Brehms Tierleben, Band 2: Die Säugetiere II
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Pangolin (Manis pentadactyla) Ys natürl. Größe.
zusammen, wenn ein Geräusch ihr Ohr traf. Bei einem Mischfutter von geschabtem Fleische und rohen Eiern hielten sie sich gut, verunglückten jedoch durch Zufall.
Sir Emerson Tennent bespricht den Pangolin nur kurz: „Die einzige Art der zahnlosen Tiere, welche Ceylon bewohnt, ist der gepanzerte Ameisenfresser, von den Singalesen Kaballaya, von den Malayen Pangolin genannt, ein Name, welcher die Eigentümlichkeit des Tieres ausdrückt, sich in sich selbst zusammenzurollen, das Haupt gegen die Brust zu kehren und den Schwanz kreisrund um Kopf und Hals zu schlagen, hierdurch gegen feindliche Angriffe sich sichernd. Man findet die 2 m tiefen Höhlen des Kaballaya in trockenem Grunde und erfährt, daß die Tiere hier paarweise zusammen leben und jährlich 2 oder 3 Junge erzeugen. Ich habe zu verschiedenen Zeiten zwei Stücke von ihnen lebend gehalten. Das eine stammte aus der Nähe von Kandy, hatte ungefähr 60 em Länge und war ein liebenswürdiges und anhängliches Geschöpf, welches nach seinen Wanderungen und Ameisenjagden im Hause meine Aufmerksamkeit auf seine Bedürfnisse lenken wollte, indem es auf mein Knie kletterte, wo es sich mit seinem greiffähigen Schwanze sehr geschickt festzuhalten wußte. Das zweite, welches man im Dschangel in der Nähe von Chillaw gefangen hatte, war doppelt so groß, aber weniger nett. Die Ameisen wußten beide mit ihrer runden und
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schleimigen Zunge sehr geschickt anzuleimen. Während des Tages waren sie ruhig und still, um so lebendiger aber mit Einbruch der Nacht.“ i „Chinesen und Inder rechnen“, wie Tennent ferner bemerkt, „den Pangolin zu den Fischen. In Indien nennen die gemeinen Leute das Tier Dschangelfisch; in einem Berichte über chinesische Naturgeschichte heißt es: Der Ling-Le oder Hügelkarpfen wird so genannt, weil Gestalt und Aussehen denen eines Karpfen ähneln; seit er auf dem Lande in Höhlen und Felsenritzen der Hügel (ling) wohnt, erhielt er feinen Namen. Einige nennen ihn auch wohl Lung⸗-le oder Drachenkarpfen, weil seine Schuppen denen eines Drachen ähneln.“ Adams, dessen Mitteilungen letztere Angaben entnommen zu sein scheinen, erwähnt noch, daß die Chinesen unter anderem erzählen, der Pangolin stelle verschiedenen Kerbtieren und namentlich Fliegen gefährliche Fallen, indem er die Schuppen seines Panzers lüfte und warte, bis eine Anzahl von Kerfen, durch seine Ausdünstung angezogen, sich dazwischen angesammelt habe, sodann die ganze Gesellschaft durch plötzliches Zusammenklappen des Schuppenpanzers töte und schließlich die schmählich Betrogenen verzehre. Man sieht den Pangolin oder einen seiner Verwandten (M. dalmanni) oft in den Händen der Chinesen, welche ihn als anziehendes Schautier betrachten und seine Schuppen als Arzneimittel verwenden, sein saftiges Fleisch jedoch nicht auf ihren Tisch bringen.
Einen verhältnismäßig kurzen, breiten, an der Spitze mehr oder weniger stumpf abgerundeten Schwanz hat das Steppenschuppentier (Manis temminckii, Phatages und Smutsia temminckii, Ph. hedenborgii). Es wurde von dem Reisenden Smuts aufgefunden und von Smith mit großer Genauigkeit in seinen Beiträgen zur südafrikanischen Tierkunde beschrieben. In der Größe und Gestalt ähnelt es am meisten dem indischen Verwandten. Der Schwanz, welcher fast die Länge des Körpers erreicht, nimmt erst gegen das Ende zu ab, wo er sich plötzlich abrundet und abstutzt. Der Rumpf ist breit und der Kopf kurz und dick. Eiförmige Schuppen bedecken den Kopf, sehr große, an der Wurzel fein längsgefurchte, an der Spitze glatte, ordnen sich am Rücken in 11—13, am Schwanze in 5 und hinten in 4 Reihen. Die Mittelreihe zählt am Kopfe 9, am Rücken 13 und am Schwanze 6 Schuppen. Auch auf der unteren Seite des Schwanzes liegen zwei Reihen dieser Horngebilde. Ihre Färbung ist ein blasses Gelblichbraun, die Spitze lichter, oft mit einem länglichen, gelben Strich umrandet. Die nackten Teile sind dunkelbräunlich, die Augen rötlichbraun. Die Schnauzenspitze ist schwarz. Erwachsene Männchen erreichen eine Gesamtlänge von ungefähr 80 em, wovon der Schwanz etwa 30 em wegnimmt. Das Steppenschuppentier bewohnt vornehmlich Ost- und Südafrika, findet sich aber auch in Westafrika.
Der Abu-Khirfa oder Rindenvater, wie die Nomaden Kordofans das Steppenschuppentier nennen, findet in den termitenreichen Steppen Afrikas hinlängliche Nahrung und erwünschte Einsamkeit. Erdlöcher bilden seine Wohnungen; doch gräbt es sich niemals so tief ein wie das Erdferkel. Wie dieses ein Nachttier, kommt es erst nach Einbruch der Dämmerung zum Vorschein, ist weder behende noch flüchtig und vermag nicht, sich gegen Feinde zu verteidigen. Ameisen, Termiten, Heuschrecken, Käfer, vielleicht auch Würmer, bilden feine Nahrung. Das einzige (?) Junge, welches es wirft, kommt schon völlig beschuppt zur Welt; doch sind die Schuppen noch weich und gegen die Schwanzspitze hin wenig entwickelt. Die Nomaden jagen das Tier nirgends, und deshalb ist es schwer, eines zu erhalten. Ein uns gebrachtes Stück, und zwar ein erwachsenes Männchen, war von einem Türken zufällig erlegt worden, als es aus seiner Höhle kam. Der durch die sonderbare Erscheinung aufs höchste überraschte Osmane hatte nichts Eiligeres zu thun, als mit seinem Säbel einen fürchterlichen Hieb auf den Panzer des Ungeheuers zu führen und mußte zu noch größerer Überraschung bemerken, daß dieser Hieb kaum eine Wirkung geäußert hatte.
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Wir fanden nur den dritten Teil einer Schuppe abgehauen und einige andere etwas verletzt. Ein den Türken begleitender Araber tötete das ihm bekannte Wesen mit einem einzigen Schlage auf den Kopf und hing es dann als Siegeszeichen an das Pferd seines Herrn, welcher sich ein Vergnügen daraus machte, seine Beute uns als Geschenk zu übergeben.
Später sah ich eines der merkwürdigen Geschöpfe lebend bei einem Kaufmanne in Chartum, welcher es mit Milch und Weißbrot ernährte. Es war vollkommen harmlos wie seine übrigen Gattungsverwandten; man konnte mit ihm machen, was man wollte. Bei Tage lag es zusammengerollt in irgend einer Ecke, nachts kam es hervor und fraß, indem es die Zunge wiederholt in die Milch eintauchte und schließlich auch das Weißbrot anleimte. Ein Steppenschuppentier, welches von Heuglin gefangen hielt, war sehr reinlich und eifrig
bemüht, seinen Unrat immer sorgfältig zu verbergen. Ehe es seinem Bedürfnisse genügte, grub es nach Art der Katzen jedesmal ein Loch und deckte es dann sorgfältig wieder mit Erde zu. In der Mittagszeit schwitzte es außerordentlich stark und verbreitete dann einen höchst unangenehmen Geruch. Mit Läusen und Flöhen war es sehr geplagt; denn es konnte diesen Schmarotzern nirgends beikommen und machte oft die allersonderbarsten Anstrengungen, um sich von den lästigen Gästen zu befreien. Seine Kost bestand in Milch, Eiern und Merisa, einem bierartigen Getränke der Innerafrikaner. Nach Th. von Heuglins Angaben bewohnt das Steppenschuppentier eine selbstgegrabene Höhle, welche jedoch minder tief ist als die des Erdferkels. Hier schläft es am Tage in zusammengerollter Stellung, wobei es den Kopf unter dem Schwanze verbirgt. Gewöhnlich geht es nur auf den Hinterfüßen, ohne mit dem sehr beweglichen Schwanze den Boden zu berühren, ist auch im stande, den Oberkörper fast senkrecht in die Höhe zu richten. Da es seinen Feinden durch die Flucht nicht zu entkommen vermag, auch sonst wehrlos ist, bleibt ihm nur das eine Mittel übrig, angegriffen, sich zu einem festen Knäuel zusammenzurollen und sich so dem Gegner preiszugeben, in der Hoffnung, daß es sein fester Panzer genügend vor Zahn und Klaue schützen werde. Seine
Nahrung besteht aus verschiedenen Ameisenarten, Käfern und Heuschrecken; nach Aussage der Eingeborenen soll es jedoch auch Kafferhirse fressen.
In der letzten Familie vereinigen wir die Erdferkel (Oryeteropodidae), plumpe Tiere mit dickem, ungeschicktem, dünnborstig behaartem Leibe, dünnem Halse, langem, schmächtigem Kopfe, walzenförmiger Schnauze, mittellangem, kegelförmigem Schwanze und kurzen, verhältnismäßig dünnen Beinen, von denen die vorderen vier, die hinteren fünf Zehen haben, welche mit sehr starken, fast geraden und platten, an den Rändern schneidenden, hufartigen Nägeln bewehrt sind. Das Maul ist ziemlich groß, die Augen stehen weit nach hinten, die Ohren sind sehr lang. Im Oberkiefer finden sich, solange das Tier jung ist, in jeder Seite 8, im Unterkiefer 6, bei alten Tieren dagegen dort nur 5 und hier bloß 4 walzenähnliche, wurzellose, faserige und aus unzähligen feinen, senkrecht dicht nebeneinander stehenden Röhren zusammengesetzte Zähne, welche auf der Kaufläche ausgefüllt, am entgegengesetzten Ende aber hohl sind. Der Durchschnitt eines solchen Zahnes sieht täuschend dem eines spanischen Rohres ähnlich. Die vordersten Zähne sind klein und eiförmig, die mittleren an beiden Seiten der Länge nach ausgehöhlt, als wenn sie aus zwei zusammengewachsenen Cylindern zusammengesetzt wären, die hintersten wieder klein und den ersten ähnlich. Im übrigen Gerippe zeichnen sich namentlich die dünnen und runden Rippen, 13 an der Zahl, und die hohen, dünnen Fortsetzungen der Halswirbel aus. Durch ihren Zahnbau entfernen sich die Erdferkel so weit von allen anderen Zahnarmen, daß man für sie, wenn nicht Zweckmäßigkeitsgründe entgegenständen, eine eigene Ordnung aufstellen könnte.
Man hat drei Arten unterschieden, neuerdings aber vielfach Zweifel an deren Selbständigkeit erhoben und in der That auch durchgreifende Unterschiede kaum festzustellen vermocht. Das Erdferkel (Orycteropus capensis, beziehentlich O. aethiopicus und senegalensis) erreicht eine Gesamtlänge von nahezu 2 m, wovon der Schwanz etwa 85 cm wegnimmt, bei einem Gewichte von 50 —60 kg. Die Haut ist sehr dick, mit glatt anliegenden und ziemlich spärlich verteilten, steifen und borstenartigen Haaren bekleidet, das Haar auf der Oberseite des Körpers etwas kürzer als auf der Unterseite, wo es namentlich an den Zehenwurzeln büschelartig hervortritt, die Färbung ist sehr gleichmäßig. Rücken und Seiten sind gelblichbraun mit rötlichem Anfluge, Unterseite und Kopf licht rötlichgelb, Hinterteil, Schwanzwurzel und Gliedmaßen braun, neugeborene Junge fleischfarben.
Die holländischen Ansiedler am Vorgebirge der Guten Hoffnung haben dem Tiere, weil dessen Fleisch im Geschmacke dem des wilden Schweines nahekommt, den Namen Ardvarken (Erdferkel) beigelegt, auch von jeher eifrig Jagd darauf gemacht und es daher gut kennen gelernt. Noch zu Buffons Zeit galt es für ein durchaus fabelhaftes Geschöpf; dieser Naturforscher bestritt Kol bes erste Beschreibung, welche aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts herrührt, ganz entschieden, obgleich sie auch heute noch für uns mehr oder weniger maßgebend ist. Das Erdferkel bewohnt Süd- und Mittelafrika, hier von der Ost- bis zur Westküste rei-chend, nach Art der Gürteltiere vorzugsweise das flache Land, wüstenartige Gegenden und Steppen bevölkernd, wo Ameisen und Termiten heimisch sind. Es ist ein einsames Geschöpf, kaum geselliger als die Gürteltiere, obgleich man es zuweilen in Gesellschaft anderer findet; denn streng genommen lebt jedes einzelne Erdschwein für sich, bei Tage in großen, selbstgegrabenen Höhlen ruhend, bei Nacht umherschweifend. In den Steppen Kordofans, und
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zwar ebensowohl in den mit dünnem Walde bestandenen Niederungen wie in den weiten, mit hohem Grase bewachsenen Flächen, wo sich nur wenige Büsche finden, habe ich seine Höhlen oft gesehen und viel von seiner Lebensweise vernommen, das Tier jedoch niemals zu Gesicht bekommen. Die Nomaden nennen es Abu-Delaf oder Vater, Besitzer der Nägel, und jagen ihm eifrig nach. Erst von Heuglin war so glücklich, eines dieser Tiere lebendig zu erhalten, und konnte auch über die Lebensweise genauere Nachrichten geben. Von ihm erfuhr ich ungefähr folgendes: Das Erdschwein schläft den Tag über in zusammengerollter Stellung in tiefen, selbstgegrabenen Erdlöchern, welche es gewöhnlich hinter sich zuscharrt. Gegen Abend begibt es sich ins Freie, um seiner Nahrung nachzugehen. Es läuft keineswegs besonders rasch, führt aber dabei ganz eigentümliche und ziemlich weite Sprünge aus. Dabei berührt es mit der ganzen Sohle den Boden, trägt den Kopf mit den rückwärts gelegten Ohren senkrecht gegen die Erde gerichtet, den Rücken gekrümmt, und schleppt den Schwanz zur Erhaltung des Gleichgewichtes mehr oder weniger auf dem Boden fort. Die Schnauzenspitze geht so dicht über letzterem hin, daß der Haarkranz, welcher die Nasenlöcher umgibt, ihn förmlich fegt. Von Zeit zu Zeit steht es still, um zu horchen, ob kein Feind in der Nähe ist, dann geht es weiter. Dabei wird augenscheinlich, daß Geruch und Gehör die ausgebildetsten Sinne sind; denn ebensoviel, wie es mit den Ohren arbeitet, gebraucht es die Nase. Den Nasenkranz schnellt es durch eine rasche Bewegung der Nasenhaut beftän-dig hin und her, und hier und dort richtet es prüfend die lange Schnauze empor, um schnuppernd feiner Beute nachzuspüren. So geht es fort, bis es die Spur einer Ameisenheerstraße findet. Diese wird verfolgt bis zum Baue der Ameisen, und dort beginnt nun die Jagd, ganz nach Art der Gürteltiere oder noch mehr der eigentlichen Ameisenfresser.