeweiß, auf Mantel, Schultern, Handschwingen und den mittelsten vier Schwanzfedern, bis auf schmale weiße Endsäume der Mantel- und Schulterfedern und die weiße Wurzel der Handschwingen, aber schwarz, im Winter dagegen auf Ober- und Hinterkopf sowie in der Ohrgegend rostzimtbraun, auf Schultern und Mantel schwarz, jede Feder am Ende zimtbraun gesäumt, quer über den Kropf und an den Seiten rostgelblich, auf den äußeren Schwanzfedern außen mit schwarzem Endflecken geziert. Die Weibchen sind im Winter noch lebhafter zimtbräunlich gefärbt als die Männchen, die Oberflügeldecken rostbraun mit weißen Endsäumen und die schwarzen Flecken am Ende der Schwanzfedern verbreitert. Der Augenring ist tiefbraun, der Schnabel im Sommer schwarz, im Winter orangegelb, der Fuß schwarz. Vrehm, Tierleben. 3. Auflage. IV. 22

Ungefähr dieselben Länder, welche die Sporenammer beherbergen, sind auch die Heimat der Schneeammer. Ihr Verbreitungsgebiet ist umfassender, ihr Brutgebiet dagegen beschränkter als das der genannten. Sie bewohnt die Hochtundra, nach Norden hin, soweit sie, und wenn auch nur für einige Wochen, schneefrei wird, immer aber die nächste Nachbarschaft des ewigen Schnees. Auf Island ist sie der gemeinste Landvogel, auf Spitzbergen, Nowaja Semlja und in Nordgrönland, soweit es bekannt geworden, noch Brutvogel. Ich habe sie während des Sommers in Skandinavien nur auf den höchsten Bergen des Dovrefjelds und im nördlichen Lappland unmittelbar unter der Schneegrenze, hier aber sehr einzeln, in der Tieftundra der Samojedenhalbinsel gar nicht beobachtet. Ihre Winterreise führt sie bis Süddeutschland, zuweilen noch weiter südlich, in Asien bis Südsibirien und Mittelchina, in Amerika bis in die mittleren Vereinigten Staaten. Gebirgshalden und felsige Berge bilden ihre Wohnsitze. Hier verlebt sie ihr kurzes Sommerleben, hier liebt und brütet sie. Das Nest wird stets in Felsspalten oder unter großen Steinen angelegt, besteht äußerlich aus Grashalmen, Moos und Erdflechten und ist inwendig mit Federn und Daunen ausgefüttert, der Eingang, wenn thunlich, nicht größer, als daß die Eltern bequem ausund einschlüpfen können. Das Gelege besteht aus 5—6 Eiern von durchschnittlich 22 mm Länge und 16 mm Dicke, die vielfach abändern, gewöhnlich aber auf bläulichweißem Grunde mit dunkel rostbraunen, gegen das dicke Ende hin kranzartig sich häufenden Flecken, Punkten und Streifen gezeichnet sind. Schon zu Ende des April läßt das Männchen, auf der Spitze eines Steines sitzend, seinen kurzen, aber hell tönenden und angenehmen Gesang hören. Bald nach der Brutzeit schlagen sich die Paare mit ihren Jungen in große Flüge, die noch eine Zeitlang in der Heimat verweilen, dann aber ihre Winterreise antreten. An der Brutstelle ernähren sie sich fast ausschließlich von Kerbtieren, zumal Mücken; während des Winters müssen sie sich mit Gesäme begnügen. Wenige andere Vögel reisen in so ungeheuern Gesellschaften wie die Schneeammern. Auch Deutschland besuchen sie fast allwinterlich, aber nur selten in solchen Massen wie den hohen Norden. In Rußland nennt man sie „Schneeflocken“, und dieser Ausdruck ist für sie bezeichnend; denn in der That wirbeln sie wie Schneeflocken vom Himmel hernieder und bedecken Straßen und Felder. Zuweilen erscheinen sie auch massenhaft auf Schiffen, um hier einige Augenblicke von ihrer Wanderung auszuruhen. „Am 17. Mai“, sagt Malmgren, „schlug auf der Takelage unseres Fahrzeuges ein Schwarm von Schneeammern nieder, die sehr ermüdet zu sein schienen. Sie gaben sich jedoch nicht lange Zeit zum Ausruhen, sondern begannen von neuem ihren mühevollen Zug bei starkem Gegenwinde gerade auf Spitzbergen zu.“ ÄAhnliche Erfahrungen haben auch andere Reisende, namentlich Holböll, gemacht. Es geht aus diesen Angaben zur Genüge hervor, daß unsere Vögel einen weiten Flug, selbst über das Meer hinweg, nicht scheuen. Die Schneeammern ähneln in ihrem Betragen den Lerchen ebensosehr wie den Ammern. Sie laufen ganz nach Lerchenart, fliegen leicht und geschickt, wenig flatternd und in großen Bogenlinien, auf der Reise in bedeutender Höhe, sonst gern dicht über den Boden dahin. Gesellschaften, welche Nahrung suchen, wälzen sich, wie Naumann sehr bezeichnend sagt, über die Erde dahin, indem nur ein Teil sich niederläßt und die letzteren über die ersteren dahinfliegen. Sie sind unruhige, bewegliche Vögel, die auch während der strengsten Kälte ihre Munterkeit nicht verlieren und selbst bei entschiedenem Mangel noch vergnügt zu sein scheinen. Selten nur verweilen sie an einem Orte längere Zeit, durchstreifen vielmehr gern ein gewisses Gebiet. Bei tiefem Schneefalle suchen sie die Straßen auf und kommen selbst in die Städte herein; solange sie jedoch auf den Feldern noch Nahrung finden können, wählen sie diese zu ihrem Winteraufenthalte und treiben sich hier während des ganzen Tages in der beschriebenen Weise umher. Ihre Lockstimme ist ein hell pfeifendes

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