Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel
welche es gegen den darauf fallenden Schnee geschützt und zugleich möglichst versteckt ist. Es ist ein Kunstbau, der äußerlich aus dürren Fichtenreisern, Heidekraut, trockenen Grasstengelchen, der Hauptsache nach aber aus Fichtenflechten, Baum- und Erdmoos aufgeführt und innen mit einzelnen Federn, Grashälmchen und Kiefernnadeln ausgelegt wird. Die Wände sind ungefähr 3 em dick und vortrefflich zusammengewebt; der Napf ist verhältnismäßig tief. „Ich hatte Gelegenheit“, sagt mein Vater, „ein Weibchen während des Nestbaues zu beobachten. Zuerst brach es die dürren Reiser ab und trug sie an Ort und Stelle, dann lief es auf den Asten der benachbarten Bäume herum, um die Bartflechten zu suchen; es nahm davon jedesmal einen Schnabel voll, trug sie in das Nest und brachte sie in die gehörige Lage. Als die Rundung des Nestes fertig war, verweilte es länger darin und brachte alles durch Drücken mit der Brust und durch Drehen des Körpers in Ordnung. Es nahm fast alle Stoffe des Nestes von einem einzigen benachbarten Baume und war so emsig, daß es auch in den Nachmittagsstunden baute und in Zeit von 2—3 Minuten mit dem Herbeischaffen und Verarbeiten einer Tracht fertig war. Das Männchen blieb immer bei ihm, betrat es alle Tage, entweder auf den Asten oder auf dem Neste, fütterte es, als es zu brüten oder doch das erste Ei zu wärmen anfing (denn sobald das erste Ei gelegt war, verließ es das Nest nicht mehr), sang beständig in seiner Nähe und schien es so für die Beschwerden des Bauens und Brütens, die es nicht mit ihm teilen konnte, entschädigen zu wollen.“ Das Gelege besteht aus 3—4 verhältnismäßig kleinen, höchstens 28 mm langen, 22 mm dicken Eiern, die auf gräulich- oder bläulichweißem Grunde mit verloschenen Flecken und Stricheln von blutroter, blutbräunlicher oder schwarzbrauner Färbung besetzt sind. Zuweilen stehen diese Fleckchen kranzartig an dem stumpfen Ende, zuweilen verbreiten sie sich über das ganze Ei; dieses aber ist, aller Anderung ungeachtet, immer als Kreuzschnabelei zu erkennen. Die sorgsame Mutter gibt sich dem Brutgeschäfte mit regem Eifer hin, während das Männchen auch seinerseits durch Atzung der Mutter die ihm zufallende Arbeit freudig übernimmt. Die Jungen, die von den Eltern sehr geliebt werden, erhalten vom ersten Tage ihres Lebens an Fichten- oder Kiefernsamen zur Speise, zuerst solchen, welcher im Kropfe der Alten erweicht und halb verdaut ist, später härteren, wachsen rasch heran und sind bald recht gewandt und munter, bedürfen aber länger als alle anderen Sperlingsvögel besonderer Pflege der Eltern, weil ihr Schnabel erst nach dem Ausfliegen zum Kreuzschnabel wird, sie also bis dahin nicht im stande sind, Kiefern- oder Fichtenzapfen zu öffnen. Sie umlagern daher noch lange nach ihrem Ausfliegen die arbeitenden Alten, schreien ununterbrochen wie unartige Kinder, fliegen den Eltern eilig nach, wenn diese den Baum verlassen, oder locken so lange und so ängstlich, bis sie zurückkommen. Nach und nach gewöhnen die Alten sie ans Arbeiten. Zuerst werden ihnen deshalb halbgeöffnete Zapfen vorgelegt, damit sie sich im Aufbrechen der Schuppen üben; später erhalten sie die abgebissenen Zapfen vorgelegt, wie diese sind. Auch wenn sie allein fressen können, werden sie noch eine Zeitlang geführt, endlich aber sich selbst überlassen. Jagd und Fang der Kreuzschnäbel verursachen keine Schwierigkeit. Die neu bei uns angekommenen lassen sich, ohne wegzufliegen, von dem Schützen unterlaufen, bleiben sogar oft dann noch auf demselben Baume sitzen, wenn einer oder der andere ihrer Gefährten herabgeschossen wurde. Der Fang ist, wenn man erst einen von ihnen berückte, noch leichter als die Jagd. In Thüringen nimmt man hohe Stangen, bekleidet sie oben buschartig mit Fichtenzweigen und befestigt an diesen Leimruten. Die Stangen werden auf freien Blößen im Walde vor Tagesanbruch aufgestellt und ein Lockvogel im Bauer unten an ihnen befestigt. Alle vorüberfliegenden Kreuzschnäbel nähern sich wenigstens dieser Stange, um nach dem rufenden und lockenden Genossen zu schauen. Viele setzen sich auch auf den Busch und dabei gewöhnlich auf eine der Leimruten. Kreuzschnäbel: Treiben im Walde. Nistzeit. Junge. Fang. 329
Man darf wohl behaupten, daß der Nutzen, den die Kreuzschnäbel bringen, den geringen Schaden, den sie uns bereiten können, reichlich aufwiegt. Ganz abgesehen von dem Vergnügen, das sie jedem Tierliebhaber gewähren, oder von der Zierde, die sie im Winter den Nadelbäumen verleihen, nützen sie entschieden dadurch, daß sie in samenreichen Jahren die überladenen Wipfel durch Abbeißen der Fichtenzapfen erleichtern und diese hierdurch erhalten. Neuerdings hat man auch sie als schädlich, mindestens forstschädlich, hinzustellen versucht, dabei aber wohl nur an die dürftigen Waldungen der armen Mark und anderer Gaue Deutschlands, nicht aber an die frischen Wälder unserer Mittelgebirge gedacht. Hier finden sie, wenn sie erscheinen, einen so überreich gedeckten Tisch, daß kein Forstmann die Zapfen, die sie aufbrechen, ihnen nachrechnet oder mißgönnt. Finken mit Hakenschnabel, kurzen Flügeln und langem Schwanze sind die Kernknacker (Coccoborinae). Der Schnabel ist gewöhnlich sehr stark, dick, bauchig kegelförmig, die Spitze des Oberschnabels hakig über die des unteren gebogen und hinter dem Haken ausgekerbt, der Mundrand mehr oder weniger eingezogen, schwach winkelig, der kräftige Fuß hochläufig und langzehig, die erste Schwinge des Fittichs stets beträchtlich verkürzt, die dritte neben der vierten in der Regel am längsten, der lange Schwanz meist zugerundet, seltener abgestutzt oder ausgeschnitten, das Gefieder voll, weich, ohne Metallglanz, oft einfarbig grau oder grünlich olivengrau, seltener rotgelb oder schwarz und noch seltener durch lebhafte Farbenfelder ausgezeichnet. Südamerika beherbergt die meisten Arten dieser Unterfamilie; in Nordamerika kommen verhältnismäßig wenige vor. Die Kernknacker haben in ihrem Wesen viel mit unseren Kernbeißern, aber auch manches mit den Gimpeln gemein, bewohnen mehr die Gebüsche und Vorwälder als den eigentlichen Urwald und fressen harre Sämereien, Beeren und Kerbtiere. Die meisten sind klaͤnglose Geschöpfe, von denen man höchstens kurze Locktöne hört, andere hingegen berühmt wegen ihrer Lieder und deshalb hochbeliebte Stubenvögel. * „Einst, im August“, erzählt Audubon, „als ich mich mühselig längs der Ufer des Mohawkfflusses dahinschleppte, überkam mich die Nacht. Ich war wenig bekannt in diesem Teile des Landes und beschloß deshalb, da zu übernachten, wo ich mich gerade befand. Der Abend war schön und warm; die Sterne spiegelten sich wieder im Flusse; von fern her schallte das Murmeln eines Wasserfalles. Mein kleines Feuer war unter einem Felsen bald angezündet, und ich lag neben ihm hingestreckt. In behaglicher Ruhe, mit geschlossenen Augen, ließ ich meinen Gedanken freien Lauf und befand mich in einer geträumten Welt. Da plötzlich drang mir in die Seele der Abendgesang eines Vogels, so klangvoll, so laut, wegen der Stille der Nacht, daß der Schlaf, der sich bereits auf meine Lider herabgesenkt hatte, wieder von hinnen floh. Niemals hat der Wohllaut der Töne mich mehr erfreut. Er bebte mir durchs Herz und machte mich glückselig. Fast hätte ich meinen mögen, daß selbst die Eule durch den süßen Wohllaut erfreut war; denn sie blieb still diese Nacht. Lange noch, nachdem die Töne verklungen waren, freute ich mich über sie, und in dieser Freude schlief ich ein.“
Der Vogel, von welchem der dichterische Forscher so begeistert spricht, ist der Rosenbrustknacker (Coccoborus ludovieianus, Coccothraustes und Hedymeles ludovicianus und rubricollis, Loxia ludoviciana, rosea und obscura, Fringilla, Guiraca und Goniaphaea ludoviciana), Vertreter der Gattung der Kardinäle (Coccoborus), deren
—
hauptsächlichstes Merkmal in dem meistens gerundeten Schwanze zu suchen ist. Die Länge beträgt 18, die Breite 29, die Fittichlänge 9, die Schwanzlänge 7 em. Oberseite, Flügel, Schwanz, Kinn und Oberkehle sind schwarz, die übrigen Unterteile, mit Ausnahme eines breiten, winkelig bis zur Brustmitte herabgezogenen scharlachroten Kropfschildes, weiß, Bauch und Schenkelseiten mit einzelnen schwarzen Strichen gezeichnet, die Handschwingen in der Wurzelhälfte auf beiden Fahnen, die Armschwingen, deren Deckfedern sowie die größten
Kardinal (Coccoborus virginianus) und Nosenbrustknacker (Coccoboxus ludovicianus). /8 natürl. Größe.
oberen Flügeldecken am Ende weiß, die Achseln und unteren Flügeldecken scharlachrot, die äußeren Schwanzfedern innen in der Endhälfte weiß. Der Augenring ist nußbraun, der Schnabel blaßgelb, der Fuß gräulichbraun. Beim Weibchen sind die Oberteile erdbraun, durch dunklere Schaftstriche, Kopf und Brust gelbbräunlich, durch dunklere Längsstriche gezeichnet, ein Längsstreifen auf dem Scheitel, ein breiter Augenbrauenstreifen und der Zügel weiß, die Kopfseiten, Schwingen und Steuerfedern braun, die Armschwingen, deren Deckfedern und die größten Oberflügeldecken am Ende weiß, die Unterflügeldeckfedern orangefarben.
XX
Das Verbreitungsgebiet umfaßt den Osten der Vereinigten Staaten, nordwestlich bis zum Saskatschewan, westlich bis Nebraska, das Wandergebiet auch Mittelamerika, bis Neugranada hinab. Innerhalb der angegebenen Länder tritt der Vogel jedoch nicht regelmäßig und immer nur einzeln auf. Häufig ist er im südlichen Indiana, im nördlichen Illinois und im westlichen Jowa; in Massachusetts scheint er allmählich zuzunehmen. „Ich habe“, fährt Audubon fort, „diesen prachtvollen Vogel in den unteren Teilen von Louisiana, Kentucky und bei Cincinnati im März, wenn er ostwärts zog, oft beobachtet. Er flog dann in bedeutender Höhe und setzte sich nur zuweilen auf die Spitze des höchsten Baumes im Walde, als ob er ein wenig ruhen wolle. Ich habe ihn auf seiner Wanderschaft verfolgt, in Pennsylvanien, New York und anderen östlichen Staaten, durch die britischen Provinzen von Neubraunschweig und Neuschottland bis Neufundland, wo er häufig Brutvogel ist; aber niemals sah ich ihn in Labrador und ebensowenig an der Küste von Georgia oder Karolina, obgleich er hier in den Gebirgen vorkommt. Längs der User des Schuylkillflusses, 20 oder 30 englische Meilen von Philadelphia, traf ich ihn Ende Mai in zahlreicher Menge, ebenso in den großen Fichtenwäldern desselben Staates, noch häufiger aber in New York und vorzugsweise längs des prächtigen Flusses, dessen ich oben gedachte, oder am Ontario und Eriesee. Sein Flug ist hart, geradeaus, aber gefällig. Wandernd streicht er hoch über die Wälder dahin und stößt ab und zu einen hellen Ton aus, während er zu schweigen pflegt, wenn er sich niedergelassen hat. Dies geschieht gegen Sonnenuntergang, und zwar wählt er sich immer den höchsten Baumwipfel, auf welchem er sich aufrecht und steif hält, solange er hier verweilt. Nach wenigen Minuten senkt er sich gewöhnlich in ein Dickicht hernieder, um in ihm die Nacht zu verbringen.“ Die Nahrung besteht in Grassämereien und Beeren, im Frühlinge auch in Knospen und zarten Blüten. Nebenbei jagt er Kerbtiere, nicht selten im Fluge. Das Nest fand Audubon vom Ende des Mai an bis zum Juli in den obersten Zweiggabeln niederer Büsche oder höherer Bäume, am liebsten auf solchen, welche ein Gewässer beschatten. Es besteht aus trockenen Baumzweigen mit dazwischen verwobenen Blättern und Rindenstücken der wilden Rebe und ist innen mit zarten Würzelchen und Roßhaaren ausgekleidet. Das Gelege bilden 4—5 Eier von ungefähr 26 mm Längs- und 18 mm Querdurchmesser, blaugrüner Grundfärbung und rötlichbrauner und graublauer, über das ganze Ei verteilter, gegen das stumpfe Ende einen Kranz bildender Fleckung. Beide Geschlechter brüten, wie es scheint, nur einmal im Jahre. Die Jungen werden zuerst mit Kerbtieren, später mit allerlei im Kropfe aufgequellten Sämereien gefüttert. Erst im dritten Lebens-— jahre legen sie das Kleid ihrer Eltern an. Unter den Amerikanern gilt der Rosenbrustknacker für einen der besten und unermüdlichsten Sänger. Sein Lied ist reich an Weisen und höchst wohllautend; die einzelnen Töne sind voll und klar. Bei guter Witterung singt er während der Nacht, wie Nuttall sagt: „mit all den verschiedenen, ergreifenden Tönen der Nachtigall, bald schmetternd, laut, klar und voll, bald klagend und hierauf wieder lebhaft und endlich zart, süß und gehalten“. Besagter Berichterstatter glaubt, daß er von keinem anderen amerikanischen Singvogel, mit alleiniger Ausnahme der Spottdrossel, übertroffen werde, geht hierin aber wohl zu weit. Das Gepräge des Gesanges ist das der Klage, gleichsam der Ausdruck der Wehmut, und ein solches Lied kann zuletzt geradezu zur Verzweiflung bringen. Demungeachtet zählt der Rosenbrustknacker zu den guten Sängern und außerdem zu den dauerhaftesten Käfigvögeln.
Der auch in Europa wohlbekannte Kardinal oder Rotvogel (Coccoborus virginianus, Cardinalis virginianus, Loxia, Fringilla, Coccothraustes und Pytilus cardinalis, Abbildung S. 331) ist 20 emtlang; seine Breite beträgt 26, die Fittichlänge 7, au
die Schwanzlänge 8 em. Die vorherschrende Färbung des Gefieders ist ein lebhaftes Scharlachrot, Mantel, Schultern und Bürzel sind düsterer, die Federn am Ende schmal verloschen fahlgrau gesäumt, die Zügel, ein schmales Augenrändchen, Kinn und Oberkehle schwarz, die Schwingen dunkel scharlachrot, im Spitzendrittel braun, die letzten Armschwingen außen fahlbraun gesäumt, die Schwanzfedern dunkel scharlachrot, unterseits glänzend. Der Augenring ist rotbraun, der Schnabel rot, der Unterschnabel an der Wurzel schwarz, der Fuß braun. Beim Weibchen sind der Vorderkopf und die Oberseite rehbraun, die Unterteile gelbbraun, am lebhaftesten auf Kopf, Brust und Bauch, die Haube, die Außenfahne der Schwingen, die Deckfedern und der Schwanz düster scharlachrot, Kinn und Kehle grauschwärzlich. Das Verbreitungsgebiet umfaßt die südlichen Vereinigten Staaten, Mexiko und Kalifornien. In gelinden Wintern verweilt er jahraus, jahrein an demselben Orte; bei stren—⸗ gerer Witterung wandert er. Wegen seines prachtvollen Gefieders fällt er schon von weitem in die Augen und bildet eine wahre Zierde des Waldes. Nach dem Prinzen von Wied hält er sich am Tage gern in den dichtverworrenen Zweigen der Schlingpflanzen auf und streift von hier aus nach den benachbarten Feldern und Gärten; man begegnet ihm daher sowohl in der Nachbarschaft der Städte als auch im tiefsten und einsamsten Walde. „Ihr seht ihn“, sagt Audubon, „in unseren Feldern, Baumgängen und Gärten, ja oft genug im Inneren unserer südlichen Städte und Dörfer: es ist sogar ein seltener Fall, daß man in einen Garten kommt, ohne einen der roten Vögel zu gewahren. Aber wo er auch sein mag, er ist überall willkommen, der Liebling jedermanns, so glänzend ist sein Gefieder, so reich sein Gesang.“ Während des Sommers lebt er paarweise, im Herbste und Winter dagegen in kleinen Gesellschaften. Bei strenger Kälte kommt er, wenn er im Lande bleibt, nicht selten in das Gehöft des Bauern und pickt hier vor der Scheuer mit Sperlingen, Tauben, Schneevögeln, Ammerfinken und anderen Gesäme auf, dringt in offene Ställe und Böden oder sucht an den Einhegungen der Gärten und Felder nach Nahrung. Mit seinem dicken Schnabel weiß er die harten Körner des Maises geschickt zu zerkleinern, Hafer zu enthülsen und Weizen zu zermalmen; in einem benachbarten Heuschober oder einem dichtwipfeligen Baume findet er eine geeignete Nachtherberge, und so übersteht er den Winter ziemlich leicht. Unruhig und unstet, hält er so sich nur minutenlang an einer ihm zusagenden Stelle auf, sonst hüpft und fliegt er hin und her, auf dem Boden mit ziemlicher Geschicklichkeit, im Gezweige mit großer Gewandtheit. Der Flug ist hart, schnell, ruckweise und sehr geräuschvoll, wird aber ungern weit ausgedehnt. Wechselseitiges Ausbreiten und Zusammenlegen, Zucken und Wippen des Schwanzes begleitet ihn, wie alle übrigen Bewegungen. Wenn er wandert, reist er teilweise zu Fuße, hüpft und schlüpft von Busch zu Busch und fliegt von einem Walde zum anderen. Während der Paarungszeit stürzen sich die Männchen mit Wut auf jeden Eindringling in ihr Gehege, folgen ihm unter schrillem Geschrei von Busch zu Busch, fechten heftig in der Luft mit ihm und ruhen nicht eher, als bis der Fremde ihr Gehege verlassen hat. Innig ist die Anhänglichkeit der Gatten. „Als ich“, sagt Audubon, „gegen Abend eines Februartages das Männchen eines Paares im Stellbauer gefangen hatte, saß am anderen Morgen das Weibchen dicht neben dem Gefangenen, und später fing es sich auch noch.“ Der Nistplatz ist ein Busch oder ein Baum nahe am Gehöfte, inmitten des Feldes, am Waldrande oder im Dickicht. Nicht selten findet man das Nest in unmittelbarer Nähe eines Bauernhauses und oft nur wenige Meter entfernt von dem eines Spottvogels. Es besteht aus trockenen Blättern und Zweigen, namentlich stachligen Reisern, die mit Halmen und Reben-⸗ schlingen verbunden, innen aber mit zarten Grashalmen ausgelegt sind. Das Gelege bilden 4—6 Eier von schmutzigweißer Farbe, über und über mit olivenbraunen Flecken gezeichnet. Sie haben Ahnlichkeit in der Färbung mit denen der Kalanderlerche oder mit denen