Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel
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jedoch stumpfen Krallen bewehrt, der Flügel lang, in ihm die dritte Schwinge die längste, der Schwanz kurz, in der Mitte merklich ausgeschnitten, das Gefieder reich. Die Oberteile sind graubraun, Nacken und Halsseiten deutlicher grau, Mantel und Schultern durch breite, dunkelbraune Schaftflecken gezeichnet, Kinn und Kehlfedern weiß mit schwarzen Endsäumen, die übrigen Unterteile bräunlichgrau, seitlich rostrot, durch die verwaschenen weißlichen Seitensäume der Federn geziert, untere Schwanzdecken braunschwarz, am Ende breit weiß, Schwingen und deren Deckfedern braunschwarz, außen rostbräunlich gerandet und an der Spitze weiß, die größten oberen Schwanzdeckfedern am Ende ebenfalls weiß, die Schwanzfedern schwarzbraun, außen fahlbraun gesäumt, am Ende der Innenfahne rostweißlich. Das Auge ist braun, der Schnabel hornschwarz, der Unterschnabel horngelb, der Fuß gelbbräunlich. Das Weibchen unterscheidet sich durch etwas mattere Färbung; die Jungen sind auf dem grauen Grunde oben rostgelb und schwärzlich, unten rostgelb, grau und grauschwarz gefleckt, die braunschwarzen Schwungfedern rostfarben gekantet, die Flügel durch zwei rostgelbe Bin—⸗ den, die braunen Schwanzsteuerfedern durch rostgelbe Spitzen geziert. Das Auge ist hellbraun, der Schnabel an der Wurzel gelb, an der Spitze schwarz, der Fuß bräunlich. Die Länge beträgt 18, die Breite 30, die Fittichlänge 10, die Schwanzlänge 7 em. Alle höheren Gebirge Süd- und Mitteleuropas beherbergen die Flüelerche. Auf den Alpen ist sie überall häufig, auf dem Riesengebirge eine zwar seltenere, aber doch regelmäßige Erscheinung. In der Schweiz scheint sie ziemlich alle Gebirgsketten zu bewohnen; wenigstens traf sie Girtanner überall im Gebirge an, wo die Bedingungen, welche sie an das Leben stellt, ersüllt sind. Im Riesengebirge beschränkt sich ihr Aufenthaltsort auf wenige Stellen, namentlich die Riesenkoppe und das Hohe Rad, woselbst man sie, wenn man sie einmal erkundet hat, wenigstens im Sommer jederzeit annähernd auf derselben Stelle bemerken kann, da ihr ein Gebiet von wenigen Hektaren vollkommen zu genügen scheint. In der Schweiz sieht man sie, laut Girtanner, fast immer in kleinen Trupps, welche die Nähe der Sennhütten und Viehställe der Gebirgseinsamkeit vorzuziehen scheinen, mindestens sofort hier sich zeigen, wenn das Wetter stürmisch ist oder höher oben im Gebirge Schnee fällt. So hoch wie der Schneefink steigt sie nicht empor, treibt sich vielmehr am liebsten an Steinhalden umher, welche an Felsenwände sich anlehnen und nicht alles Pflanzenlebens erman⸗— geln. An regengeschützten Stellen der Absätze jener Wände steht auch gewöhnlich das Nest des Paares. Zum Singen wählt sich das Männchen entweder einen hervorstehenden Felsbrocken oder einen einzelnen hohen Stein. Der Gesang ist nicht eben bedeutend, doch auch nicht langweilig und entspricht ganz dem im allgemeinen sanften, freundlichen Wesen des Sängers selbst. Unbeobachtet oder wenigstens vollster Sicherheit sich bewußt, hüpft der zusammengehörende Haufe unablässig über und zwischen bemoosten Felsstücken umher, dabei beständig freundliche Locktöne ausstoßend und allmählich vorwärts rückend. Währenddem ergreift der Schnabel bald ein Kerbtier, bald ein Samenkörnchen, bald ein Würmchen, bald eine Beere; denn dem Flüevogel ist fast alles recht, das nicht zu hart oder zu wehrfähig erscheint. Solange er in den höheren Gebirgen auszuhalten vermag, d. h. solange nicht Schneemassen den Boden allzu dick überschütten, verläßt er seinen Stand nicht, weicht aber natürlich der Tiefe zu, sobald jene die kalte Hand auf ihre Futterquelle legen. Im Winter kommt er bis in die Bergdörfer herunter, geht dann mit der Steinkrähe und den Schneefinken den Spuren der Pferde auf den Landstraßen nach oder erscheint selbst zwischen den stillen Hütten der Alpler. In günstigen Sommern brütet auch der Alpenflüevogel zweimal; denn man findet sehr frühzeitig und noch zu Ende Juli Eier im Neste. Letzteres wird in Steinritzen und Löchern unter Felsblöcken oder in dichten Alpenrosenbüschen, immer aber auf gedeckten und versteckten
Plätzen, aus Erdmoos und Grashalmen erbaut und innen mit dem feinsten Moose oder mit Wolle, Pferde⸗ und Kuhhaaren zierlich ausgelegt. Die 4—6 länglichen, glattschaligen, blaugrünen Eier unterscheiden sich von denen der Heckenbraunelle nur durch die Größe: ihr Längsdurchmesser beträgt 34, ihr Querdurchmesser 17 mm. Gefangene Alpenflüevögel gewöhnen sich leicht ein, werden außerordentlich zahm, dauern bei geeigneter Pflege einige Jahre im Käfige aus und erfreuen durch ihren angenehmen, sanften Gesang und die Unermüdlichkeit, mit welcher sie ihr einfaches Lied vortragen. * Unter allen Gattungen der Unterfamilie sind die eigentlichen Grasmücken (Sylvia) die bekanntesten. Ihre Merkmale liegen in dem schlanken Baue, dem kegelpfriemenförmigen, an der Wurzel noch ziemlich starken, auf dem Firste sanft gebogenen, an der Spitze übergekrümmten, vor ihr mit kleinem Ausschnitte versehenen Schnabel, den starken, ziemlich kurzen Füßen, den mittellangen, leicht zugerundeten Flügeln, unter deren Schwingen die dritte und vierte die anderen überragen, den kurzen oder mittellangen, stets aus 12 Federn gebildeten Schwanz sowie endlich dem reichen, seidigweichen, in der Regel nicht besonders lebhaft gefärbtem Federkleide. Die Grasmücken, etwa 23 Arten umfassend, bewohnen die Osthälfte der Erde, in größter Anzahl den nördlichen altweltlichen Gürtel, nehmen in Laub- und Nadelwäldern, Gebüschen und Gärten ihren Stand, halten sich in der Höhe wie in der Tiefe auf, vereinigen fast alle Begabungen ihrer Familiengenossen in sich, singen vorzüglich, fressen Kerbtiere, Spinnen, Früchte und Beeren und bauen niedrig im Gebüsche kunstlose Nester. Die größte aller in Deutschland lebenden Arten der Gattung ist die Sperbergrasmücke, auch Spanier genannt (SyIvia nisoria, Curruca und Philacantha nisoria, Adophoneus nisorius, undatus und undulatus, Nisoria undata und undulata, Abbildung S. 98). Ihre Länge beträgt 18, ihre Breite 29, ihre Fittichlänge 9, ihre Schwanzlänge 8 em. Die Oberseite des Gefieders ist olivenbraungrau, der Oberkopf etwas dunkler, der Bürzel und das Oberschwanzdeckgefieder mit schmalen weißen, innen schwärzlich gerandeten Endsäumen, das der Stirn und Augenbrauen mit äußerst schmalen, weißlichen Spitzen geziert, das des Zügels grau, der Unterseite weiß, an den Kopf- und übrigen Körperseiten, an Kinn und Kehle mit schmalen dunkeln Endsäumen, auf den Unterflügeln und Unterschwanzdecken mit dunkeln Keilflecken gezeichnet; Schwingen und Schwanzfedern sind dunkelbraun, außen schmal fahlweiß, innen breiter weißlich gerandet, die Enden der Armschwingen und deren Deckfedern sowie der größten oberen Flügeldeckfedern weißlich gesäumt, die äußersten drei Schwanzfedern innen am Ende breit weiß gefärbt. Die Iris ist zitrongelb, der Schnabel hornbraun, unterseits horngelb, der Fuß lichtgelb. Das Weibchen unterscheidet sich durch mattere Färbung. Vom südlichen Schweden an bewohnt oder besucht die Sperbergrasmücke Mittel- und Südeuropa, mit Ausschluß Großbritanniens, ebenso das westliche Asien und Nordchina und wandert im Winter bis ins Innere Afrikas. In einzelnen Teilen unseres Vaterlandes, namentlich in den Auen und an buschigen Ufern größerer Flüsse, ist sie häufig, an anderen Orten fehlt sie gänzlich oder gehört wenigstens zu den größten Seltenheiten. Bei uns zu Lande erscheint sie nie vor dem letzten Tage des April, meist erst Anfang Mai und verweilt höchstens bis zum August in der Heimat. Zu ihrem Sommeraufenthalte wählt sie niederes Gebüsch, dabei mit Vorliebe Dickichte, verläßt diese aber, wenn sie zum Stangenholze herangewachsen sind, um sich anderen, aus jungem Nachwuchse gebildeten zuzuwenden. Höhere Bäume besucht sie bloß während — Zuges. Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IV. 7 BilEHOT2 REHTA NONALEASLS
Auf dem Boden bewegt sie sich schwerfällig, kommt daher auch selten zu ihm herab, fliegt dagegen, obschon ungern, recht gut und durchschlüpft das Gezweige mit überraschender Fertigkeit. Ihre Lockstimme ist ein schnalzendes „Tschek“, der Warnungslaut ein schnarchendes „Err“, der Gesang, gleichsam eine Zusammensetzung des Liedes der Garten- und der Dorngrasmücke, nach Ortlichkeit und Vogel verschieden, im allgemeinen wohllautend und reichhaltig, mit dem einer dem Gebirge entstammten Mönchsgrasmücke jedoch kaum zu vergleichen, auch dem unserer Gartengrasmücke nachstehend, so sehr er diesem im ganzen ähneln mag. E
Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), Gartengrasmücke (Sylyia hortensis) und Mönchsgrasmücke (Sylvia
atricapilla). ½ natürl. Größe.
Der Pfiff des Pirols, der Schlag des Finken, der sogenannte Überschlag des Mönches und andere den umwohnenden Singvögeln abgeborgte Töne werden häufig eingewoben; das Schnarren oder Trommeln aber, welches der Sperbergrasmücke eigentümlich ist und dem Gesange vorauszugehen pflegt, fällt unangenehm in das Ohr. Wie die meisten Verwandten ist auch die Sperbergrasmücke ein sehr fleißiger Sänger und deshalb ein wahrer Schatz für den Wald. Sofort nach der Ankunft im Frühjahre wählt sich jedes Paar ein Gebiet und vertreibt aus ihm alle anderen, welche etwa eindringen. „Das Männchen“, sagt Naumann, „ruht, wenn ein anderes in seinen Bezirk kommt, nicht eher, bis es dieses mit grimmigen Bissen daraus vertrieben hat, und beide raufen sich oft tüchtig. Während das Weibchen das niedere
Gebüsch durchkriecht, am Neste baut oder auf ihm sitzt, treibt sich das Männchen über ihm in den höheren Bäumen unruhig umher, singt, schreit und achtet darauf, daß kein Nebenbuhler kommt. Erscheint einer, so wird er sogleich angefallen und so lange verfolgt, bis er die Flucht ergreift.“ Das Nest steht im Dickicht oder in großen natürlichen Dornhecken, meist ziemlich gut versteckt, in einer Höhe von Im und mehr über dem Boden. Es unterscheidet sich in der Bauart nicht von dem allgemeinen Gepräge. Ende Mai oder Anfang Juni findet man in ihm 4—6 gestreckte, 20 mm lange, 14 mm dicke, zartschalige, wenig glänzende Eier, welche gewöhnlich auf grauweißem Grunde mit hell aschgrauen und blaß olivenbraunen Flecken gezeichnet sind. Die Eltern bekunden am Neste das tiefste Mißtrauen und versuchen regelmäßig sich zu entfernen, wenn sie ein Geschöpf bemerken, welches sie fürchten. Das Weibchen gebraͤucht im Notfalle die bekannte List, sich lahm und krank zu stellen. Nähert man sich einem Neste, bevor es vollendet ist, so verlassen es die Alten gewöhnlich sofort und erbauen dann ein neues; sie verlassen selbst die bereits angebrüteten Eier, wenn sie merken, daß diese von Menschenhänden berührt wurden. Die Jungen bringen die Gewandtheit ihrer Eltern im Durchschlüpfen des Gebüsches sozusagen mit auf die Welt, treten daher sehr bald selbständig auf und entfernen sich vom Neste, noch ehe sie ordentlich fliegen können. Ungestört brütet das Paar nur einmal im Jahre; es hat bei der Kürze seines Aufenthaltes in der Heimat zu mehreren Bruten kaum Zeit. Die Nahrung besteht, wie bei allen Grasmücken, in Kerbtieren, welche auf Blättern und in Blüten leben, zumal Räupchen und Larven verschiedener, meist schädlicher Schmetterlinge und Käfer, Spinnen und allerlei Gewürm, im Herbste aber vorzugsweise in genießbaren Beeren aller Art, im Sommer wohl auch in Kirschen. Bei geeigneter Pflege gewöhnt sich die Sperbergrasmücke im Gebauer ebensogut und rasch ein wie ihre übrigen deutschen Verwandten, ist auch nicht anspruchsvoller als diese, singt bald fleißig und wird zuletzt sehr zahm. Sperbergrasmücke. Meistersänger. 99
Die zweitgrößte Grasmücke Europas ist der Meistersänger (Sylvia orphaea, orphea, grisea, crassirostris und caniceps, Curruca orphea, musica, helenae und jerdoni, Philomela orphea, Abbildung S. 116). Ihre Länge beträgt 17, die des Weibchens 16, die Breite 25, die Fittichlänge 8, die Schwanzlänge 7 em. Das Gefieder ist auf der Oberseite aschgrau, auf dem Rücken bräunlich überflogen, auf dem Scheitel und dem Nacken bräunlich oder mattschwarz, auf der Unterseite weiß, seitlich der Brust licht rostfarbig; die Schwingen und die Steuerfedern sind matt schwarzbraun; die schmale Außenfahne der äußersten Schwanzfeder ist weiß; die breite Innenfahne zeigt an der Spitze einen weißen, keilföormigen Flecken von derselben Färbung, die zweite einen weißen Spitzenflecken. Das Auge ist hellgelb, der Oberschnabel schwarz, der Unterschnabel bläulichschwarz, der Fuß rötlichgrau, ein nackter Ring ums Auge blaugrau. Das Weibchen ist blässer gefärbt als das Männchen und namentlich die Kopfplatte lichter. Der Meistersänger gehört dem Süden Europas an; seine Heimat beginnt im nördlichen Küstengebiete des Mittelmeeres, uns zunächst in Istrien oder der südlichen Schweiz. Da, wo in Spanien die Pinie ihre schirmförmige Krone ausbreitet, wo in den Fruchtebenen Johannisbrot⸗, Feigen⸗ und Olbäume zusammenstehen, wird man selten vergeblich nach ihm suchen. Unter gleichen Umständen lebt er in Griechenland oder auf der Balkanhalbinsel überhaupt, in Italien und Südfrankreich wie in Südrußland, hier wie dort als Sommergast, welcher hier zu Ende des März oder im Anfange des April erscheint und im September wieder verschwindet, in Spanien dagegen nicht vor Ende April, zuweilen erst Anfang Mai eintrifft und kaum länger als bis zum August im Lande verweilt. In Westasien ist er ebenfalls heimisch, in Kleinasien, Persien sowie in Turkistan gemein, und 7*
auch in Gebirgslagen von 2000 m Höhe noch Brutvogel. Deutschland und England soll er wiederholt besucht haben. Seine Winterreise dehnt er bis Mittelafrika und Indien aus; ich erlegte ihn in den Wäldern des Blauen Flusses; Jerdon beobachtete ihn als häufigen Wintergast in ganz Südindien. Abweichend von anderen Grasmücken bevorzugt der Meistersänger höhere Bäume; in dem eigentlichen Niederwalde ist er von mir niemals beobachtet worden. Die Ebenen beherbergen ihn weit häufiger als die Gebirge; denn das bebaute üppige Land, welches regelmäßig bewässert wird, scheint ihm alle Erfordernisse zum Leben zu bieten. Sehr gern besiedelt er auch Kiefernwälder. An derartigen Ortlichkeiten vernimmt man überall seinen Gesang, und hier sieht man, wenn man den Klängen vorsichtig nachgeht, das Paar in den höheren Baumkronen sein Wesen treiben. Auch er ist mißtrauisch und vorsichtig, läßt sich ungern beobachten, sucht beim Herannahen des Jägers immer die dichtesten Zweige der Bäume auf und weiß sich hier so vortrefflich zu verstecken, daß er auf lange Zeit vollkommen unsichtbar ist. Der Meistersänger verdient seinen Namen. Man hat den Wert seines Liedes beeinträchtigen wollen; so viel aber ist zweifellos, daß er selbst in seiner Familie einen hohen Rang einnimmt. Das Lied erinnert einigermaßen an den Schlag unserer Amsel, ist jedoch nicht so laut und wird auch nicht ganz so getragen gesungen. A. von Homeyer, welcher einen Meistersänger längere Zeit im Käfige hielt, sagt, daß er vorzüglicher sänge als irgend eine Grasmücke. „Der Gesang ist höchst eigentümlich. Man wird ihn freilich nur für einen Grasmückengesang halten können, durch den ruhigen Vortrag melodisch zusammengefügter Strophen aber doch auch an einen Spöttergesang erinnert werden, indem er trotz seiner nur den Grasmücken eignen Rundung zeitweise das abgesetzte und schnalzende des Gartensängers hat. Besonders in der Fülle des Tones sowie im allgemeinen in der Art des Vortrages gleicht dieser Gesang am meisten dem der Gartengrasmücke, ist aber lauter, mannigfaltiger und großartiger. Bald ist der Ton gurgelnd, bald schmatzend, bald schäckernd, bald frei heraus von einer solchen Kraft und Fülle, daß er wahrhaft überrascht, während gerade die Gartengrasmücke immer einen und denselben Vortrag behält und aus ihren ruhigen Gurgel- und schnarrenden Tönen nicht herauskommt. Dabei werden die Töne und Strophen des Liedes so deutlich gegeben, daß man sie während des Singens nachschreiben kann, ohne sich übereilen zu müssen. Der Warnungslaut klingt schnalzend wie ‚jett scherr' und ‚truii rarara“, der Angstruf, welcher schnell hintereinander wiederholt wird, wiewieck wieck“.“ Einzelne Meistersänger nehmen auch Töne aus vieler anderer Vögel Liedern auf. Die Nahrung besteht in entsprechendem Kleingetiere, Früchten und Beeren seiner Heimat. Die Brutzeit beginnt Mitte Mai und währt bis Mitte Juli; dann tritt die Mauser ein. Während der Paarungszeit sind die Männchen im höchsten Grade streitlustig, und wenn ihre Eifersucht rege wird, verfolgen sie sich wütend. Das Nest steht hoch oben in der Krone der Bäume, ist gewöhnlich nicht versteckt, sondern, leicht sichtbar, zwischen die Astspitzen gesetzt. In der Bauart unterscheidet es sich nur dadurch von anderen Grasmückennestern, daß es dickwandiger und nicht so lose gebaut ist. Inwendig sind manche Nester mit Rindenstreifen von Weinreben ausgelegt; Thienemann erwähnt eines, welches sogar mit Fischschuppen ausgekleidet war. Das Gelege besteht aus 5 feinschaligen, feinporigen und glänzenden Eiern, welche auf weißem oder grünlichweißem Grunde violettgraue Unter- und gelbbraune Oberflecken zeigen. Letztere können auch gänzlich fehlen. Das Weibchen scheint, nach Krüper, das Brutgeschäft allein zu übernehmen; das Männchen sitzt währenddem nicht in der Nähe, sondern in bedeutender Entfernung vom Neste und singt hier seine Lieblingslieder. Die Jungen werden noch einige Zeit nach dem Ausfliegen geführt und zwar von beiden Eltern; sobald aber die Mauser eintritt, lösen sich die Familien auf.