Brehms Tierleben, Band 2: Die Säugetiere II
Es besitzt eine unglaubliche Fertigkeit im Graben. Wenige Augenblicke genügen ihm vollkommen, um sich gänzlich in die Erde einzuwühlen, der Boden mag so hart sein, wie er will. Beim Graben arbeitet es mit den starken Krallen der Vorderfüße und wirft große Erdklumpen mit gewaltiger Kraft rückwärts; mit den Hinterfüßen schleudert es dann die losgeworfene Erde so weit hinter sich, daß es in einen förmlichen Staubregen eingehüllt wird. Wenn es an einen Ameisen- oder Termitenbau kommt, beschnuppert es ihn zuerst sorgfältig von allen Seiten; dann geht das Graben los, und das Tier wühlt sich in die Erde, bis es auf das Hauptnest oder wenigstens einen Hauptgang der Kerfe gerät. In solche Hauptgänge, welche bei den Termitenhügeln meist 2 em im Durchmesser haben, steckt nun das Erdferkel seine lange, klebrige Zunge, läßt sie voll werden, zieht sie dann mit den Ameisen zurück und wiederholt dies jo lange, bis es sich vollkommen gesättigt hat. Manchmal schlürft es auch geradezu mit den Lippen Hunderte von Ameisen auf einmal ein; in dem eigentlichen Neste der Termiten aber, in welchem Millionen dieser Kerfe durcheinander wimmeln, frißt es fast wie ein Hund, mit jedem Bissen Hunderte zugleich verschlingend. So geht es von einem Baue zum anderen und richtet unter den alles verwüstenden Termiten nun seinerseits die größte Verheerung an. Mit dem Grauen des Morgens zieht es sich in die Erde zurück, und da gilt es ihm nun ganz gleich, ob es seine Höhle findet oder nicht; denn in wenig Minuten hates sich so tief eingegraben, als es für nötig findet, um den Tag in vollster Sicherheit zu verbringen. Erscheint die Höhle noch nicht tief genug, so gräbt es bei herannahender Gefahr weiter. Es ist keinem Feinde möglich, ihm nach in die Höhle einzudringen, weil es die ausgescharrte Erde mit so großer Kraft nach hinten wirft, daß jedes andere Tier sich bestürzt zurückzieht. Selbst für den Menschen hält es schwer, ihm nachzugraben, und jeder Jäger wird nach wenigen Minuten vollständig von Erde und Sand bedeckt. n Das Erdferkel ist außerordentlich vorsichtig und scheu und vergräbt sich auch nachts bei dem geringsten Geräusche unverzüglich in die Erde. Sein Gehör läßt es die Ankunft
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Erdferkel.
eines größeren Tieres oder eines Menschen von weitem vernehmen, und so ist es fast regelmäßig in Sicherheit, ehe die Gefahr sich naht. Seine große Stärke befähigt es übrigens auch, mancherlei Gefahren abzuwehren. Der Jäger, welcher ein Erdferkel wirklich überrascht und festhält, setzt sich damit noch keineswegs in den Besitz der erwünschten Beute. Wie das Gürteltier stemmt es sich, selbst wenn es nur halb in seiner Höhle ist, mit aller Kraft gegen die Wandungen, gräbt die scharfen Klauen fest ein, krümmt den Rücken und drückt ihn mit solcher Gewalt nach oben, daß es kaum möglich wird, auch nur ein einziges Bein auszulösen und das Tier herauszuziehen. Ein einzelner Mann vermag dies nie; selbst mehrere Männer haben genug mit ihm zu thun. Man verfährt daher ganz ähnlich wie in Amerika mit den Gürteltieren. Die Eingeborenen Ostsudans nähern sich vorsichtig dem Baue, sehen an der in der Mündung liegenden Erde, ob ein Erdferkel darin ist oder nicht, und stoßen nun plötzlich mit aller Kraft ihre Lanze in die Tiefe der Höhle. Ist diese gerade, so wird auch regelmäßig das Tier getroffen, ist sie krumm, so ist die Jagd umsonst. Im entgegengesetzten Falle aber haben die Leute ein ziemlich leichtes Spiel; denn wenn auch das Erdschwein nicht gleich getötet werden sollte, verliert es doch sehr bald die nötige Kraft zum Weiterscharren, und neue Lanzenstiche enden sein Leben. Gelingt es, das Tier lebend aus seinem Gange herauszureißen, so genügen ein paar Schläge mit dem Stocke auf den Kopf, um es zu töten.
Drummond ist in Südafrika auf das Erdferkel auch bei Tage gestoßen und hat ein in den Bau geflüchtetes erfolgreich ausgraben lassen. Er schildert den Vorgang, der sich zutrug, während er in der Steppe auf Kleinwild jagte, folgendermaßen: „Mein Hund, der mir bei der Suche zu weit vorausgeeilt war, zog plötzlich an. Ich lief nach ihm hin und rief ihm zu, aber er achtete nicht darauf, und ehe ich noch in Schußweite gelangt war, sah ich ein nicht erkennbares Tier im Grase aufspringen und davonlaufen; der Hund hetzte es scharf mehrere Hundert Schritt weit und blieb dann vor einem der zahlreich in der Steppe verstreuten Löcher stehen. Dort erkannte ich auch aus den Spuren, daß ich es mit einem Erdferkel zu thun hatte. Ich versuchte zunächst, es aus seinem anscheinend nicht tiefen Verstecke herauszuräuchern; dies mißlang mir aber, obwohl ich viel Brennstoff in das Loch schob und meinen Rock über die Mündung deckte, um den Rauch zurück zu halten. Nun sandte ich den mich begleitenden Kaffer zum Wagen, um Spaten zu holen; während ich 2 Stunden wartete, hörte ich, wie das Erdferkel in der Tiefe unablässig weiterscharrte. Als endlich meine Leute mit Werkzeugen kamen, ließ ich sie eifrigst nachgraben, erkannte aber nach einer halben Stunde, daß wir unser Wild auf diese Weise nicht einholen würden. Darum änderte ich das Verfahren, horchte aufmerksam, wo sich das Tier befand, in welcher Richtung es arbeitete, und ließ nun etwa 1m vor ihm ein senkrechtes Loch in den Boden schlagen. Nach einer Stunde waren wir dem Erdferkel so nahe gekommen, daß es vom Wühlen abließ, zurückwich und endlich aus dem Baue fuhr, worauf ich es mit einem Schusse erlegte.“
Über die Paarung und Fortpflanzung fehlen noch genauere Nachrichten. In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebietes wirft das Weibchen im Mai und Juni ein einziges Junges, welches nackt zur Welt kommt und sehr lange von der Alten gesäugt wird. Nach Jahresfrist ist es am stärksten behaart; später reiben sich die Haare durch das Arbeiten unter der Erde mehr und mehr ab.
Ein von ihm gefangen gehaltenes Erdferkel fütterte von Heuglin mit Milch, Honig, Ameisen, Datteln und anderen Früchten. Das Tier wurde bald zahm, gewöhnte sich an den Pfleger und folgte ihm nach, wenn er im Hofe umherging. Durch seine sehr komischen Sprünge gewährte es Vergnügen, war jedoch im ganzen ein stumpfsinniger und langweiliger Gesell, welcher, sobald er konnte, sich vergrub und fast den ganzen Tag über schlief. Für seine Losung, welche einen sehr durchdringenden Geruch besitzt, scharrte er stets, bevor er
sich ihrer entledigte, mit den Hinterfüßen eine kleine Grube aus, welche mittels der Vorderfüße wieder mit Erde überdeckt wurde.
In den letzten Jahrzehnten ist das Erdferkel wiederholt nach Europa gebracht worden, hat sich hier auch bei entsprechender Pflege über Jahresfrist gehalten. Ungeachtet seiner Schlaftrunkenheit bei Tage verfehlt es nicht, die Aufmerksamkeit eines jeden Tierfreundes zu erregen. Ich habe noch hinzuzufügen, daß es auch sitzend zu schlafen pflegt, indem es sich auf die langen Hinterfüße und den Schwanz wie auf einen Dreifuß stützt und den Kopf mit der langen Schnauze zwischen den Vorderbeinen und Schenkeln zu verbergen sucht. Störungen berühren es in empfindlicher Weise, und es sucht sich auch jeder Behelligung seitens Unbekannter möglichst zu erwehren. Hat es Erde zu seiner Verfügung, so wirft es in solchem Falle diese scharrend hinter sich, um damit den sich Nähernden abzutreiben; läßt man sich trotzdem nicht abschrecken, so gebraucht es seinen Schwanz als Verteidigungswaffe, indem es damit nach rechts und links Schläge austeilt, welche kräftig und wegen der harten, fast spitzigen Borsten ziemlich fühlbar sind. Nach Versicherung eines Wärters soll es im Notfalle auch die Hinterfüße zur Abwehr benutzen. Man füttert das Tier mit fein gehacktem Fleische, rohem Ei, Ameisenpuppen und Mehlbrei, ersetzt ihm damit feine natürliche Nahrung jedoch nur sehr unzureichend. Auch unter dem Mangel an Bewegung scheint es zu leiden, bekommt leicht Geschwüre und wunde Stellen und geht infolgedessen früher zu Grunde, als dem Pfleger lieb ist.
Nur in Gegenden, welche oft Karawanen durchziehen, wird das Erdschwein dem Menschen durch sein Graben schädlich, sonst verursacht es eher Nutzen als Schaden. Nach seinem Tode findet es vielfache Verwendung. Das Fleisch ist dem des Schweines ähnlich und wird bald als vortrefflich, bald als zäh und abstoßend riechend bezeichnet; die dicke, starke Haut wird zu Leder verarbeitet.
A.
Abu-Delaf (Erdferkel) 692.
— el Hossein (Schakalwolf) 35.
— Khirfa (Schuppentier) 683.
— — (Steppenschuppentier) 689.
acadicus: Meriones 475.
acceptorius: Canis familiaris sagax 147.
Ackermäuse 538.
Adamsad (Lippenbär) 258.
Ädaras 387.
Adjag (Wildhund) 68.
adustus: Canis, Lupus 36.
aegyptius: Dipus, Haltomys,
Mus 478.
aethiopicus: Lepus 634.
— Orycteropus 691.
Affe, geflügelter 403.
Affenpintscher 160.
— rauhhaariger 161.
africana: Atherura 565,
africanus: Canis familiaris 123.
agilis: Micromys 515.
— Mustela 611.
agrarius: Mus 509.
agrestis: Agricola, Arvicola,
Mus 538.
Agricola agrestis 538.
Agrodius lalandii 208.
Aguara 277.
Aguarachay 56.
Aguti 583.
aguti: Dasyprocta 583.
Agutis 583.
Ai 646.
Ai (Wildhund) 78.
Ailurinae 263.
Ailuropus melanoleucus 263.
Ailurus fulgens 264.
— ochraceus 264.
Alactaga decumanus 485.
— spiculum 485.
— vexillarius 485.
alactaga: Dipus 485.
Alakdaga, Alagdagen (Pferdespringer) 485.
Alangu (Pangolin) 687.
albicauda: Phoca 311.
Sach-Register.
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albifrons: Ictides, Paradoxurus
albiventer: Stenorhynchus 310.
albus: Canis 32.
— Lepus 629.
— Ursus 247.
alexandrinus: Mus 496.
Algar (Seehund) 309.
Alimvoh (Rohrratte) 607.
Almiqui 387.
Almizilero (Bisamspitzmaus) 400.
alopex: Canis 172.
Alpenhase 629.
Alpenhund 71.
Alpenmurmeltier 446.
Alpenpfeifhase 640.
Alpenwolf 71.
alpina: Marmota 446.
alpinus: Canis, Cuon, Cyon 71.
— Cassus 450.
— Hypudaeus 535.
— Lagomys 640.
— Lepus (Alpenpfeifhase) 640.
— Lepus (Schneehase) 629.
— Sciurus 410.
Ameisenbär 214.
Ameisenbären 657.
Ameisenfresser, zweizehiger 666.
amerrcanus: Castor 464.
— Dipus 475.
— Jaculus 475.
— Tamias 427.
— Ursus 238.
amphibius: Arvicola, Mus, Paludicola 531.
— Sorex 395.
Amphisorex linneanus 395.
— pennantii 395.
Angorisches Kaninchen 639.
angustirostris: Macrorhinus 317.
antarcticus: Canis 77.
anthus: Canis, Lupus 35.
antiquorum: Hyaena 10.
Apar (Kugelgürteltier) 675.
apar: Dasypus, Tatusia 675.
Aperea 577.
aperea: Cavia 577.
aquaticus: Mus (Wanderratte) 497
— Mus (Wasserratte) 531.
aquatilis: Mus 531.
aquilonius: Lepus 621.
arabicus: Fenecus 202.
aranea: Crocidura 393.
araneus: Sorex 393.
Arctictis binturong 266.
— penicillata 266.
arcticus: Rosmarus 323.
Arctocephalus monteriensis 338.
— ursinus 344.
Arctominae 431.
Arctomys bobac 443.
— latrans 436.
— ludovicianus 436.
— marmota 446.
arctomys: Mus 443.
Arctopithecus flaccidus 646.
arctos: Ursus 213. 214.
Ardvarken (Erdferkel) 691.
arenicola: Arvicola 539.
argentoratensis: Arvicola 531.
Armadill 669.
Armadille 669.
armatus: Centetes 385.
arvalis: Arvicola, Mus 539.
Arvicola agrestis 538.
— amphibius 531.
— arenicola 539.
— argentoratensis 531.
— arvalis 539.
– ater 531.
— baillonii 538.
britannica 538.
— destructor 531.
duodecimcostatus 539.
— fulvus (Feldmaus) 539.
fulvus (Waldwühlmaus) 537.
— glareolus 537.
— lebrunii 535.
— leucurus 535.
— monticola 531.
— neglecta 538.
— nivalis 535.
— oeconomus 543.
— pertinax 531.
ѣع
-- pratensis 537.
— pyrenaicus 544.
— riparia 537.
— rufescens 537.
— selysii 544.
— subterraneus 544.
— vulgaris 539.
Arvicolidae 526.
— canadensis 555.
aspalax: Siphneus, Spalax 551.
Assapan 424.
astuta: Bassaris 286.
Aswal (Lippenbär) 258.
ater: Arvicola 531.
— Canis 32.
— Ictides 266.
Atherura africana 565.
Atlasbär 214.
Atoj (Wildhund) 56.
Aulacodus semipalmatus 606.
— swinderianus 606.
aureus: Canis, Lupus 41.
— Collomys 615.
aurita: Viverra 202.
australasiae: Canis 82.
avellanarius: Mus, Muscardinus,
Myoxus 458.
avicularius: Canis familiaris sagax 143.
Avjor (Klappmütze) 314.
Awuk (Walroß) 323.
azarae: Canis, Lycalopex, Pseudalopex, Vulpes 56.
B.
Backenhörnchen 426.
— gestreiftes, sibirisches 426.
Bagyar (indischer Wolf) 33.
baillonii: Arvicola 538.
Bajar⸗kit (Pangolin) 687.
Bana (Lippenbär) 258.
Ban⸗kutta (Wildhund) 66.
Bär, brauner 213. 214.
— gemeiner 213.
— malayischer 245.
barbara: Golunda 517.
barbarus: Canis 41.
— Mus 517.
Bären 210.
Bärenartiges Faultier 258.
Bärenkatze, schwarze 266.
Bärenrobbe 344.
Baribal 238.
Baschohm (Schakalwolf) 35.
Bassaricyon 286.
Bassaris astuta 286.
Bathyergus maritimus 553.
— suillus 553.
Baumschläfer 455.
Baumstachler 570.
Bayrischer Gebirgsschweißhund 146.
Beagle (Stöberhund) 150.
Berbermaus 517.
Bernhardinerhund 153.
Bhalu (Kragenbär) 242.
Bhaosa (Wildhund) 66.
Biber 461. 463.
Biberspitzmäuse 399.
Bicho ciego (Schildwurf) 682.
bicolor: Sorex 395.
Bighana (indischer Wolf) 33.
Bilch 452.
Bilche 451.
Binturong 266.
binturong: Arctictis, Viverra 266.
Birkfuchs 174.
Sach-Register.
Biruang (malayischer Bär) 245.
Bisamratte 527.
Bisamrüßler 399.
Bisamspitzmaus 400.
bivittata: Myrmecophaga, Tamandua 663.
Bladder (Klappmütze) 314.
Bladdernase 314.
Blasenrobben 314.
Blaudruselur (Sattelrobbe) 311.
Blenheimhündchen 151.
Blindmaus 550.
Bobak 443.
bobac: Arctomys 443.
Boharja (Kaberu) 36.
Bolita (Kugelgürteltier) 675
bonariensis: Myopotamus 601.
Booswölff 21.
borealis: Canis familiaris domesticus 167.
— Cystophora 314.
— Lepus 629.
Borstenferkel 606.
Borstengürteltier 669.
Borstenigel 385.
Boxer 134.
brachyotus: Cercoleptes 286.
brachyura: Manis 687.
brachyurus: Procyon 268.
Bradypodidae 644.
Bradypus didactylus 646.
— pallidus 646.
— tridactylus 646.
— ursinus 258.
Brandfuchs 174.
Brandmaus 508. 509. 514. 515.
brasiliensis: Canis 54.
Brasilischer Fuchs 56.
— Rehhund 56. 124.
Braunbär (Grislibär) 233.
Brauner Bär 213. 214.
brevicaudata: Chinchilla 609.