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Jede:r Vierte unter 35 überqualifi- ziert Modul 2024 „Junge Menschen auf dem
Arbeitsmarkt“ Arbeitsmarkt im Fokus 11/2025

Jede:r Vierte unter 35 überqualifiziert
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Jede:r Vierte unter 35 überqualifiziert
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Jede:r Vierte unter 35 überqualifiziert Berufliche Tätigkeiten, die die Fähigkeiten einer Person nicht angemessen ausschöpfen, können sich negativ auf Motivation, Arbeitsleistung und sogar das gesamte Berufsleben auswirken. Gerade bei jüngeren Erwerbstätigen (unter 35 Jahre) kann es häufiger zu Diskrepanzen zwischen den er­ worbenen Kenntnissen und Fähigkeiten und den Anforderungen der ersten beruflichen Tätigkeiten kommen als in den höheren Altersgruppen.1
Die wichtigsten Einflussfaktoren für eine Überqualifikation von Personen unter 35 Jahren festzu­ stellen, war eine der Aufgaben des Moduls „Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt“, das im Jahr 2024 europaweit erhoben wurde.2 Dabei wurden im Rahmen der österreichischen Mikrozensus- Arbeitskräfteerhebung insgesamt 7 271 Personen im Alter von 15 bis 34 Jahren befragt, hochge­ rechnet entspricht dies 2 109 400 Personen. Der Großteil der Personen dieses Alters (82,7 % bzw. 1 744 100) war entweder gegenwärtig oder bereits zu einem früheren Zeitpunkt erwerbstätig. Diese Jugendlichen oder jungen Erwachsenen mit Berufserfahrung wurden u. a. gefragt, ob ihre Arbeit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten3 entspricht oder ob diese höher oder niedriger sind als nötig. Entsprechen die Kenntnisse und Fähigkeiten der Arbeit? Die große Mehrheit (71,8 %) der hochgerechnet 1 744 100 unter 35-Jährigen gab an, dass die Summe ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten den Anforderungen der derzeitigen (bzw. früheren)4 Ar­ beit entspricht (siehe Abbildung 1). Fast jede:r Vierte (24,7 %) meinte jedoch, die eigene Qualifika­ tion sei höher als der Job es erfordere. Nur 3,5 % der Personen unter 35 Jahren erklärten in Bezug auf ihre aktuelle oder frühere Tätigkeit unterqualifiziert zu sein. Zwischen den Geschlechtern wa­ ren hinsichtlich einer Über- bzw. Unterqualifikation geringere Unterschiede festzustellen. Grund­ sätzlich entsprachen bei Männern die Kenntnisse und Fähigkeiten – ihrer eigenen Einschätzung 1 Im Rahmen des Moduls 2014 der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung wurden diesbezüglich alle Erwerbstätigen von 15 bis 64 Jahren befragt: Hier zeigte sich, dass sich 25- bis 34-jährige Erwerbstätige häufiger als überqualifi­ ziert einschätzten als z. B. 55- bis 64-jährige.
2 Detaillierte Tabellen dazu finden sich unter Weiterführende Arbeitsmarktthemen bei den Detailergebnissen. 3 Hier sind alle Kenntnisse, Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen gemeint, welche die Befragten im Rahmen ihrer Ausbildung, ihres Studiums, ihrer Praktika und ihrem bisherigen Berufsleben erworben haben.
4 Personen, die zwar zum Zeitpunkt der Befragung nicht erwerbstätig waren, aber davor bereits gearbeitet haben, sollten sich auf ihren früheren Job und auf ihren damaligen Kenntnisstand beziehen.

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4 von 10 nach – besser den Anforderungen der Arbeit (73,0 %) als bei Frauen (70,5 %). Frauen hingegen ver­ fügten etwas häufiger (26,4 %) als Männer (23,2 %) – gemäß Selbstbeurteilung – über höhere Kenntnisse als erforderlich. Abbildung 1: Entsprechung aller Kenntnisse bzw. Fähigkeiten und Arbeit, in Prozent

Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung – Modul 2024 „Junge Menschen auf dem Ar­ beitsmarkt“. – Erwerbstätige und ehemals Erwerbstätige unter 35 Jahren. – Alle Kenntnisse, Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen einer Person. – Personen, die zwar zum Zeitpunkt der Befragung nicht er­ werbstätig waren, aber davor bereits gearbeitet haben, sollten sich auf ihre frühere Arbeit und auf ihren da­ maligen Kenntnisstand beziehen. Im Rahmen dieses Moduls wurde die Übereinstimmung zwischen beruflicher Tätigkeit und Qualifi­ kationen auf unterschiedliche Weise erhoben: Zum einen wurde sie in Hinblick auf alle Kenntnisse und Fähigkeiten einer Person ermittelt, zum anderen nur in Bezug auf das Bildungsniveau (höchste abgeschlossene Bildung). Bei dieser Betrachtungsweise ist die Übereinstimmung zwischen Arbeit und formaler Ausbildung in etwas geringerem Ausmaß gegeben, als wenn alle Kompetenzen einer Person berücksichtigt werden. Bei 69,2 % der 15- bis 34-jährigen Erwerbstätigen und ehemals Er­ werbstätigen entsprach ihrer eigenen Einschätzung zufolge die (letzte) Arbeit ihrem Bildungsni­ veau, bei 22,6 % war das Bildungsniveau höher, bei 8,1 % niedriger als für die Arbeit nötig. Im Rah­ men der Datenanalyse lässt sich bei beiden Bezugsgrößen (alle Kenntnisse vs. ausschließlich for­ male Bildung) grundsätzlich ein ähnliches Muster erkennen, nur auf etwas unterschiedlichem Ni­ veau.

71,8 24,7 3,5 entsprechen der Arbeit sind höher als nötig sind niedriger als nötig Kenntnisse und Fähigkeiten...

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5 von 10 Höchste abgeschlossene Bildung Die Art der abgeschlossenen Bildung hat einen großen Einfluss darauf, ob sich eine Person als überqualifiziert bezeichnet oder nicht. Am seltensten gaben Personen mit maximal Pflichtschulab­ schluss (13,9 %) an, dass ihre, bis dato erworbenen, Kenntnisse und Fähigkeiten über ihre Joban­ forderungen hinausreichen (siehe Abbildung 2). Auch Personen mit Lehrabschluss (20,2 %) schätz­ ten sich vergleichsweise selten als überqualifiziert ein. Überdurchschnittlich hoch (28,6 %) ist das Ausmaß an Überqualifikation bei Personen, die an einer berufsbildenden höheren Schule (BHS) maturiert haben. Am weitaus häufigsten haben aber Absolvent:innen einer allgemein bildenden höheren Schule (AHS) angegeben (46,9 %), dass ihre Kenntnisse höher sind als für ihre Arbeit er­ forderlich. Abbildung 2: Überqualifikation nach höchster abgeschlossener Bildung, in Prozent

Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung – Modul 2024 „Junge Menschen auf dem Ar­ beitsmarkt“. – Erwerbstätige und ehemals Erwerbstätige unter 35 Jahren. – Gemäß Selbsteinschätzung hö­ here Kenntnisse als nötig. Generell weisen junge Erwachsene, die sich noch in Ausbildung befinden, eine niedrigere Überein­ stimmung mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten auf als jene mit abgeschlossener Aus­ bildung. Das heißt, sie geben etwas häufiger an, für ihre Arbeit überqualifiziert zu sein als Perso­ nen, die sich derzeit nicht in Ausbildung befinden (28,7 % vs. 23,5 %). Eine mögliche Erklärung da­ für ist, dass es sich hierbei häufig um Personen – oft Studierende – handelt, die sich neben ihrer Ausbildung etwas dazuverdienen. Diese Nebentätigkeiten finden typischerweise in Berufen mit niedrigerem Qualifikationsniveau statt. Aufgrund der dualen Ausbildung gelten auch Personen, die gerade eine Lehre absolvieren, als in Ausbildung. Diese machen ein Viertel (25,1 % bzw. 102 600) der sich noch in Ausbildung befindenden Personen aus. In überdurchschnittlich hohem Ausmaß 24,7 13,9 20,2 25,5 46,9 28,6 25,6 Insgesamt Pflichtschule Lehre BMS AHS BHS Hochschule, Akademie

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(85,5 %) entsprechen deren Kenntnisse und Fähigkeiten den Anforderungen im Lehrberuf, Über­ qualifikation ist nur sehr selten zu finden. Betrachtet man ausschließlich Personen in anderer for­ maler Bildung als Lehre, ergibt sich ein deutlich höheres Ausmaß an Überqualifikation, nämlich 36,2 % (gegenüber 28,7 % bezogen auf alle in Ausbildung befindlichen Personen inklusive Lehre). AHS-Absolvent:innen die sich im Referenzzeitraum5 nicht in einer Ausbildung befanden, gaben je­ doch fast ebenso häufig an, überqualifiziert zu sein wie jene in laufender Aus- oder Weiterbildung (in Ausbildung: 48,6 %; nicht in Ausbildung: 45,3 %). Dieser sehr hohe Anteil an Überqualifizierten mit maximal AHS-Abschluss – unabhängig davon, ob sie sich derzeit in Ausbildung befinden oder nicht – ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass es Personen mit maximal AHS-Abschluss6 gene­ rell schwerer fällt, adäquat auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – zumindest ihrer Selbsteinschät­ zung nach. Da eine AHS keine berufsbildende Ausbildung, sondern eine breite Allgemeinbildung vermittelt, viele Einstiegspositionen aber praktische oder spezifische Qualifikationen erfordern, fällt der Berufseinstieg oft schwerer. Geburtsland bzw. Migrationshintergrund
Deutliche Unterschiede in Bezug auf eine Beschäftigung entsprechend der eigenen Qualifikation zeigen sich auch nach Geburtsland: Personen, die im Ausland geboren wurden, gaben deutlich häufiger als in Österreich Geborene an, anspruchsvollere Tätigkeiten ausführen zu können, als es ihre Arbeitsstelle erfordert (32,4 % vs. 22,1 %; siehe Abbildung 3). Dabei spielen Anerkennungen und Bewertungen von Qualifikationen, die nicht in Österreich erworben wurden (Nostrifikation, Nostrifizierung oder Gleichhaltung7), sprachliche Kompetenzen sowie mittelbare und unmittelbare Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle. Im Ausland geborene Frauen erklärten noch häufiger als Männer, dass ihre Kenntnisse und Fähigkeiten umfassender sind als für ihre Tätigkeit notwendig (Frauen: 35,2 %; Männer: 30,0 %). Das höchste Ausmaß an Überqualifikation findet man bei Erwerbstätigen und ehemals Erwerbstä­ tigen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten ab 20048: Immerhin 36,8 % (Männer: 30,6 %; Frauen: 42,8 %) wiesen – ihrer eigenen Einschätzung nach – höhere Kenntnisse auf als für die Arbeit erfor­ derlich. Auch Personen aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien oder dem Kosovo sind beinahe ebenso häufig (35,7 %) für ihre berufliche Tätigkeit überqualifiziert. 5 Der Referenzzeitraum bezieht sich auf die letzten vier Wochen, auch die Ferienzeit gilt als „in Ausbildung“. 6 Ausführliche Ergebnisse aus dem Bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmonitoring (siehe z.B. Seite 45): BibEr- Bericht 2015. Aktuelle Kurz-Ergebnisse siehe auch: BibEr-Kurzbericht 2024. 7 Je nach Ausbildung werden unterschiedliche Begriffe für die Anerkennung verwendet. 8 Neue EU-Mitgliedstaaten ab 2004: Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Un­ garn, Zypern; Bulgarien, Rumänien; Kroatien.

Jede:r Vierte unter 35 überqualifiziert
7 von 10 Abbildung 3: Überqualifikation nach Geburtsland und Geschlecht, in Prozent

Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung – Modul 2024 „Junge Menschen auf dem Ar­ beitsmarkt“. – Erwerbstätige und ehemals Erwerbstätige unter 35 Jahren. – Gemäß Selbsteinschätzung hö­ here Kenntnisse als nötig. Abbildung 4: Überqualifikation nach Migrationshintergrund und Geschlecht, in Pro­ zent

Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung – Modul 2024 „Junge Menschen auf dem Ar­ beitsmarkt“. – Erwerbstätige und ehemals Erwerbstätige unter 35 Jahren. – Gemäß Selbsteinschätzung hö­ here Kenntnisse als nötig. 22,1 20,8 23,4 32,4 30,0 35,2 Insgesamt Männer Frauen Österreich Nicht-Österreich 21,9 20,9 22,9 30,1 27,4 32,9 31,9 28,9 35,2 25,7 23,8 27,7 Insgesamt Männer Frauen Ohne Migrationshintergrund Mit Migrationshintergrund Erste Generation Zweite Generation

Jede:r Vierte unter 35 überqualifiziert
8 von 10 Die gute Nachricht: Angehörige der zweiten Migrationsgeneration, d. h. sie selbst sind in Öster­ reich geboren, waren bereits deutlich seltener von Überqualifikation betroffen als jene der ersten Generation (25,7 % vs. 31,9 %). Allerdings findet man Überqualifikation bei ihnen immer noch häu­ figer als bei Personen ohne Migrationshintergrund (21,9 %). Wie Abbildung 4 zeigt, treten die Un­ terschiede bei den Frauen stärker hervor als bei den Männern. Erwerbsstatus und Arbeitsausmaß Wie bereits eingangs erwähnt, liegen für hochgerechnet 1,7 Mio. Erwerbstätige oder ehemals Er­ werbstätige unter 35 Jahren Informationen in Bezug auf die Entsprechung von Qualifikation und Job vor. Mehr als acht von zehn (83,9 %) dieser Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen waren zum Befragungszeitpunkt erwerbstätig. Ein kleinerer Teil (16,1 % bzw. 281 000) der 15- bis 34-Jährigen war zwar gegenwärtig nicht erwerbstätig, hatte aber bereits zu einem früheren Zeitpunkt einige Berufserfahrungen, vermutlich zum Teil Ferialjobs, gesammelt – mehr als ein Drittel davon (35,3 %) befindet sich noch in Aus- oder Weiterbildung. Wie gut der aktuelle Job zur eigenen Qualifikation passt, ist allerdings auch davon beeinflusst, ob die jungen Erwachsenen auf Voll- oder Teilzeitbasis arbeiten. So gaben Teilzeiterwerbstätige deut­ lich häufiger als Vollzeitbeschäftigte an, anspruchsvollere Tätigkeiten ausführen zu können, als es ihre Arbeit verlangt. Immerhin 34,4 % aller Teilzeiterwerbstätigen gaben an, ihre Kenntnisse seien umfassender als nötig. Vielfach handelt es sich hierbei um eine Nebentätigkeit zur Finanzierung der Ausbildung – gut ein Drittel (34,8 %) der Teilzeiterwerbstätigen unter 35 Jahren nimmt noch an einer formalen Ausbildung teil. Männer in Teilzeitjobs fühlten sich sogar doppelt so häufig über­ qualifiziert wie Vollzeiterwerbstätige (37,7 % vs. 19,1 %). Unter den Vollzeitbeschäftigten stuften sich hingegen insgesamt nur 19,2 % als überqualifiziert ein. Auch bei Analyse der Teilzeitgründe wird ersichtlich, dass Match bzw. Mismatch eng mit den Grün­ den für die Teilzeitarbeit verbunden sind. Die beiden häufigsten Gründe für Teilzeitarbeit von jun­ gen Erwachsenen sind die Aus- oder Weiterbildung (35,9 %; Männer: 55,8 %; Frauen: 28,0 %) so­ wie Kinderbetreuungsverpflichtungen (29,1 %) – mit einem Frauenanteil von 98,1 %. Ist Kinderbe­ treuung der Grund für die Teilzeitarbeit, so fühlen sich mit 26,4 % zwar noch etwas mehr Personen überqualifiziert als Vollzeiterwerbstätige (19,2 %), aber dennoch deutlich weniger als bei Teilzeit­ beschäftigten, die parallel zu ihrer Ausbildung einer Nebentätigkeit (43,4 %) nachgehen.

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